18.05.04

Als Hitlers Schwager das Spring-Derby gewann . . .

Jubiläum: Zum 75. Mal trifft sich in Flottbek die Elite zum glanzvollen Reiterfestival. Doch es gab auch dunkle Kapitel.

Von Hans-Eckart Jaeger

Hamburg. Schorsch hieß das Springpferd, durch dessen Adern Ostpreußenblut floss. An jenem Mai-Sonntag im Jahre 1937 trug er seinen Reiter unter den Flottbeker Eichen sicher und souverän über alle Hindernisse. Null Fehler, Sieg im 18. Deutschen Spring-Derby für Hermann Fegelein aus München. Den Mann, der nur acht Jahre später als Hitlers Schwager in die Geschichte einging und manch unrühmliches Kapitel zur deutschen Geschichte beisteuern sollte.

75 Jahre Derby-Historie. Reiter-Legenden wie Fritz Thiedemann, Hans-Günter Winkler, Hugo Simon oder Nelson Pessoa, spätere Weltklassereiter wie Achaz von Buchwaldt oder Ludger Beerbaum drückten dem traditionsreichen Turnier auf dem schwierigsten Parcours der Welt ihren Stempel auf, machten das Derby zu einem Pflichttermin für die Rotrock-Elite.

Hermann Fegelein, den Anton Joachimsthaler in seinem Buch "Hitlers Liste" als einen der "übelsten und ekelhaftesten Karrieristen" der Nazi-Zeit bezeichnete, kam schon als junger Mann mit der "Schutzstaffel" in Berührung, weil sein Vater in Ansbach eine Reitschule besass, die Versammlungsraum der NSDAP wurde. Als Leiter der SS-Hauptreitschule in München hatten die Fegeleins die besten Pferde im Stall. Hermann siegte 1937 im Derby, sein Bruder Waldemar zwei Jahre später an gleicher Stelle.

Bei Ausbruch des Krieges war Hermann Fegelein Kommandeur der "SS-Totenkopf-Reiterstandarte", die im Osten ihr Unwesen trieb. Später kam er in Hitlers engsten Kreis, und er heiratete Margarete Braun, Schwester von Hitlers Dauerfreundin Eva Braun. Namhafte Historiker behaupten, Fegelein hätte auch mit Hitlers späterer Ehefrau eine Liaison gehabt. Als sich der SS-General in den letzten Kriegstagen aus Berlin absetzen wollte, wurde er festgenommen und "wegen Feigheit vor dem Feind" im Garten der Reichskanzlei standrechtlich erschossen. Sein Schwager, Trauzeuge bei der Hochzeit, rührte keinen Finger.

Hermann Fegelein war nicht der einzige deutsche Springreiter, der in jener Zeit Karriere machte und in seiner Freizeit Triumphe auf bedeutenden Reitturnieren erreichte. Ein anderer, der dreifache Derby-Sieger Freiherr Friedrich von Langen (1924, 1927, 1928) kletterte bei der SA ebenfalls die Leiter hoch.

Fegelein und von Langen profitierten von den politischen Gegebenheiten, Eduard F. Pulvermann litt unter ihnen bis zu seinem Tod. Der angesehene hanseatische Kaufmann ist der Erfinder des traditionsreichen Parcours unter den Eichen in Klein Flottbek.

Nach ihm wurde das berühmte Hindernis 14 benannt ("Pulvermanns Grab"). Es ist fünf Meter breit, jeweils 1,50 Meter hoch, und dazwischen im Abstand von 15 Metern ein zwei Meter breiter Wassergraben. Dieses Hindernis ist schon vielen Reitern zum Verhängnis geworden. Auch Pulvermann, 1921 mit Tristan Sechster, 1921 mit Tristan und 1924 mit Weißer Hirsch jeweils Siebter, bewältigte "seinen" tückischen Natur-Parcours niemals fehlerfrei.

Der England-Freund, ein engagierter Nazi-Gegner, hat letztlich ein schlimmes Schicksal erlitten. Der Sohn einer Amerikanerin (Die Eltern führten über einige Jahre in New York eine Im- und Exportfirma) starb am 9. April 1944 in einem Gefängnislazarett in Langenhorn. Zuvor war Eduard F. Pulvermann nach seiner Festnahme durch Hitlers Schergen für längere Zeit ins Konzentrationslager Neuengamme vor den Toren Hamburgs eingeliefert worden. Dort musste er Demütigungen und Quälereien über sich ergehen lassen.

1937, als die spätere SS-Größe Fegelein das Derby gewann, war das Geburtsjahr von Klaus Meyer, der seit 1987 Vorsitzender des Norddeutschen und Flottbeker Reitervereins (NRV) ist. Sein Vater Hans, ein Flottbeker Landwirt, war Gründungsmitglied und über Jahrzehnte im Vorstand des 1928 von einigen Hamburgern gegründeten Vereins.

Das erste Spring-Derby wurde 1920 erstmals ausgetragen. "Unser Derby hat eine lange Tradition", sagt Klaus Meyer. "Ich bin sicher, dass diese für Hamburg wichtige Sportveranstaltung auch künftig ihren festen Bestand haben wird."

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