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Sport

Problem liegt im Kopf

Athletik-Trainer Fritz Sdunek fordert eine lange Pause

Las Vegas. Es passte ins Bild, dass Wladimir Klitschkos Cheftrainer nach dem Debakel für einen Kommentar nicht zur Verfügung stand. Emanuel Steward hatte nach der Niederlage seines neuen Schützlings die Pressekonferenz geschwänzt. Erst am Tag danach war er über Handy zu erreichen. "Ich bin total durcheinander. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Boxer nach einem so überlegen geführten Kampf so verliert. Wladimir hat sich schlapp gefühlt. Warum, das müssen Tests klären."

So war es wieder einmal Fritz Sdunek, der in die Bresche springen musste. Der 56-Jährige, der lediglich noch für die Athletik zuständig war, hätte sich als Gewinner darstellen können, schließlich schien der Trainerwechsel sich als das herausgestellt zu haben, was viele vorher geunkt hatten - eine Panikreaktion, die in die falsche Richtung losgehen würde. Sdunek blieb jedoch souverän: "Wladimir hat in der fünften Runde zu viel geschlagen, er hat Brewster stark gemacht."

Dass die Kondition nicht gestimmt habe, dass Wladimir durch andere Dinge von seiner Aufgabe abgelenkt worden sei, dementierte Sdunek: "Er war in einer Superverfassung. Das Problem liegt im Kopf."

Sdunek arbeitete am Ring nur hinter den Seilen, er reichte Wasser, hielt sich mit Kommentaren zurück: "Ich hielt es für unfair einzugreifen." Für nötig hielt er es offenbar schon, und so sagte er Anfang der fünften Runde: "Geh aus der Linie!" Wladimir hörte nicht zu.

Dass das Verhältnis zwischen Sdunek und Wladimir gelitten hat, war indes nicht zu überhören. Die Niederlage tue schon weh, sagte Sdunek, nun sei es jedoch an Wladimir, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. "Er muss für sich entscheiden, wie es weitergehen soll. Jung genug, um zurückzukommen, ist er. Aber er muss eine lange Pause machen", so der Coach.

Mit seinen Gedanken war Sdunek längst beim 24. April in Los Angeles, wo er bei Vitalis Kampf gegen Corrie Sanders wieder als Chefcoach arbeitet. "Vitali ist von der Psyche her stark genug, dem Druck, den er jetzt hat, standzuhalten. Er wird die Familienehre retten", sagte er. Steward werde höchstens in der Ringecke assistieren, auch wenn er stets verkündet hatte, mit beiden Klitschkos zu arbeiten. Tatsächlich scheint sich Steward verpokert zu haben, denn aus dem Universum-Stall verlautete, dass Wladimir schon vor dem Kampf gegen Brewster über eine Demission des ehemaligen Coachs von Lennox Lewis nachgedacht hatte.

Nach Ende des Kampfes habe sich Wladimir noch im Ring entschuldigt, sagt Sdunek. "Es tut mir Leid, Fritz", habe er gesagt. Ob er den Kampfausgang meinte oder die Degradierung seines langjährigen Mentors, ließ Sdunek offen - mit einem Schmunzeln im Gesicht.

 

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