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Sport

DSF-Chefredakteur Sven Froberg

"Erwarte von St. Paulis Fans respektvollen Umgang"

Es war der 10. März 2008, ein Montag. St. Pauli spielte gegen 1860 München am Millerntor - und das DSF übertrug live. Während der Partie präsentierten die Pauli-Fans zahlreiche "Scheiß DSF"-Transparente und sangen entsprechende Lieder. Am kommenden Montag zeigt der Sender St. Pauli gegen Kaiserslautern. Im Vorfeld stellte sich DSF-Chefredakteur Sven Froberg den Fragen von abendblatt.de.


Foto: Witters

Abendblatt: Herr Froberg, wie sehr nervt es, dass Sie vor jedem Montagsspiel am Millerntor über mögliche Fanproteste befragt werden?

Sven Froberg: Das nervt mich überhaupt nicht. Ich stelle mich den Fragen immer wieder gerne, denn das DSF kommt ja auch immer wieder gerne ans Millerntor. Und wir wissen auch von vielen St.-Pauli-Fans, dass sie den Montagabend ganz toll finden, weil dann eine unvergleichbare Flutlichtatmosphäre herrscht. Ärgerlich wird es nur, wenn im Stadion unsere Mitarbeiter nicht nur beleidigt, sondern auch noch tätlich angegangen werden. Dann geht es einfach zu weit.

abendblatt.de: Sie sprechen vom letzten Montagsspiel am Millerntor, als 1860 München beim FC St. Pauli zu Gast war?

Froberg: Genau. Da wurden unsere Mitarbeiter massiv beleidigt, weswegen wir den anschließenden Dialog mit den Fans und dem Verein gesucht haben. Es gab dann einen sehr konstruktiven Gipfel am Millerntor, bei dem wir uns alle ausgetauscht haben.

abendblatt.de: Fanvertreter kritisieren, dass es bei dem Gipfel zu keinem Ergebnis kam.

Froberg: Was für ein Ergebnis sollte denn dabei rauskommen? Dass wir uns vom Sendeplatz am Montagabend zurückziehen? Dass wir St. Pauli nicht mehr übertragen? Mir ging es weniger um konkrete Ergebnisse, sondern viel mehr um einen konstruktiven Gedankenaustausch. Es sollte ein erster Schritt sein, um die Ansichten der anderen besser zu verstehen.

abendblatt.de: Hauptkritikpunkt von St. Paulis Fans ist, dass bei den Ansetzungen keine Distanzen berücksichtigt werden.

Froberg: Zum einen muss man sagen, dass nicht wir sondern die DFL die Spiele ansetzt. Zum anderen müssen wir neben den Fans der Klubs auch die Fans des DSF berücksichtigen. 1,2 Millionen Zuschauer sehen unsere Montagsübertragungen im Schnitt. Und denen muss man eben auch interessante Spiele bieten.

abendblatt.de: Zu ihrem ersten Punkt: Die DFL setzt zwar die Spiele an, aber Sie können doch einen Wunsch anmelden, oder?

Froberg: Das stimmt. Aber als Auswärtsfan ist es doch nicht unbedingt von Vorteil, wenn man am Freitag um 18 Uhr bei einem Spiel sein muss. Da muss man sich auch einen Urlaubstag nehmen.

abendblatt.de: Und zu Ihrem zweiten Punkt: Kann man nicht versuchen, einen Kompromiss zu finden, damit sowohl Ihre 1,2 Millionen Zuschauer als auch die Stadionbesucher zufrieden sind? Ein Derby zwischen Osnabrück und St. Pauli wäre doch auch interessant.

Froberg: Natürlich wollen wir auch weiterhin die Topspiele übertragen. Aber wir können uns natürlich bemühen, in Zukunft die Distanzen stärker zu berücksichtigen. Allerdings werden wir der DFL keine Empfehlung geben, in Zukunft nur noch Derbys am Montag anzusetzen. So ein Versprechen kann ich nicht abgeben.

abendblatt.de: Was erwarten Sie von St. Paulis Fans am kommenden Montag?

Froberg: Ich erwarte eine tolle Stimmung, denn deswegen sind wir vom DSF ja auch so gerne am Millerntor. Auf jeden Fall erwarte ich einen respektvollen Umgang, anders als zuletzt gegen 1860 München.

abendblatt.de: St. Paulis und Kaiserslauterns Fans haben sich darauf verständigt, die ersten 20 Minuten zu schweigen, um so gegen die Montagsspiele zu protestieren.

Froberg: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir ein stiller Protest immer noch lieber ist als die dumpfen Sprechchöre oder Plakate wie beim letzten Mal.

abendblatt.de: Wird der Kommentator die TV-Zuschauer aufklären?

Froberg: Nein. Wir werden über das Geschehen auf dem Rasen und nicht auf den Rängen berichten.

abendblatt.de: Gibt es noch einen anderen Zweitligaklub, bei dem sich die Fans so massiv gegen Montagsspiele wehren?

Froberg: Das ist mir ehrlich gesagt nicht bekannt. Aber St. Paulis Fans sind nun mal einzigartig.

 

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