Eishockey: Hamburg Freezers unterliegen den Metro Stars aus Düsseldorf mit 2:3
Aufbruchstimmung trotz Niederlage
Auch als Verlierer wurden die Spieler von Paul Gardner von den Fans gefeiert. Das wäre vor wenigen Wochen undenkbar gewesen.
Hamburg. Als die Schlusssirene ertönte, brandete Jubel auf Seiten der rund 300 mitgereisten DEG-Fans auf. Nichts Ungewöhnliches, schließlich hatten die Metro Stars mit 3:2 (1:1, 1:1, 1:0) gewonnen. Aber auch die Fans der Hamburg Freezers spendeten ihren Stars Applaus. Noch vor Wochen wäre dies ein undenkbares Szenario gewesen. Das Tischtuch zwischen Fans und Mannschaft schien zerschnitten. Doch auch die Anhängerschaft erkennt, dass sich auf dem Planet Ice einiges geändert hat.
Die Mannschaft kämpft und zeigt endlich den lange vermissten Charakter. "Ich kann meinen Jungs keinen Vorwurf machen. Sie haben alles gegeben, und wenn mir vorher jemand erzählt hätte, dass wir 43 Schüsse gegen ein Topteam wie Düsseldorf abfeuern, hätte ich es nicht geglaubt. Leider hatte Düsseldorfs Torhüter Jamie Storr einen außergewöhnlichen Tag", so Trainer Paul Gardner, dessen Blick sofort auf das kommende Spiel am Dienstag in Ingolstadt gerichtet war. Frei nach dem Motto: Mund abputzen und weiter gehts.
Dass diese Mentalität auch in den Köpfen der Spieler angekommen ist, ist nicht zuletzt dem Trainer selbst zuzuschreiben. Durch seine fast schon väterliche Art hat er aus einem charakterlosen Haufen eine homogene Mannschaft geformt. "Der Trainer macht einen fantastischen Job. Er behandelt uns fair und bringt uns Respekt entgegen. Jeder will für ihn Gas geben. Er hat uns ein System vorgegeben, das nicht schwer umzusetzen ist", berichtet Kapitän Clarke Wilm, der seiner Führungsrolle gegen Düsseldorf gerecht wurde. Gardner brachte den Spaß in die Mannschaft zurück. "Wir gehen alle wieder mit einem guten Gefühl zur Arbeit. Das war vor ein paar Monaten anders", gesteht Nachwuchsstürmer Thomas Pielmeier, der genauso wie alle anderen deutschen Talente vom Trainerwechsel von Bill Stewart zu Gardner im Dezember profitierte.
Ein weiterer wichtiger Faktor für den Aufschwung der vergangenen Wochen war die Rückkehr von Alexander Barta nach seinem Oberschenkelbruch im März 2008, der sofort wieder zum Leistungsträger und Führungsspieler wurde. 17 Scorerpunkte (sechs Tore, elf Vorlagen) in elf Spielen belegen dies eindrucksvoll. Bartas Siegeswille übertrug sich sofort auf seine Kollegen.
Seit der Ex-Kapitän wieder mit an Bord ist, klappt es bei seinen Mitspielern wieder mit dem Toreschießen. Spieler wie John Tripp, der über weite Strecken der Saison Ladehemmung hatte, treffen wieder und entlasten so die Top-Sturmreihe um Francois Fortier, Wilm und Vitalij Aab. Fünf Freezers-Spieler haben bereits eine zweistellige Toranzahl. "Wir brauchen jeden einzelnen Spieler. So sind wir schwerer auszurechnen", erklärt Gardner, der in den vergangenen Wochen nicht nur als Übungsleiter, sondern vor allem auch als Psychologe gefragt war.
Er kommuniziert mit seinen Spielern im Training, in der Kabine und auch während des Spiels hinter der Bande. "Wenn jemand einen Fehler gemacht hat, kommt der Trainer und gibt einem einen Klapps. Auch wir Spieler reden mehr miteinander und feuern uns an", so Pielmeier. Kapitän Wilm bestätigt dies und gibt gleichzeitig das Motto für die noch fünf verbleibenden Hauptrundenspiele aus. "Früher waren Niederlagen immer gleichbedeutend mit dem Weltuntergang. Das ist jetzt anders. Wir blicken voraus, und ich sage: Positiv bleiben und Platz sechs angreifen."
Es hat sich eben einiges geändert bei den Hamburg Freezers. Doch wie heißt es so schön: Besser spät als nie.
Tore: 1:0 (7:45) Tripp (Brigley, Barta) 5-4, 1:1 (8:03) Joseph (Courchaine, Reid) , 1:2 (37:00) Reid (Ratchuk, Joseph), 2:2 (38:53) Mueller (Sarno, Barta), 2:3 (47:24) Courchaine (Bazany, Joseph). Strafminuten: 14/12 , SR: Bauer (Nürnberg) , Z.:10 255






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