Ohne Risiko zum Erfolg
WBO-Weltmeister Wladimir Klitschko ließ seinem Herausforderer Jameel McCline keine Chance.
Las Vegas. Einer von Jameel McClines Betreuern witzelte vor Beginn des Schwergewichts-Weltmeisterschaftskampfes über das dunkelrote Mäntelchen mit den goldenen Bordüren von WBO-Champion Wladimir Klitschko. Der Ukrainer sehe darin aus wie der Weihnachtsmann. Das kann man so sehen, aber dann muss man auch anmerken, dass der amerikanische Herausforderer mit seinem rot und silbern glitzernden Outfit an diesem Abend leicht mit einer überdimensionalen Christbaumkugel hätte verwechselt werden können.
Trotz der Vorweihnachtszeit merkte der 32-jährige Boxer aus New Jersey sehr schnell, dass der Fight im Event Center des Mandalay Bay in Las Vegas für ihn mit allem anderen als mit einem "O du fröhliche" enden würde. In einem einseitigen Kampf spielte der sieben Jahre jüngere Champion aus dem Hamburger Universum-Stall stattdessen "Knüppel aus dem Sack" nach Nikolausart. Nach einer Stafette von drei linken Jabs und einem rechten Aufwärtshaken Ende der zehnten Runde schickte der Ukrainer den gewichtigen Amerikaner auf die Bretter, so dass dieser zur nächsten Runde nicht mehr antrat.
Der 40. Sieg im 41. Profikampf bereitete dem Wahlhamburger zwar Genugtuung, seine aufregendste Leistung zeigte der Ausnahmeboxer jedoch nicht. So musste sich der jüngere des erfolgreichen brüderlichen Boxduos, nachdem er zu Beginn von den meisten der 6580 Zuschauer mit lautem Beifall empfangen worden war, am Ende sogar einige Buhrufe gefallen lassen.
Nach der fünften erfolgreichen Verteidigung seines Weltmeistertitels gestand der 2,01 Meter große Hüne selbst ein, dass es manchmal für die Zuschauer "wohl etwas langweilig" gewesen sein muss.
Grund für diese temporäre Langeweile war die Tatsache, dass Klitschko, ganz im Gegensatz zu seinem Gegner, den Kampfplan seines Trainers Fritz Sdunek exakt ausführte. Das war zwar fürs Auge nicht sonderlich schön - besonders für das rechte von McCline, das bald völlig zugeschwollen war -, aber für den Erfolg das einzig Richtige.
Klitschko dominierte, ohne zu brillieren. Doch der promovierte Sportwissenschaftler hat genug graue Hirnzellen, um zu wissen, dass ein noch so brillanter Kampf am Ende nichts zählt, wenn man vor lauter Brillieren eine ansatzlose Rechte oder Linke des Gegners übersieht. Coach Sdunek fasste das Ergebnis mit einem Satz zusammen: "Er hat McCline systematisch ausgeboxt und ist kein Risiko eingegangen."
Wie klar Klitschko überlegen war, zeigte die Kampfstatistik. So landete er mit 183 Treffern dreimal so viele wie sein Herausforderer (61). Bei den Jabs war das Verhältnis mit 107:32 sogar noch deutlicher zu Gunsten des alten und neuen Champions.
Man darf McCline, der erstmals in seiner Karriere vorzeitig verlor, nicht den Siegeswillen absprechen, gezeigt hatte er ihn jedoch zehn Runden lang nicht. Mit Ausnahme der zweiten gingen alle Runden an den Weltmeister. Der US-Boxer machte über weite Strecken einen hilflosen Eindruck, wenn er ohne Plan und Ziel auf Klitschko losstürmte, um von diesem mit einem seiner gefürchteten linken Jabs bestraft zu werden oder aber mit beiden Fäusten hoch erhoben quasi um Gnade zu bitten.
Um beim vorweihnachtlichen Bild zu bleiben: Nikolaus Klitschko steckte McCline in den Sack und holte ihn wieder raus, da wusste dieser noch nicht einmal, dass er drinnen war. Angesichts dieser Orientierungslosigkeit tat Jimmy Glenn, der Trainer McClines, das einzig Richtige, als er ihn zur elften Runde erst gar nicht mehr antreten ließ. Der Coach des Amerikaners: "Ich wollte nicht, dass Jameel verletzt wird."
Ohne die Leistung Klitschkos schmälern zu wollen, brachte der Abend in der gut gefüllten Halle im Mandalay Bay Hotel eine traurige Erkenntnis. Nämlich die, dass die USA in der Königsklasse des Boxens, die sie traditionell über Jahrzehnte von Joe Louis über Muhammad Ali und Joe Frazier bis hin zu Mike Tyson dominiert hatten, nur noch ein Schatten ihrer selbst sind.







Branchenbuch Hamburg
Abendblatt auf Facebook
100. Geburtstag
Axel Springer








