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Sport

Boxen: Universum-Gala in Düsseldorf

Alekseev entzaubert - Menzer umjubelt

Er wich den Blicken aus, antwortete in knappen Worten, hervorgepresst durch die zusammengekniffenen Lippen. Und wer ein Streichholz entzündet hätte...

Düsseldorf. Er wich den Blicken aus, antwortete in knappen Worten, hervorgepresst durch die zusammengekniffenen Lippen. Und wer ein Streichholz entzündet hätte in seiner Nähe, der hätte ihn binnen Sekunden zum Explodieren gebracht. Die Wut, die Alexander Alekseev verspürte, richtete sich gegen einen Menschen, der durch ein überhebliches, selbstgefälliges Auftreten die größte Chance seines bisherigen Lebens verpasst hatte. Alexander Alekseev war wütend auf sich selbst.

Was war nicht alles über den 27 Jahre alten Cruisergewichtsprofi aus dem Hamburger Universum-Stall gesagt und geschrieben worden. Als Rohdiamant galt er, als kommender Weltmeister, gewichtsklassen-übergreifend als einer der besten Faustkämpfer weltweit, und dann dies: Vor 4000 Zuschauern im Burg Wächter Castello unterlag der Russe im Kampf um den Interims-WM-Titel der World Boxing Organisation (WBO) dem limitierten Argentinier Victor Emilio Ramirez (24) durch Aufgabe in der Pause zur zehnten Runde. Trainer Fritz Sdunek hatte diese weise Entscheidung getroffen, nachdem sein Schützling in den Runden sechs und neun nach schweren Kopftreffern kurz vorm Knockout gestanden hatte. "Es war eine einvernehmliche Entscheidung, um Schäden für die Zukunft zu verhindern", sagte Sdunek später.

Derlei Schäden hätte der studierte Rechtsanwalt Alekseev von vornherein ausschließen können, hätte er so geboxt, wie man es von ihm gewohnt ist. Doch der in bis dato 16 Profikämpfen unbesiegte Musterathlet zeigte nur selten seine präzisen Körperhaken, er nutzte seine Vorteile in Technik und Schnelligkeit nicht, sondern ließ sich von den wüsten Angriffen des eindimensionalen Argentiniers beeindrucken. "Es war nicht mein Tag. Ich habe schlecht gekämpft, und die Schuld liegt nur bei mir allein. Ich suche keine Ausreden", sagte Alekseev, der sich in der Kabine mit drastischen Worten selbst beschimpfte, selbstkritisch. Dass sich die ob zu vieler kurzrundiger K.-o.-Siege fehlende Erfahrung bemerkbar gemacht hatte, wollte Sdunek so nicht gelten lassen. "Er ist im Sparring diese Distanz häufig gegangen und dürfte damit keine Probleme haben", so Sdunek.

Universum-Chef Klaus-Peter Kohl hatte auch bereits einen anderen Grund für die Schlappe ausgemacht: die Überheblichkeit. Tatsächlich hatte Alekseev in den Tagen vor dem Kampf extrem selbstsicher gewirkt. Zwar war er bemüht, nicht arrogant aufzutreten, doch seine Aussage, er werde "viel Spaß im Ring" haben, deutete darauf hin, dass er den Südamerikaner, der ihm ein Rematch in Argentinien anbot, nicht so ernst wie nötig genommen hatte. Wenn man mit Argentiniern eins im Ring nicht hat, dann ist es Spaß. "Wir werden die Niederlage nicht kleinreden, sie ist ein Rückschlag. Aber wenn Alexander daraus die richtigen Schlüsse zieht, wovon ich fest ausgehe, dann wird er noch stärker zurückkommen", sagte Kohl, dem immerhin der Hauptkampf des Abends zu guter Laune verhalf.

Dort verteidigte Federgewichts-Weltmeisterin Ina Menzer (28, Mönchengladbach) ihre WIBF- und WBC-Titel durch einstimmigen Punktsieg (97:93, 97:93, 96:94) gegen Esther Schouten (31). Weil die bei Universum-Tochter Spotlight unter Vertrag stehende Niederländerin das offene Gefecht suchte und mehrfach schwere Kopftreffer anbrachte, wurde der Kampf zu einer Demonstration technisch hochklassigen Frauenboxens, die Menzer hochverdient gewann. "Das war Werbung für den Sport. Zum Glück kann Ina einiges einstecken", sagte Kohl, der sich trotz schlagkräftiger Konkurrenz ("Schlag den Raab", "Dschungelcamp") über eine gute Quote - 4,03 Millionen (14,6 Prozent Marktanteil) sahen im ZDF zu - freuen konnte. "Ich habe nicht gut genug geboxt, um Ina gefährden zu können. Sie hat verdient gewonnen", sagte Schouten, die immerhin das Duell ums letzte Wort gewann. Vor ihrem Kampf hatten beide ihre Rezepte gegen Erkältung angepriesen. Menzer aß täglich zwei Knoblauchzehen, Schouten setzte auf Sex. Menzers Sticheln, der Knoblauch habe gewonnen, konterte Schouten mit einem einfachen "Sex macht mehr Spaß!" Dem wollte selbst die um freche Sprüche nie verlegene Menzer nicht widersprechen.bj

 

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