Tennis: Einstiger Hamburg-Sieger soll Direktor des Traditionsturniers werden
Kann Michael Stich den Rothenbaum retten?
"Ich muss es wieder machen!" Mit diesen Worten stieg Deutschlands einstiger Tennisheld Michael Stich am Freitag im Hotel Vier Jahreszeiten in ein...
Foto: Witters
Hamburg. "Ich muss es wieder machen!" Mit diesen Worten stieg Deutschlands einstiger Tennisheld Michael Stich am Freitag im Hotel Vier Jahreszeiten in ein kurzfristig anberaumtes Treffen mit Hamburger Medienvertretern ein. Worte, mit denen er eigentlich nur bekunden wollte, dass er - wie so oft - eine Gesprächsrunde eröffnen sollte. Worte, die aber auch seine neue Mission beschreiben: die Rettung des traditionsreichen Turniers am Hamburger Rothenbaum.
Jetzt scheint die Zukunft der kriselnden "German Open" durch Stich ein Stück sicherer zu sein. Der Wimbledonsieger wird sich aller Voraussicht nach mit seiner neu gegründeten "Hamburg Sports & Entertainment GmbH" künftig um die Ausrichtung des Turniers kümmern. Inhaber der Lizenz bleiben der Deutsche Tennis-Bund (DTB) und seine Kooperationspartner aus Katar. "Wir wollen das Turnier einfach in Hamburg halten", sagte Stich, der auch seinen ehemaligen Daviscup-Kollegen Carl-Uwe Steeb als Turnierdirektor ablösen soll.
Gerüchte über den Verkauf der Lizenz waren durch die erneuten Verluste der Veranstaltung (2008 rund 400 000 Euro) und die Aberkennung des Masters-Status durch die Spielerorganisation ATP aufgekommen. Stich und seine Mitstreiter planen nun einen Neuanfang mit einem Turnier der sogenannten 500er-Serie, das vom 18. bis 26. Juli 2009 ausgetragen werden soll. Ungeachtet der noch notwendigen Zustimmung der ATP, sind sie bereits da bei, mit Unterstützung der Handelskammer Sponsoren zu suchen.
"Mir liegt das Turnier besonders am Herzen", sagte Stich, der in Elmshorn aufwuchs und sich schon als kleiner Junge durch den Zaun des Rothenbaum-Geländes zwängte, um die Weltstars des Tennis hautnah erleben zu können. 1993 gewann er dann selbst an der Hallerstraße - als letzter deutscher Tennisprofi. In den vergangenen Jahren waren die deutschen Spieler nur Randfiguren neben den Stars Roger Federer und Rafael Nadal. Doch das soll und muss sich jetzt ändern.
Die Topspieler sind künftig nicht mehr verpflichtet, am Rothenbaum anzutreten, müssten für teures Geld nach Hamburg gelockt werden. Da der DTB aber schon seit Jahren gegen den finanziellen Ruin kämpft und in der allgemeinen wirtschaftlichen Lage Sponsoren den Veranstaltern auch nicht die Türen einrennen, wird ebendieses Geld auch für Stich nicht aufzubringen sein. Der Olympiasieger, den der Fokus auf Federer und Nadal zuletzt ohnehin störte, will die Zuschauer nun für "zukünftige Stars" begeistern, die in der Hansestadt aufschlagen sollen.
Das Turnier in der ersten Woche der Hamburger Sommerferien soll außerdem familienfreundlicher werden. Geplant ist unter anderem eine Dauerkarte für Kinder und Jugendliche zum Preis von 99 statt wie bisher mehr als 250 Euro.
Ein Konzept, das auch den DTB, der den Etat von rund 3,5 Millionen Euro für das 500er-Turnier selbst nicht stemmen konnte, überzeugt. "In den letzten Jahren war es schwer, das Turnier durchzuführen und zu finanzieren", verdeutlichte DTB-Vize Ulrich Kroeker. "In der neuen Konstellation glauben wir es langfristig zu schaffen."
Stich, der zuletzt vor allem mit seiner Stiftung für HIV-infizierte und an Aids erkrankte Kinder in Erscheinung trat, will sich nicht mit Mitteln aus seinem Privatvermögen beteiligen. Er gehe dennoch im Hinblick auf sein Renommee ein gewisses Risiko ein, meint der einstige Wimbledonsieger und Weltranglistenzweite.
Bleibt die Frage, ob das auch belohnt wird. Im Gegensatz zum einstigen Chairman Boris Becker oder zu seinem Vorgänger Steeb spricht für Stich der Faktor des regionalen Türöffners. "Ich bin nicht der Heilsbringer", warnt der Ex-Profi. Aber einer muss es ja machen.







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