FC St. Pauli: Nicht nur Ärger, Selbstkritik und Rätselraten nach dem 0:2 in Freiburg
Erst 20 Minuten nichts - und dann gar nichts
Mit hochrotem Kopf kam er in die Kabine. Den hat er nach den Spielen immer, aber diesmal war doch irgendetwas anders. Marcel Eger stand die...
Foto: Witters
Freiburg. Mit hochrotem Kopf kam er in die Kabine. Den hat er nach den Spielen immer, aber diesmal war doch irgendetwas anders. Marcel Eger stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. St. Paulis Abwehrspieler gibt in jedem Spiel 100 Prozent, er verausgabt sich bis zum Letzten, er ist in dieser Hinsicht ein Vorbild-Profi. Und dann das: Die Fans versagten ihrer Mannschaft bei der 0:2-Niederlage in Freiburg die Unterstützung. 20 Minuten Ruhe wie auf einem Friedhof, dann wurde nur noch gegen das live übertragende DSF skandiert - aber das eigene Team kaum einmal angefeuert. Das bringt einen Vorzeige-Profi wie "100-Prozent-Eger" mächtig auf die Palme.
Nach dem Duschen - im Schnellverfahren - war er immer noch aufgebracht. Bevor er als erster Spieler in den Bus kletterte, ließ er Dampf ab, aber er verlor dabei kein einziges Wort über die Fans und das leidige Fernseh-Thema. Das hatte er schon lautstark in der Kabine erledigt. Marcel Eger sprach über Anspruch und Wirklichkeit: "Wer sich bei uns vor dem Spiel Gedanken über einen Aufstiegsplatz gemacht hat, der wird nach dieser Niederlage auf den Boden der Tatsachen geholt worden sein." Der Innenverteidiger weiter: "Wir waren mutlos, hatten Angst, vielleicht deshalb, weil einige Leutchen im Fernsehen zugeschaut haben - ich weiß es nicht. Das war das schlechteste Spiel von uns in dieser Saison."
Video: Holger Stanislawski nach der 0:2-Pleite beim SC Freiburg
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Über seine größte Enttäuschung wollte Eger ("Das behalte ich für mich") nicht sprechen. Das hatte er unmittelbar nach dem Schlusspfiff im Stadion schon getan, als er aufgeregt und sauer mit den Fans diskutierte. Motto: Erst 20 Minuten gar nichts, dann nur gegen das Fernsehen, aber nichts für die eigene Mannschaft - warum fahren die Fans denn überhaupt mit?
Die Anhänger aus Freiburg und Hamburg hatten sich vorher verbrüdert. Sie alle haben die Nase voll von unmöglichen Anstoßzeiten und außergewöhnlichen, verzerrenden Spieltagen. Und in der kommenden Saison soll (und wird) es sogar Sonnabendsspiele um 13.30 Uhr geben. St. Paulis Trainer Holger Stanislawski: "Darauf habe ich auch wenig Bock." Doch diese Entwicklung ist wohl nicht mehr aufzuhalten, das Fernsehen gibt viel Geld, und die Spieler wollen gut und immer besser verdienen. Die Frage bleibt, ob die Fans klug beraten sind, ihren Frust während der Spiele zu bekämpfen? Denn Unterstützung hätte der FC St. Pauli an diesem Abend dringend benötigt, weil von Beginn nichts zusammenlief.
"Wir haben den Ball nicht von A nach B bekommen, waren nicht mutig, waren auch gedanklich viel zu langsam - der Kopf lähmt die Beine. Warum auch immer", sagte Stanislawski. Die Angst vor dem Höhenflug? Eine gewisse Selbstzufriedenheit? Oder das Schweigen der Fans? Auch der St.-Pauli-Coach war vom Thema des Abends wenig angetan: "Als Spieler und Trainer freust du dich auf das Spiel, reist nach Freiburg, hast tolles Wetter, ein Super-Stadion - und dann ist es 20 Minuten total still. Das mag kein Fußballer."
"Stani" dachte aber auch an die "Gegenseite": "Das Fernsehen bezahlt ja eine Menge für diese Live-Übertragungen, das ist ein Nehmen und ein Geben. Deshalb kann man das nicht nur verteufeln, auch wenn die Anstoßzeiten nicht optimal sind."
Damit sprach der Trainer das an, was auch Marcel Eger denken wird. Vielleicht aber schließt sich schon am Freitag, beim schweren Heimspiel gegen Ahlen, so mancher St.-Pauli-Fan dieser Denkweise doch wieder an. Trotz der frühen Anstoßzeit von 18 Uhr!








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