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Sport

DFB: Nach der Flucht von der Nationalelf kam jetzt die Entschuldigung

Kuranyi wie ein Häufchen Elend

Der Stürmer konnte seine Rolle als Ersatz nicht mehr ertragen, sagt dennoch: "Ich bereue aber nichts."


Foto: dpa

Gelsenkirchen/Düsseldorf. Rotes T-Shirt, blaue Jeans, weiße Turnschuhe. Locker und leger betrat Kevin Kuranyi die Räumlichkeiten der Veltins-Arena auf Schalke, doch von Urlaubsstimmung war bei dem aus der Nationalmannschaft verbannten 26-jährigen Stürmer nichts zu erkennen. Im Gegenteil, sein Gesicht war ernst, als er zu seiner Flucht während des WM-Qualifikationsspiels in Dortmund gegen Russland Stellung bezog: "Ich weiß, dass das ein Fehler war."

Beim Vormittags-Training der Schalker waren nur zwölf Spieler und vier Trainer am Start, Kuranyi fehlte. Offizielle Begründung des Klubs: Rehamaßnahmen. Und dennoch war Kevin Kuranyi allgegenwärtig. Für die vielen Trainingskiebitze gab es nur ein Gesprächsthema: "Das hätte der Kevin so nicht machen dürfen." Allerdings bringen die Leute in Gelsenkirchen auch viel Verständnis für Kuranyi auf. Ein Mann im Kuranyi-Trikot mit der Rückennummer 22 hielt immer wieder ein giftgrünes Plakat in die Höhe: "Kevin, du bist Klasse." Und am Eingang zum ehemaligen Parkstadion bemühten sich vier Frauen, ein Spruchband am Zaun zu befestigen: "Kevin, wir halten zu dir." Was wohl den Kern der Sache treffen dürfte.

Video: Kuranyi total geknickt in der Pressekonferenz

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Mitspieler Fabian Ernst, selbst ehemaliger Nationalspieler: "Kevins Reaktion kann ich schon nachvollziehen, er genoss nie den Respekt und das Vertrauen, das anderen Spielern entgegengebracht wird." Der frühere HSV-Profi weiter: "Wir, die ganze Schalker Mannschaft, stehen hinter Kevin. Ich hoffe nur, dass er das alles verkraftet, was nun auf ihn einstürzen wird."

Einen Meter neben Ernst erklärte Schalke-Trainer Fred Rutten: "Kevin weiß, dass er das nicht so super gemacht hat, aber er ist eben ein sehr emotionaler Mensch. Vielleicht aber ist das in einigen Monaten schon vergessen, und es gibt doch noch einen Weg für ihn in die Nationalmannschaft zurück." Daran aber glaubt Kuranyi selbst nicht, obwohl er es auch nicht explizit ausschließen will. Man sollte nie nie sagen.

Aber zunächst einmal ist Ende beim DFB. Zwölf Kameras der TV-Stationen warteten auf Kuranyi, unzählige Fotografen stürzten sich auf den Mann, der ein kleines Beben ausgelöst hat. Ganz leise und mit eher grimmiger Miene, die Arme vor der Brust verschränkt, sagt Kuranyi: "Es war Quatsch, einfach so das Stadion zu verlassen. Dafür habe ich mich inzwischen beim Bundestrainer entschuldigt." Dass er erst um Mitternacht mit Löw sprach, entschuldigte Kuranyi so: "Eher konnte ich es nicht, mir gingen einfach zu viele Dinge durch den Kopf."

In diesem Telefonat schilderte der Schalke-Stürmer all seine Seelennöte. Alles das, was sich seit drei Jahren aufgestaut hatte, erzählte er Joachim Löw. Kuranyi: "Jeder Mensch macht mal Fehler, ich bitte dabei nur um Verständnis, mich ein bisschen zu verstehen. Ich habe immer versucht, alles korrekt zu machen. Ich bin eigentlich gar nicht der Typ, der das macht, was ich am Sonnabend gemacht habe. Das hat kein Mensch von mir erwartet, nicht mal ich selbst."

Die verpasste WM 2006 sitzt bei ihm noch immer tief. Dazu die letzten neun Länderspiele ohne ein selbst erzieltes Tor, dann immer häufiger nur Ersatz - auch bei Schalke oft ausgewechselt, und zuletzt als Schalker in Dortmund nur auf der Tribüne. Das alles schmerzt.

Sehr sogar. Kevin Kuranyi sprach langsam, stockend. Er wirkte dabei wie ein Mensch, der verzweifelt ist, der keinen anderen Ausweg wusste als Flucht. Er wirkte mitgenommen, als würde er jeden Moment in Tränen ausbrechen. Fast Mitleid erregend.

"Kein Mensch steckt in meinem Körper, steckt in meinen Gedanken, steckt in meiner Psyche, um zu wissen, wie schlimm das alles für mich ist. Es stürzte einfach zu viel auf mich ein." Dann erhob Kuranyi einen Moment seine Stimme: "Bis heute bereue ich nichts in meinem Leben. Ich habe von Gott das Talent bekommen, das Glück bekommen, hier sein zu dürfen, als Fußballer so viel erreicht zu haben, eine Familie zu haben, Freunde zu haben. Ich bin einfach gegangen, weil ich das in diesem Moment als Mensch am besten fand - und ich stehe dahinter."

Tragisch: Selbst Kuranyis Vater Kont ist entsetzt: "Das war Mist, Kevin." Bereits vor dem Anpfiff des Spiels hatte der unzufriedene Stürmer mit dem Bundestrainer gesprochen und seinen Abgang angekündigt, Löw nahm Kuranyi offenbar nicht ernst (genug).

 

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