Paralympics: Vier Mitglieder des Teams Hamburg/Beijing nominiert
Drei Jahre nach dem Unfall rollt Bröer um Medaillen
Die Beratungen in der Handelskammer Hamburg zogen sich gestern mehr als sieben Stunden lang hin, dann stand die Mannschaft des Deutschen Behindertensportverbandes für die Paralympics in Peking (6.-17. September).
Hamburg. 103 Männer, 67 Frauen und 106 Betreuer werden nach China fliegen, das gesamte Projekt kostet 1,8 Millionen Euro. Vom Team Hamburg/Beijing werden vier Sportler um Medaillen kämpfen: die Rollstuhlbasketballerinnen Annette Kahl und Nicole Seifert sowie die Handbiker Dorothee Vieth und Torben Bröer.
Bröer wurde erst vor vier Wochen ins Hamburger Olympiateam aufgenommen. "Mich hatte wohl keiner auf der Rechnung, und selbst wollte ich mich nicht anbiedern", sagt der 38-Jährige. Dabei war seine sportliche Entwicklung in diesem Jahr nicht zu übersehen. Der nach einem Badeunfall in der Türkei "seit drei Jahren und drei Tagen" vom fünften Halswirbel an gelähmte Rollstuhlfahrer gehört in seiner Schadensklasse, so brutal ist die Sprache der Regularien, zu den besten drei Handbikern der Welt über die Marathondistanz. In Peking wird er im Einzelzeitfahren über 12,3 Kilometer starten. "Mindestens Bronze sollte drin sein", meint Bröer. Am Sonnabend beim Weltcup in Holzkirchen hatte er auf Paralympicsfavorit Christoph Etzelsdorfer aus Österreich über zehn Kilometer im Ziel nur eine Minute verloren. 2007 waren es zehn.
Anfang des Jahres hatte sich Bröer, der in Kaltenkirchen lebt und meistens in Hamburg-Ochsenwerder am Deich trainiert, insgesamt bis zu 30 Stunden die Woche, dem Team Sopur in Frankfurt am Main angeschlossen. Sein Trainer Erol Marklein entwickelte mit der Sporthochschule Köln neue Übungs- und Belastungspläne. Seitdem ist Bröer richtig ins Rollen gekommen. Das Problem des ehemaligen Werkzeugmachers: Aufgrund seiner Verletzung schwitzt er nicht mehr, bei sportlichen Anstrengungen muss er deshalb Kopf und Oberkörper von außen mit kaltem Wasser kühlen. Steigt sein Puls auf mehr als 115 Schläge in der Minute, könnte er kollabieren. "Etwa zehn Minuten darf ich in der Sonne sitzen, bleibe ich länger, droht mir ein Hitzschlag."
Bröer erzählt das, wie alles, was er sagt, mit einem ansteckend fröhlichen Lächeln, sein Teint ist trotz der Vorsicht leicht gebräunt. Er war ein Sonnyboy, und er ist einer geblieben. Schon in der Rehabilitation im Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus Hamburg in Boberg hatte der ehemalige Hobby-Marathonläufer (Bestzeit: 3:12 Stunden) den Entschluss gefasst, sich in seinen Aktivitäten nicht behindern zu lassen. Sein erstes Ziel waren die Paralympics in Peking. Torben Bröer ist dabei.






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