Entscheidung in Berlin: Zwei Hamburger Schwimmer für Olympia?
Die deutschen Schwimmer haben nur einen Schuss. Bei ihren nationalen Meisterschaften von heute an bis zum 23. April im Europasportpark in Berlin müssen sie sich für Olympia in Peking qualifizieren. Und das wird hart.
Hamburg. Örjan Madsen, der norwegische Sportdirektor des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), hat die Normen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) noch verschärft. Seine orientieren sich an Platz acht der WM 2007 in Melbourne. Über 100 Meter Freistil liegt die Richtzeit eine Hundertstel unter dem deutschen Rekord des ehemaligen Hamburgers Marco di Carli (48,88 Sekunden), der jetzt für die SG Frankfurt krault. Madsen will keine Touristen mitnehmen. Die schadeten dem Teamgeist.
Zwei Hamburger dürfen sich trotzdem Hoffnungen machen: Jens Thiele (27; SV Eidelstedt) als bewährter Staffelschwimmer und Birte Steven (27; AMTV-FTV), Rekordhalterin über 200 Meter Brust. Beide arbeiten neben dem Leistungssport, Betriebswirt Thiele als Ausbilder bei der Haspa, Neurowissenschaftlerin Steven belegt im Fernstudium jetzt auch noch Psychologie.
Das macht zwar unabhängig, unter Erfolgsdruck setzen sich jedoch beide. Thiele und Steven, zuletzt grippegeschwächt, sind in Stress-Situationen tendenziell anfällig. Die letzten Trainingsleistungen im Hamburger Dulsbergbad sollten ihnen jedoch Selbstvertrauen geben, sagt ihr Trainer Carsten Gooßes.
Sorgen bereiten Thiele eher die neuen Schwimmanzüge LZR Racer des australischen Herstellers Speedo. 18 von 20 Weltrekorden in 2008 sind mit dem Lycra-Nylon-Gemisch aufgestellt worden. Die Stoffteile sind nicht vernäht, sondern verschweißt, unter der Kunststoffhaut sorgen angeblich kleine Luftpolster für Auftrieb. Die Schwimmer liegen höher im Wasser und müssen gegen weniger Widerstand kämpfen. Bis zu drei Prozent schnellere Zeiten seien in dem Outfit möglich, errechneten Experten.
Thieles Ausrüster heißt aber Arena. "Dass der Weltverband Fina die neuen Anzüge ohne intensive Prüfung für Olympia zugelassen hat, ist mir unverständlich; anderseits auch nicht, denn Speedo ist ein wichtiger Sponsor der Fina", klagt der dreimalige deutsche Meister. DSV-Sportdirektor Madsen hält die Kleiderfrage für überbewertet: "Da ist viel Psychologie dabei."
Die deutsche Nationalmannschaft wird bei internationalen Wettbewerben von Adidas angezogen. Deren TechFit Powerweb Suit, wirbt der Hersteller, helfe der Kontraktion der Muskeln. Paul Biedermann wurde in dieser Ausrüstung Europameister über 200 Meter Freistil. Er unterbot dabei den fast 24 Jahre alten Rekord von Olympiasieger Michael Groß. Ob Mensch oder Material dafür die Anerkennung gebührt, gilt es jetzt in Berlin zu klären.






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