Handball: Wie der HSV den Nachwuchs in Hamburg fördern will
Alle Talente im Zeichen der Raute
HAMBURG. Bezahlen zu müssen, weil man eine Lizenzanforderung nicht erfüllt: Dieses Prozedere ist aus der weniger rühmlichen Vergangenheit des HSV Hamburg sattsam bekannt. Diesmal allerdings weiß sich der Europapokalsieger in bester Gesellschaft: Nur eine Hand voll Vereine der Handball-Bundesliga (HBL) dürfte die Kriterien des soeben verabschiedeten Jugend-Zertifikats erfüllen, der mit Beginn der kommenden Saison die Nachwuchsförderung sichern soll. Alle anderen müssen eine Beitrag von anfangs einem halben, später dann einem ganzen Prozent der jährlichen Bruttolohnsumme in einen gemeinsamen Fonds zahlen, der Jugendprojekten zugutekommt.
Im Fall des HSV werden somit zunächst geschätzt 18 000 Euro fällig, ab 2009 wäre es das Doppelte. "Wir könnten es uns einfach machen und uns von der Jugendarbeit freikaufen", sagt der sportliche Leiter Christian Fitzek, "aber uns liegt auch daran, ein gelebter Verein zu werden." Innerhalb von drei Jahren, so sein Plan, sollen unter dem Dach des Bundesligateams Strukturen geschaffen werden, um dem Handballnachwuchs in Hamburg wieder eine Chance zu geben.
Um den ist es derzeit nicht gut bestellt. Unter allen 16 Bundesländern belegt Hamburg bei der Jugendförderung, gemessen am Erfolg der Vereins- und Auswahlmannschaften, den letzten Platz. Folge: Die Fördergelder für den Landesverband sind zusammengeschrumpft. Auf dessen Beihilfe kann Fitzek somit kaum zählen.
Auf 50 000 Euro jährlich beziffert der frühere Nationalspieler den Finanzbedarf, will man den im HBL-Jugendzertifikat vorgesehenen Standards genügen. Sie umfassen Jugendteams aller Jahrgangsstufen in den jeweils höchsten Spielklassen, qualifizierte Trainer samt Jugendkoordinator, wenigstens zwei Trainingshallen sowie einen gewissen Trainingsumfang. So sollen A-Jugendliche pro Woche fünfmal üben, E-Jugendliche immerhin noch dreimal.
"Das leistet derzeit kein Verein in Hamburg", weiß Fitzek. Der Hamburger SV, mit dem man gerade eine Spielgemeinschaft für die Oberliga und die Jugendklassen gebildet hat, bildet da keine Ausnahme. Doch auf die Kooperation der Basis ist Fitzek angewiesen: Die Klubs sollen die hoffnungsvollsten Talente an den HSV abtreten. Im Zeichen der Raute würden sie dann unter professionellen Bedingungen an höhere Aufgaben herangeführt - bis hin zu einer U 23, die idealerweise in der Zweiten Liga spielte.
Die Begeisterung in Hamburgs Vereinen ist überschaubar. "Ich würde mir wünschen, dass sie über ihren Tellerrand schauen und den Nutzen für den Handballstandort sehen", sagt Fitzek: "Ohne einen Topklub kommen keine Talente von außerhalb." Langfristig würden auch die kleineren Vereine der Region von dem höheren Niveau profitieren.
Das habe sich in Magdeburg gezeigt: Die Jugendarbeit des örtlichen SC gilt derzeit als bundesweit führend, Basis und Sponsoren stehen dahinter. Fitzek ist sich sicher: "Wenn wir gut arbeiten und die nötige Unterstützung bekommen, können wir es in zwei Jahren schaffen."






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