Montag, 28. Mai 2012, 18:50

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Sport

Wie die Telekom den Radsport für das Unternehmen nutzt

Renee Obermann zieht nicht die Reißleine - Doping hin, Geständnisse her. Der neue Vorstandschef der Deutschen Telekom, durch Streiks und anhaltende Kundenverluste ohnehin in der Bredouille, hält am Sponsoring des Radsports fest. "Wir bleiben drin", erklärte jetzt der oberste Öffentlichkeitsarbeiter der Telekom, Philipp Schindera. Die Telekom ist Europas größtes Telekommunikationsunternehmen. Der Umsatz im vergangenen Jahr belief sich auf 61,3 Milliarden Euro.

Für die Telekom scheint der Radsport zum Unternehmen zu gehören wie der mit großem publizistischen und werblichen Aufwand begleitete Börsengang vom 18. November 1996. Wohl nicht zufällig setzte im Team Telekom der massive Epo-Missbrauch ausgerechnet in jenem Jahr ein. Damals zog das ehemalige Staatsunternehmen die Erfolgsschrauben für seine Radmannschaft nach Jahren des Hinterherfahrens mächtig an, drohte sogar mit dem sofortigen Ausstieg.

Der damalige Telekom-Chef Ron Sommer ließ dann auch keine Gelegenheit aus, sich im Juli 1996 während der Frankreich-Rundfahrt neben den Tour-Heroen Bjarne Riis und Jan Ullrich ins rechte Bild zu rücken. Der Däne Riis gewann 1996 die Tour, Ullrich wurde Zweiter, siegte 1997. Riis galt unter Kollegen als "Monsieur 60 Prozent", eine Anspielung auf den bei ihm häufig gemessenen Hämatokritwert (Anteil zwischen festen und flüssigen Blutbestandteilen) von 60, der deutlich über dem Doping-Grenzwert von 50 lag. Bjarne Riis will sich heute erklären. Bisher hat er (Epo-)Doping stets vehement bestritten.

Mit 2,5 Millionen Euro Gehalt pro Jahr war der des Dopings ebenfalls beschuldigte Ullrich bis zu seiner erzwungenen Vertragsauflösung vor knapp einem Jahr einer der bestbezahlten Angestellten des gesamten Telekom-Konzerns. Dazu erhielt der heute 33-Jährige je nach Erfolg maximal 195 000 Euro jährlich von der ARD für Exklusiv-Interviews. Diese Vereinbarung und die jahrelang unkritische Berichterstattung über das seit 1998 vom Sender gesponserte Radteam hatten 2006 in der ARD zu erheblichen Turbulenzen geführt. Dennoch wollen ARD wie das ZDF weiter die wichtigsten Radsport-Veranstaltungen übertragen, zumindest bis zum nächsten Skandal.

Durch die Fortsetzung der Partnerschaft mit dem heutigen Team T-Mobile hofft der Konzern den durch die Geständnisse erlittenen Imageschaden gering zu halten. Mehr noch: Team-Chef Bob Stapleton, Mitbegründer des US-Mobilfunkunternehmens VoiceStream, das die Telekom vor sieben Jahren für viel Geld übernahm, soll dafür sorgen, dass die jungen Radler wieder um bessere Imagewerte strampeln.

Die Telekom bekräftigt damit die Sponsoringpläne Obermanns. Neben dem Radsport werben die Fußballer des FC Bayern München für die Festsparte T-Home, das Segel des südafrikanischen America's-Cup-Teams Shosholoza schmückte in den vergangenen Wochen vor Valencia das Logo der Festnetzsparte T-Systems. Das Sportengagement dient als Zugpferd bei der Kundengewinnung und der Einführung neuer Dienste wie Fernsehen per Internet. Die Telekom hatte sich 2006 die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga gesichert.rg, dpa

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus