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Sport

Boxen: 250. Universum-Veranstaltung in der Color-Line-Arena

Brähmer noch nicht WM-reif

Das Supertalent musste sich nach knappem Sieg Pfiffe gefallen lassen.

Hamburg. Jürgen Brähmer ist ein Mensch, der die Gabe hat, negative Erlebnisse in positive Eindrücke umzuwandeln. Und so machte der Supermittelgewichts-Boxprofi aus dem Hamburger Universum-Stall auf der Pressekonferenz erstaunlich gute Miene zu einem Kampf, den viele eher als einen Rückschritt auf seinem Weg zur ersten WM-Chance eingeordnet hatten. "Ich habe gezeigt, dass ich konditionell topfit bin. Ich glaube, ich bin auf dem richtigen Weg", sagte er und lachte.

Das Lachen war seinem Trainer Michael Timm zuvor vergangen. Der 28 Jahre alte Brähmer hatte gegen den Argentinier Hector Javier Velazco über zwölf Runden boxerisch wenig überzeugt, er war in der sechsten Runde nach einem rechten Haken zum Kopf gar erstmals in seiner Profikarriere zu Boden gegangen, und er musste am Ende froh sein, dass die drei Punktrichter wohlwollend zweimal 115:112 und einmal 117:111 werteten. Besonders der Sechs-Runden-Vorsprung sorgte bei den 7000 Fans in der ausverkauften Color-Line-Arena (Oberrang nicht geöffnet) für Unverständnis. Minutenlang wurde Brähmer ausgebuht, sein Interview im Ring mit ZDF-Reporter Martin Wolf ging im Pfeifkonzert unter.

"Ich verstehe nicht, warum die Leute pfeifen. Da standen zwei Sportler im Ring, die alles gegeben haben. Ich möchte mal einen zweiten sehen, der nach einem solchen Niederschlag so zurückkommt", sagte Brähmer, "so etwas wollen die Fans doch sehen." Damit hatte er uneingeschränkt recht. Das Verhalten eines Teils des Hamburger Publikums war einmal mehr unwürdig - im März 2005 war Mittelgewichts-Weltmeister Felix Sturm wegen Passivität ausgebuht worden -, und wie der Schweriner nach dem Niederschlag in den Kampf zurückfand und nervlich standhielt, zeugte von Klasse. Dennoch wurde deutlich, dass das "Jahrhundert-Talent" vor allem an der Deckung arbeiten muss. Weltspitzenboxer wie Joe Calzaghe oder Mikkel Kessler hätten die Lücken insbesondere über der rechten Führungshand ganz anders ausgenutzt als der zwar flinke, aber nicht allzu schlagstarke Velazco (33), der die Niederlage im übrigen absolut fair hinnahm.

Universum-Chef Klaus-Peter Kohl, der für Brähmer als nächstes das Rematch gegen dessen Stallkollegen Mario Veit plant, dem der Schweriner im Mai 2006 nach Punkten unterlegen war, wollte sich die Laune von der Vorstellung seines großen Hoffnungsträgers indes ebenso wenig verhageln lassen wie von den unrühmlichen Vorfällen im Anschluss an Brähmers Kampf (siehe Texte unten). Und so freute sich der 63-Jährige, dass zur 250. Veranstaltung seines 1984 gegründeten Unternehmens mehrere frühere und elf der zwölf aktuellen Universum-Weltmeister erschienen waren. Mit einem Hallenfeuerwerk, einem überdimensionierten Pokal, überreicht vom Bund Deutscher Berufsboxer, und einer Schokoladentorte wurde das Jubiläum gefeiert. Und weil die Europameister Thomas Ulrich (Halbschwer, starker K. o.-Sieg in Runde eins gegen den Italiener Leonardo Turchi) und Wladimir Virchis (Schwer, zäher Punktsieg gegen den Italiener Paolo Vidoz) sowie Superwelter-Weltmeister Sergej Dzinziruk (überzeugender T. k. o. in Runde elf gegen den Brasilianer Carlos Nascimento) ihren Teil zu einer gelungenen Party beisteuerten, überwogen am Ende eines denkwürdigen Abends die positiven Eindrücke die negativen Erlebnisse.

 

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