19.02.07

Profiboxen: Erste Fight Night von Spotlight und ProSieben

"Killer Queen" krönt sich mit WM-Titel

Die Hamburgerin Susianna Kentikian ist am Ziel - sie ist Weltmeisterin im Fliegengewicht.

Hamburg/Köln. Als Susi Kentikian am Sonnabend einen Blick auf ihre Homepage (www.kentikian.com) warf, da bekam sie einen Eindruck davon, was ein Auftritt vor einem Millionen-Publikum bewirken kann. In ihrem Gästebuch, in dem an normalen Tagen zwischen drei und zehn Einträge getätigt werden, hatten sich auf einen Schlag 400 Besucher zu Wort gemeldet. "Ich habe erst 200 Beiträge gelesen, dann war ich völlig erledigt. Aber alle waren voll des Lobes. Ich bin überwältigt von der Reaktion der Fans", sagte die 19-Jährige, die neben der Flut an elektronischer Post auch noch diverse SMS und Anrufe erhalten hatte.

Es war wohl die Mischung aus sportlicher Extraklasse und dem sympathischen Auftreten nach ihrem Triumph auf der ersten "Fight Night" des Hamburger Profiboxstalls Spotlight in Kooperation mit dem Münchner Privatsender ProSieben gewesen, die die neue WBA-Weltmeisterin im Fliegengewicht quasi über Nacht zu einer bundesweit beliebten Faustkämpferin gemacht hatte. Zunächst hatte die gebürtige Armenierin, die 1996 als Kriegsflüchtling mit ihrer Familie nach Hamburg gekommen war, mit ihrer Gegnerin Carolina Alvarez aus Venezuela kurzen Prozess gemacht. Neun Runden lang verprügelte sie ihre unorthodox und technisch unsauber, aber dafür zäh und unbeugsam kämpfende Rivalin, ehe Ringrichter Mark Nelson (USA) ein Einsehen hatte und das ungleiche Duell abbrach. "Ich konnte gar nicht glauben, dass sie all diese Schläge weggesteckt hat", wunderte sich Kentikian noch am Sonntag im Gespräch mit dem Abendblatt.

Dass sie mit ihren Kräften noch lange nicht am Ende war, zeigte die quirlige Athletin im Anschluss an den Kampf. Zunächst sprang sie in allen vier Ringecken auf die Seile und ließ sich vom völlig entrückten Publikum im zur "Fight-Night-Arena" umbenannten Kölner ProSieben-Studio feiern. Anschließend hielt sie im Studio einen Dankesmonolog von epischer Länge, so dass die als Fragesteller vorgesehenen Moderatoren Regina Halmich und Stefan Raab zu Statisten verkamen. Raab verlieh der "schnellsten Fliege Deutschlands" zum Abschied sinnbildlich den "Weltmeistertitel im Quatschen".

"Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich so viel geredet habe", gestand Kentikian, die bis auf eine kleine Platzwunde am Kopf, die nur geklebt statt genäht wurde, und dem überdimensionierten Gürtel keine sichtbaren Erinnerungen an ihren ersten WM-Kampf davontrug. Wie es innerlich in ihr brodelte, davon bekam jeder Zuschauer einen Eindruck. "Ich fühle mich unglaublich glücklich. Es war immer mein Traum, Weltmeisterin zu sein. Jetzt habe ich es geschafft", sagte sie. Stolz löste vor allem das Lob ihres Idols Halmich aus: "Sie hat gesagt, dass sie es toll findet, wie ich mich durchboxe. So etwas aus ihrem Mund zu hören ist die größte Bestätigung für mich!"

Ihren Triumph hatte sie in Köln zunächst mit Vater Levon, Bruder Mikael, Trainer Magomed Schaburow, Promoter Dietmar Poszwa sowie engen Freunden begossen, ehe sie am Sonnabend auch Mutter Makruhi, die den Kampf in der Wohnung der Familie in Rahlstedt verfolgt hatte, in die Arme schließen konnte. Mit ihrer entwaffnend offenen Art gab sie zu: "Ich genieße den ganzen Trubel, der auf mich einprasselt, aber ich bin froh, dass ich wieder in meinem eigenen Bett schlafen kann."

Diesen Genuss wird sie jedoch nicht lange haben. "Wir haben viele Anfragen für Susi", sagte Poszwa. Übernächste Woche will die neu gekrönte "Killer Queen", so Kentikians Kampfname, wieder ins Training einsteigen, um sich auf die für 30. März geplante nächste "Fight Night" vorzubereiten. Doch zuvor wird sie übermorgen auf Poszwas Geheiß für eine Woche nach Gran Canaria in Urlaub fliegen. Wer sie begleiten wird, ist noch unklar. Allein muss sie aber bestimmt nicht reisen. Unter den 400 Neu-Besuchern ihrer Homepage würde sich sicherlich ein Begleiter finden . . .

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