Weihnachten: Wenn die Feiertage ganz normale Arbeitstage sind
Höllischer Stress zum heiligen Fest
Bei Freezers und HSV-Handballern kommt kaum Besinnlichkeit auf. Auch die Fußballprofis müssen ran.
Hamburg. Wenn Real Madrids Fußballstars am 30. Dezember erstmals nach ihrem Weihnachtskurzurlaub zum Training erscheinen, müssen sie zunächst einmal auf die Waage. Maximal eineinhalb Kilogramm, so hat es Trainer Fabio Capello festgelegt, dürfen seine Spieler über die Feiertage zulegen. Für jedes Gramm Übergewicht droht eine saftige Geldstrafe.
Andere Profisportler geraten gar nicht erst in Versuchung. Bei den Hamburg Freezers oder den HSV-Handballern kommt über Weihnachten wenig Besinnlichkeit auf. Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) hat für den 23. und 26. Dezember Spieltage angesetzt, am 25. steht für die Kufencracks Training an. In der Handball-Bundesliga wird am 23. und 27. Dezember angeworfen, der 25. und 26. sind Trainingstage. Höllischer Stress statt heiliges Fest.
"Die Situation ist nicht einfach", sagt HSV-Nationalspieler Torsten Jansen. "Andere können sich zwei Tage auf die Familie konzentrieren, sich einfach mal fallen lassen." Dabei hätte der Linksaußen allen Anlass zum Feiern: An diesem Sonnabend ist Jansens 30. Geburtstag, vergangenen Dienstag wurde er erstmals Vater. Tags darauf spielte er in Köln gegen Gummersbach, eilte nach der Partie zur Familie nach Hamburg und musste am Freitagmorgen schon wieder Richtung Barsinghausen aufbrechen, wo sich der HSV auf das Sonnabendspiel in Halle (Westfalen) gegen den TBV Lemgo vorbereitet. An seinen letzten Weihnachtsurlaub kann sich Jansen nicht erinnern: "Man hat sich wohl oder übel daran gewöhnt. Aber ich würde mir bei der Spielplangestaltung mehr Respekt vor den Sportlern wünschen."
Arbeiten, wenn die anderen feiern: Auch für Boris Rousson ein normaler Zustand. Nur dass der Freezers-Torhüter diesmal nicht das Gefühl hat, eigentlich lieber zu Hause zu sein. Als sich Rousson (36) am Freitag mit der Mannschaft zum DEL-Spiel in Frankfurt (Sonnabend, 19.30 Uhr) aufmachte, war Ehefrau Marie (Flugbegleiterin) schon unterwegs Richtung Washington. Heiligabend will Rousson sie in Frankfurt abholen, gefeiert wird gemeinsam bei den Schwiegereltern in Köln. "In diesem Jahr passt es wirklich gut, weil wir an denselben Tagen arbeiten", erzählt Rousson. Wenn Boris dann am zweiten Weihnachtstag (19.30 Uhr) gegen die Hannover Scorpions wieder auf dem Eis der Color-Line-Arena steht, jettet Marie auf Europatour.
Etwas weiter zieht es die Fußballprofis des HSV. Am 4. Januar geht es nach Dubai ins Trainingslager. Eigentlich sollte einen Tag vorher das Auftakttraining stattfinden - wäre die Mannschaft von Trainer Thomas Doll nicht akut abstiegsgefährdet. "Wir müssen die Vorbereitung optimal nutzen", sagt Sportchef Dietmar Beiersdorfer, "dafür brauchen wir Zeit." Nun müssen die Spieler um Kapitän Rafael van der Vaart eine Woche früher zu ihren Laufeinheiten antreten, bereits am Mittwoch gehts los.
Die Spieler ärgert es, aber sie zeigen auch Verständnis. "Die Situation ist durch unsere Fehler so dramatisch geworden, und das ist das Resultat. Natürlich würden wir wie alle anderen auch gern Weihnachten und Neujahr mit unseren Familien verbringen, aber besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen", sagt der stellvertretende Mannschaftskapitän David Jarolim, "beschweren wird sich bei uns garantiert niemand, alle wissen um die Gefahr. Und wenn sich doch jemand aufregt, dann regeln wir das intern."
Einzig beim FC St. Pauli gönnt man den Spielern etwas Weihnachtsruhe. Erst am 4. Januar müssen die Regionalligakicker wieder ins Training einsteigen - und zuallererst auf die Waage. Von einem Gewichtslimit wie bei Real Madrid ist aber nichts bekannt.













