Sportschule Sachsenwald: Boxverband wirft HSB-Präsidium Täuschung vor
Der Termin ist ungewöhnlich. Wegen der Fußball-WM hält der Hamburger Sportbund (HSB) morgen früh (10 Uhr, Haus des Sports, Schäferkampsallee) seine jährliche Mitgliederversammlung erstmals an einem Sonnabend ab. Ansonsten droht vieles beim alten zu bleiben.
HAMBURG. Die anstehenden Wahlen bieten wenig Zündstoff. Zwar wird das Präsidium im Rahmen einer Strukturreform von zwölf auf sechs Personen (plus ein kooptierter Vertreter der Sportjugend) verkleinert, die neun Kandidaten vermitteln jedoch weder Aufbruchstimmung noch erhöhte Schlagkraft. "Das ist nicht der erhoffte große Wurf", sagte ein Präsidiumsmitglied dem Abendblatt.
Hamburger Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Sport konnten nicht für die neue Führungsmannschaft gewonnen werden. Um die Ressorts Finanzen, Leistungssport und Infrastruktur stehen Kampfabstimmungen an, die Wiederwahl von HSB-Chef Günter Ploß gilt als sicher. Er hatte erst vor einem Jahr den jetzigen Ehrenpräsidenten Klaus-Jürgen Dankert abgelöst. "Im neuen Präsidium werden erfahrene Funktionäre und junge Leute mit Ideen sitzen. Der Zuschnitt stimmt", wehrt sich Ploß gegen aufgekommene Kritik.
Unter heftigen Beschuß wird ihn der Boxverband nehmen. Mit seinem Vorsitzenden Olaf Jessen kämpft er gegen die vom HSB-Präsidium im Mai beschlossene Schließung der Sportschule Sachsenwald zum Jahresende. Die Boxer fordern in einem Dringlichkeitsantrag, die Entscheidung bis Ende 2007 auszusetzen, um mögliche Rettungsmaßnahmen belastbar prüfen zu können.
Der Ton hat sich inzwischen verschärft. Jessen wirft der HSB-Führung vor, mit falschen Belegungszahlen Vereine und Verbände bewußt getäuscht zu haben. Die Auslastung der defizitären Sportschule (230 000 Euro Minus im Jahr 2005) sei weit höher als die angegebenen 44 Prozent. Zudem hätte sich der Sportbund nie ernsthaft um neue Konzepte und Kunden bemüht. Fakt ist: Der Boxverband fand innerhalb eines Monats drei potentielle neue Nutzer. Jessens Anklage: "Der HSB hat sich in den vergangenen 20 Jahren nicht um seine Sportschule gekümmert. Wenn jetzt das Geld knapp ist, wo kommen dann die insgesamt 750 000 Euro her, die der HSB zuletzt aufwendete, um der TSG Bergedorf ihre Nutzungsrechte auf der Anlage abzukaufen?" Die Vermutung des Box-Bosses: Interessengruppen möchten die lukrative Immobilie so schnell wie möglich in Bauland umwidmen. Der HSB wolle mitverdienen und verkaufe dabei die Zukunft des Sports.
Am Sonnabend wird der HSB seinen Mitgliedern eine ausführliche Dokumentation seiner Aktivitäten im Sachsenwald vorlegen. Ploß: "Wir haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht. Wir sahen aber bisher keine Lösung, die strukturelle Unterdeckung von jährlich 400 000 Euro mittelfristig auszugleichen."







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