Wehe, wenn der Skibbe kommt
Jeju. Jeden zweiten Tag kommt Skibbe. Michael Skibbe. 36 Jahre alt, in Gelsenkirchen geboren, 1,81 Meter groß, 78 Kilo schwer, Drei-Tage-Bart, Typ Frauenliebling. Skibbe ist Rudi Völlers Assistent und wird Bundestrainer genannt. Als ein solcher tritt er in Asien jeden zweiten Tag vor die deutschen Medienvertreter und klärt darüber auf, wie es denn so um den Zustand der Nationalmannschaft bestellt ist. Bevor Skibbe beginnt, runzelt er die Stirn. Immer. Dann sieht er meistens so uralt aus, wie er es vielleicht nie werden wird. Aber er unterstreicht damit eindrucksvoll, dass das, was er nun berichten wird, von ernsthafterer Natur ist. Meistens beginnt er damit, wie es um die körperliche Fitness der Spieler bestellt ist. Wie nun vor dem USA-Spiel: "Es ist erfreulich, dass alle 22 Spieler, die noch hier sind, gesund sind", sagt er. Das hat er übrigens auch gesagt, als Michael Ballack vor dem Paraguay-Spiel noch verletzt war. Wenn Skibbe kommt, runzelt allerdings nicht nur er die Stirn. Auch die, die vor ihm sitzen, tun es. Die meisten jedenfalls. Weil sie ihm unterstellen, er würde stets auf "heile Welt" machen, er würde alles schön reden, er würde dort oben, auf dem Podium, nur ein wenig mit denen, die unten sitzen, spielen. Sie tun ihm wohl Unrecht. Was soll, wenn Skibbe kommt, Skibbe schon sagen? Über die Aufstellung reden darf er nicht. Über Vierer- oder Dreierketten philosophieren darf er ebenfalls nicht. Über irgendwelche Skandale, die im Mannschaftshotel passiert sein könnten, wird er ganz gewiss nichts sagen dürfen. Also, was bleibt dann noch? Wenn Skibbe kommt, kann er nur die "heile Welt" verkünden. Nichts, absolut nichts anderes, darf er sagen. Nun könnten ihm seine Kritiker zwar vorwerfen, dass er dann doch lieber im Nobel-Hotel der Mannschaft bleiben solle. Mag ja sein. Nur wer kommt dann? Wenn keiner kommt, wird auch gemosert. Also kommt Skibbe. Jeden zweiten Tag. Und wer das nicht zu schätzen weiß, der sollte vielleicht darüber nachdenken, selbst einmal lieber nicht zu kommen. Denn immerhin hat Michael Skibbe gesagt, dass er davon überzeugt sei, "dass Deutschland die USA besiegen wird". Ist das etwa nichts? Und wenn das US-Trainer Bruce Arena liest, dann schneidet er sich den Artikel aus, klebt ihn in die Spielerkabine und macht seine Jungs so noch einmal viel, viel heißer: "Hört mal, Kameraden, dieser Skibbe sagt, dass die uns weghauen, die Deutschen. Da habt ihr doch wohl was dagegen, oder?" Und schon wird das Spiel für die deutsche Elf noch schwerer, als es ohnehin ist. Gesagt aber ist gesagt. Skibbe hat sich weit aus dem Fenster gelehnt, mit seiner Aussage. Und dann sagen einige immer, der Skibbe hätte nichts gesagt. Hat er eben doch. Und er hat noch viel mehr gesagt. "Die Amerikaner spielen ähnlich wie Paraguay. Es ist schon zu befürchten, dass das Spiel von Beginn an nicht auf hohem Niveau stattfinden kann. Dafür ist der Gegner einfach zu gut organisiert. Und dafür sind wir insgesamt spielerisch nicht stark genug, um über 90 Minuten lang zu dominieren und uns alle naselang Torchancen herauszuspielen." Wenn Rudi Völler das liest, schneidet er den Artikel aus und klebt ihn in die Spielerkabine. In die deutsche. Dann sind unsere Jungs ganz sicher heiß, heißer geht es nicht. Dank Skibbe. Wehe, wenn Skibbe kommt. Weitere Infos zur deutschen Mannschaft finden Sie auf SEITE 28.







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