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Sport

Tarzan greift nach dem Titel

Rudern: Wolfgang Denzler - 70 und kein bisschen müde

Hamburg. Irgendwann im Jahr 1950 traf Wolfgang Denzler am Dammtorbahnhof zufällig einen alten Schulfreund, den er ein wenig aus den Augen verloren hatte. "Wolfgang, was machst du so?", fragte der Freund. "Nichts Besonderes", entgegnete Denzler, "und du?" "Ich rudere", sagte der Freund und bot an, ihm einmal seinen Ruderclub an der Alster zu zeigen. Dort angekommen, wurde Denzler den Vereinskollegen vorgestellt: "Das ist Tarzan."

Das war sein Spitzname aus Schulzeiten, und den wurde Denzler fortan nicht mehr los. Heute, mit 70 Jahren, gehört der "Tarzan von der Alster" zu den erfolgreichsten Ruderern, die Hamburg je hervorgebracht hat. Mehr als 300 Siege hat er in den vergangenen 53 Jahren für seinen Club Favorite Hammonia herausgefahren, 20-mal war er bei Welt- und Europa-Masters erfolgreich. Und weil ihm das noch lange nicht genug ist, legt er sich am Wochenende bei der 31. FISA-World-Masters-Regatta, der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Damen und Herren ab 27 Jahren in Hamburg-Allermöhe, gleich dreimal in die Riemen: am Freitag im Vierer (Altersdurchschnitt-Kategorie 60 Jahre), am Sonnabend im Achter (60 und 65). "Bisher bin ich für diesen Wettkampf in die ganze Welt gereist, umso schöner ist, dass er diesmal vor der Haustür stattfindet", freut sich Denzler.

Auch wenn in der Trophäensammlung in seiner Rissener Wohnung kaum noch Platz ist: Der Ehrgeiz ist auch 50 Jahre nach den ersten großen Erfolgen, als Denzler einen Rollsitz im seinerzeit schnellsten bundesdeutschen Achter innehatte, ungebrochen. Dreimal in der Woche schwingt sich "Tarzan" zum Training ins Boot, vor Wettkämpfen stehen bis zu fünf Einheiten auf dem Plan, am liebsten in großen Booten: "Für den Einer bin ich nicht eigenbrötlerisch genug."

"Ich genieße die frische Luft und die Bewegung, die den ganzen Körper beansprucht", erzählt Denzler. Stillstand kennt er auch im Privatleben nicht. Nebenbei amtiert er als Ruderwart für seinen Club, gehört zum Organisationsteam der Hummelregatta auf der Alster, und selbst Jahre nach seiner Pensionierung ist der Diplomingenieur noch freiberuflich in der Elektroplanung tätig - "zum Leidwesen meiner Frau Marion", wie Denzler scherzhaft anmerkt. Zur Entschädigung bringt er am Wochenende wohl wieder ein paar Pokale mit.leo

 

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