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Sport

Weltrekorde - auch ohne Doping möglich

Athen. Ob der Name Janet Puiggroismiranda der Öffentlichkeit während der Olympischen Spiele aufgefallen wäre, muss bezweifelt werden. Gestern erlangte die spanische Mountainbikerin flüchtige Bekanntheit. Die 30-Jährige ist der achte Athlet, der im Vorfeld der Spiele des Dopings überführt wurde. So viele waren es noch nie. Die nächsten stehen bereits auf der Positivliste. Es sind drei Russen. Bei ihnen wird derzeit die B-Probe durchs Labor gejagt.

Puiggroismiranda hatte Epo im Blut. Das Mittel fördert den Sauerstofftransport des Blutes und ist deshalb verboten. Seit sechs Jahren kann es in Tests zuverlässig gefunden werden, wie inzwischen auch künstliche Varianten wie Hemopure. "Die Gefahr für Betrüger wächst jede Woche. Sie sind uns nicht mehr Meilen, sondern nur noch einen Schritt voraus", sagte in Athen der kanadische Anwalt Richard Pound, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada. Erstmals können Wachstumshormone nachgewiesen werden. Welches der zwei derzeit möglichen Testverfahren angewandt wird, ließ Pound offen, "um die Athleten nicht in Sicherheit zu wiegen". Vor Sydney meldeten sich nach der Ankündigung schärferer Kontrollen etliche Sportler kurzfristig ab. In Athen rechnet Pound mit ähnlichen Effekten.

Höher, schneller, stärker - das olympische Leitmotiv ist ins Trudeln geraten. Die Athleten werden nach dem Willen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mehr und mehr auf ihre körpereigenen Kräfte reduziert, die Leistungsentwicklungen stoßen an ihre natürlichen Grenzen. Vor vier Jahren bei den Spielen in Sydney gelang zum Beispiel den Leichtathleten kein neuer Weltrekord. Der befürchtete Faszinationsverlust wiederum trat nicht ein. Die Sponsoren blieben dem IOC treu, die Fernsehanstalten legten für künftige olympische Übertragungsrechte Millionen drauf. Das machte Mut.

Den Kampf gegen das Doping hatte das IOC nicht immer konsequent betrieben. Seit aber der belgische Arzt Jacques Rogge 2001 die Führung der Weltorganisation übernahm, wird der Medikamentenmissbrauch unnachgiebig verfolgt; so weit es die limitierten finanziellen Ressourcen zulassen. Hilfe kam jüngst aus den USA. Die Amerikaner jagten mit zuvor nicht gekannter Zielstrebigkeit plötzlich Superstars wie 100-Meter-Weltrekordler Tim Montgomery oder dessen Lebensgefährtin Marion Jones, dreimalige Leichtathletik-Olympiasiegerin in Sydney. Früher hatten die US-Verbände positive Dopingbefunde reihenweise vertuscht.

Dass in Athen dennoch Weltrekorde fallen, dafür werden die Schwimmer sorgen. Mit mindestens zwölf neuen Bestmarken rechnet Ralf Beckmann, der Cheftrainer des Deutschen Schwimmverbandes. Die deutsche 4x100-Meter-Freistilstaffel der Frauen, die am Sonnabend als Weltrekordhalter auf den Startblock steigt, "muss unter ihrer Bestmarke aus dem Jahr 2002 bleiben, wenn es zu einer Medaille reichen soll", sagt Beckmann.

Die Schwimmer, das ist der Hintergrund der Prognose, haben ihr natürliches Potenzial bisher nicht ausgeschöpft. Im Gegensatz zur Leichtathletik sind sie eine relativ junge Spitzensportart, die erst mit Beginn der 90er-Jahre zunehmend professionell betrieben wird. Auf Grund des bis auf 35 bis 40 Wochenstunden gestiegenen Trainingsaufwandes, vielfältigerer Übungsformen, gewachsener wissenschaftlicher Erkenntnisse und umfangreicher medizinischer wie physiotherapeutischer Betreuung sind auf fast allen Strecken selbst ohne chemische Antriebsstoffe bessere Resultate möglich als in der Hochphase des Dopings in den 80er-Jahren. Einige Richtmarken aus dieser Zeit, aufgestellt von breitschultrigen DDR- und US-Schwimmerinnen mit tiefen Stimmen, haben dennoch Bestand, obwohl auch heute nicht alle Athleten über jeden Verdacht erhaben sind. (rg)

 

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