17.09.12

Hockey

Blau allein macht noch kein Wunder

Auf ihrem neuen Kunstrasen gelingt den Hockeyteams des Harvestehuder THC zum Bundesliga-Auftakt nur ein Sieg aus vier Spielen.

Foto: WITTERS/Witters Sport-Presse-Fotos
Hockey
Die Hockeyherren des HTHC stimmen sich vorm Anpfiff auf ihr erstes Heimspiel ein

Hamburg. Die Hockeyherren des Harvestehuder THC hatten ihr Auftaktspiel in der Feldsaison 2012/13 gerade beendet, da kam Mannschaftskapitän Christopher Borchard in Begleitung jugendlicher Fans auf Tobias Hauke zugelaufen. "Tobi", fragte er, "kannst du den Kindern sagen, wo die Autogrammstunde mit dir stattfindet?" Hauke lächelte, verwies auf das Klubheim und setzte sich in Bewegung, um nach dem 4:1-Pflichtsieg gegen Aufsteiger Gladbacher HTC die nächste Pflicht zu erfüllen. Der Olympiasieger ist zurück im Alltag - und er war am ersten Bundesligawochenende gefragter denn je.

Nicht nur, dass er gestern Mittag beim 0:0 gegen den Crefelder HTC erneut für seine Mannschaft um Punkte kämpfte. Der 25-Jährige übernahm im Anschluss auch die Betreuung der Ersten Damen, da deren Trainer Manuel Altenburg wegen eines Magen-Darm-Infekts das Bett hütete. Und er gewann nach Abpfiff des Damen-Spiels im Rahmen des Vereins-Sommerfests mit seinem Team 2:1 gegen die "Legenden" des Klubs. Tobias Hauke an allen Fronten, und wer sah, mit welchem Engagement er bei all seinen Aufgaben zu Werke ging, der konnte nur den Hut ziehen vor der Einstellung, die der Nationalspieler für seinen Klub zeigt. Selbst ein verschossener Siebenmeter, mit dem er den Sieg gegen Krefeld vergab, konnte seine Laune nicht entscheidend trüben.

Neben der Rückkehr des Olympiasiegers in den Alltag stand vor je rund 500 Besuchern auf der Anlage an der Barmbeker Straße auch der neue Untergrund im Mittelpunkt des Interesses. Als erster Bundesligaklub in Deutschland spielen die Schwarz-Gelben auf dem blauen Kunstrasen, der auch im Londoner Olympiastadion verwendet wurde. Und wie das so ist, klafften die Eindrücke von Spielern und Zuschauern weit auseinander. Während einigen Fans das Blau als zu grell erschien, zeigten sich die Spieler begeistert. "Noch ist der Platz nicht ganz fest, deshalb springt der Ball teils ungewohnt. Aber er ist schön schnell und eine deutliche Verbesserung gegenüber unserem alten Platz", urteilte Kapitän Borchard.

Lediglich über die Einschätzung, ob die ungewohnte Farbe einen Heimvorteil darstellen kann, herrschte Uneinigkeit. Während Hauke der Ansicht ist, dass das halbstündige Einspielen bereits genügt, um sich an die Verhältnisse zu gewöhnen, sieht der österreichische Torjäger Benjamin Stanzl sehr wohl Nachteile für die Gegner. "Ich denke, dass es ein ganzes Spiel braucht, um sich einzustellen, deshalb wird der Platz im Lauf der Saison bestimmt Punkte für uns bringen", sagte er.

+++Hockey-Bund trennt sich von Bundestrainer Behrmann+++

Trainer Christoph Bechmann hält derlei Diskussionen für nebensächlich. Der frühere Nationalstürmer war mit der Punktausbeute zum Saisonstart zwar grundsätzlich zufrieden, haderte jedoch ein wenig mit der Chancenverwertung seiner Mannschaft. Schon beim 4:1 gegen schwache Gladbacher hatte Michael Körper, neben Tobias Lietz (2) und Paul Pongs Torschütze, einen Siebenmeter vergeben, zudem waren fünf Strafecken nicht genutzt worden. Vier weitere und Haukes Siebenmeter kamen gegen Krefeld dazu. "Dass wir die Chancen herausspielen, zeigt unsere Qualität. Jetzt werden wir die Woche nutzen, um an der Torgefährlichkeit zu feilen", sagte Bechmann. Vor den schweren Auswärtsspielen beim Uhlenhorster HC (Sa, 17 Uhr), der in Mannheim 1:3 verlor und in Nürnberg 3:2 siegte, und in Berlin (So, 13 Uhr) ist eine Verbesserung dringend notwendig. Der Club an der Alster startete mit einem glücklichen Unentschieden gegen Krefeld (4:4) und einem unnötigen Remis gegen Gladbach (1:1) in die Saison.

Dass Blau allein noch kein Wunder macht, mussten die HTHC-Damen leidvoll erfahren. Zwar hatte der Aufsteiger aus den Derbys gegen den Klipper THC und Vizemeister UHC keine sechs Punkte eingeplant. Aber nach der um zwei Tore zu hoch ausgefallenen 1:5-Schlappe am Sonnabend gegen Klipper sorgte das auch in der Höhe verdiente 0:6 gegen den UHC für Ernüchterung und die Erkenntnis, dass die junge Mannschaft vor allem in puncto Kaltschnäuzigkeit immensen Nachholbedarf hat. UHC-Trainer Kais Al Saadi freute sich darüber, dass sein Team nach dem 2:3 vom Vortag beim Club an der Alster, der gestern Klipper 3:0 besiegte, die passende Reaktion zeigte.

Aushilfstrainer Hauke bescheinigte den Damen eine couragierte, aber teilweise auch zu naive Leistung. "Wir haben Lehrgeld gezahlt", sagte er. Das darf angesichts der Coaching-Erfahrung auch für ihn gelten. Dennoch wird er nicht unglücklich sein, wenigstens diese Pflichtaufgabe am kommenden Wochenende abgeben zu können.

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