Europameisterschaft
Bleibt die Traber-EM in Hamburg?
Hauptverband stellt Bahrenfeld weitere Austragungen in Aussicht. Am Wochenende Premiere am Volkspark mit zwölf Champions.
Hamburg. Der deutsche Berufsfahrer-Champion Roland Hülskath steht auf dem Balkon der Hamburger Trabrennbahn und lässt den Blick Richtung Volkspark schweifen. Da tritt Heinz Tell (Berlin), Präsident des deutschen Traber-Hauptverbandes (HVT), auf den 37 Jahre alten Profi aus Mönchengladbach zu. Die beiden Männer genießen die Morgensonne, fachsimpeln. Und sie sind sich einig: Die für rund 600.000 Euro sanierte Bahrenfelder Bahn präsentiert sich in einem exzellenten Zustand. Sie genügt höchsten internationalen Ansprüchen und ist jetzt Schauplatz eines Traber-Großereignisses, wie es in Hamburg noch nie stattfand: die Europameisterschaft der Berufsfahrer am Sonnabend und Sonntag. Die Champions aus zwölf Nationen treten in acht Wertungsrennen an, kämpfen um die Krone in Europa.
Was Hülskath nicht weiß: Der Traber-Boss hat eine Überraschung parat, die er bewusst erst kurz vor Beginn der Titelkämpfe preisgeben möchte. Dem Abendblatt verrät er die Neuigkeit, die in Hamburgs Traberkreisen mit Freude aufgenommen werden dürfte. Heinz Tell: "Es kann sein, dass die EM auch in den nächsten Jahren auf der Bahrenfelder Rennbahn stattfindet." Tell weiter: "Hamburg ist dank seines stark modernisierten Rennbahngeländes und der verbesserten Infrastruktur ein idealer Standort für die Titelkämpfe." So gebe es bei der europäischen Traber-Vereinigung UET und im Hauptverband, dem der frühere Berufsfahrer aus der Bundeshauptstadt (rund 100 Siege) vorsteht, bereits jetzt Überlegungen, der Hansestadt nach Möglichkeit weiterhin den Zuschlag zur Austragung zu erteilen. In Deutschland sind Berlin-Mariendorf und München-Daglfing mögliche Mitbewerber, für die die Durchführung indes einen zu großen finanziellen Aufwand bedeuten würde.
Heinz Tell weiß um die Sportbegeisterung in der Stadt, in der es noch immer den Traum von Olympia gibt. In einer Stadt wie Hamburg würden Events dieser Größenordnung gut angenommen. Im Trabrennsport bewegt sich wieder etwas, er ist nicht tot - dieser Meinung ist nicht nur der Verbandsvorsitzende. In der internationalen Presse, darunter in Frankreich und Schweden, wird im Vorfeld der EM ausführlich berichtet - und Hamburg taucht in großen Lettern darin auf. Für den schwedischen Traber-Verband war es selbstverständlich, mit Björn Goop den Topmann schlechthin nach Deutschland zu entsenden. "Dass Resonanz und Akzeptanz des Trabrennsports europaweit wachsen, dafür wollen auch wir unseren Beitrag leisten", sagt Jan Kleeberg, Hamburger Geschäftsführer.
Roland Hülskath macht sich derweil Gedanken, wie er der starken Konkurrenz aus dem Ausland Paroli bieten kann. Das gelang schon vor vier Jahren einmal, als der deutsche Champion erstmals den EM-Titel errang. Er glaubt an eine reelle Chance, diesen Triumph wiederholen zu können. "Ich kenne die Bahrenfelder Bahn ja auch ganz gut."
EM-Favoriten sind aber eher Schwedens Titelträger Björn Goop sowie Italiens Vorjahressieger Enrico Bellei. Geheimtipp ist der Franzose Pierre Vercruysse, der für den ursprünglich nominierten französischen Vizechampion und dreifachen Prix-d'Amérique-Gewinner Franck Nivard einspringt.
Die zwölf EM-Teilnehmer: Roland Hülskath (Deutschland), Björn Goop (Schweden), Pierre Vercruysse (Frankreich), Enrico Bellei (Italien), Eirik Hoitomt (Norwegen), Mika Forss (Finnland), Marc Huygens (Belgien), Csaba Lakatos (Ungarn), Gerhard Mayr (Österreich), René Kjær (Dänemark), Antonio Frontera Pocovi (Spanien), Noel Baldacchino (Malta).















