Davis-Cup
Hamburg feiert Mayer trotz Kälte und Querelen
Beim 1:1 gegen Australien präsentiert sich das Rothenbaum-Tennispublikum daviscupreif. Und auch Mayer konnte überzeugen.
Hamburg. Sogar der Regen trommelte Beifall. Als Florian Mayer seinen ersten Matchball nach 2:07 Stunden zum 7:5, 6:3, 6:2-Sieg gegen Lleyton Hewitt verwandelte, ging ein weiterer schwerer Guss auf das mobile Zeltdach des Tennisstadions am Hamburger Rothenbaum nieder. Mayer jedoch hatte für dieserart Nebengeräusche kein Ohr, er genoss sichtlich den zum Teil frenetischen Applaus der offiziell 4500 Zuschauer. "Florian hat sehr variabel gespielt, die richtigen Bälle zum richtigen Zeitpunkt gesetzt. Das war Weltklassetennis", lobte Daviscup-Teamchef Patrik Kühnen seine Nummer eins.
Mayer, 28, hatte im Relegationsspiel um den Klassenerhalt in der Weltgruppe zum 1:1 gegen die seit 2007 zweitklassigen Australier ausgeglichen und damit der Auftaktniederlage Cedrik-Marcel Stebes gegen Australiens Frontmann Bernard Tomic die Dramatik genommen. Am Sonnabend kämpfen von 14 Uhr an die Doppel Philipp Petzschner/Benjamin Becker und Hewitt/Chris Guccione um den zweiten Punkt, am Sonntag folgen von 11.30 Uhr an (Einsfestival und www.ndr.de live) die letzten beiden Einzel. Mayer beginnt gegen Tomic, anschließend serviert Stebe gegen Hewitt.
"Alle Nebenkriegsschauplätze sind nun ausgeblendet", hatte Mayer vor dem ersten Aufschlag verkündet. Er selbst sorgte aber mit einem Interview in der "Süddeutschen Zeitung" für neue Unruhe, in dem er Karl-Georg Altenburg noch einmal für dessen Aussagen zu Mayers Olympia-Absage rügte. Der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) hatte nach Mayers und Philipp Kohlschreibers Verzicht auf die Sommerspiele in London vorgeschlagen, künftig nur jene für den Davispokal zu nominieren, die auch bei Olympia antreten. Und dann meldete sich noch der ehemalige Daviscupspieler Alexander Waske, 38, in der FAZ zu Wort. Der Doppelspezialist warf Teamchef Kühnen vor, er habe es über Jahre versäumt, eine Kultur des Miteinanders zu pflegen. Waske hatte sich unlängst als möglicher Nachfolger Kühnens ins Gespräch gebracht. Der Vertrag des Teamchefs läuft am Jahresende aus, der DTB scheint gewillt, ihn um zwei weitere Jahre zu verlängern.
Stebe jedenfalls mag sich andere Voraussetzungen für seinen ersten Einsatz als Stammkraft in der deutschen Nationalmannschaft gewünscht haben, doch der 21 Jahre alte Linkshänder rechtfertigte zumindest im ersten Satz Kühnens Nominierung. Mit 6:2 spielte er Bernard Tomic, 19, geduldig aus, und der Australier schien kurz davor, mit dem nasskalten Wetter, den schweren Bällen und dem langsamen Sandplatz hadern zu wollen. "Es war sehr anstrengend für mich, unter diesen Bedingungen ins Match zu finden", erzählte der 42. der Weltrangliste, "ich bekam keinen Druck auf die Bälle, und mein Aufschlag erzielte nicht die gewohnte Wirkung." Dennoch kämpfte sich Tomic zurück, wehrte im zweiten Satz bei eigenem Aufschlag einen frühen Breakball Stebes ab und drehte das Grundlinienduell nach 3:18 Stunden zum 2:6, 6:3, 6:4, 7:6 (7:4), wobei der Deutsche im vierten Durchgang schon 3:0 und 4:2 geführt hatte.
"Da war mehr für ihn drin", meinte dann auch Rothenbaum-Turnierdirektor Michael Stich, "Cedrik hat zu oft auf die Fehler seines Gegners gewartet, anstatt selbst mal die Initiative zu ergreifen und ans Netz zu gehen. Da fehlte mir manchmal die nötige Konsequenz." Derartige Attacken passen jedoch nicht in Stebes grundsolides Spiel, und entsprechend passiv verteidigte er sich gegen die Anwürfe des ehemaligen Wimbledonsiegers: "Ich habe mein Bestes gegeben, Tomic hat in den Sätzen zwei bis vier einfach sehr gutes Tennis geboten." Glaubt man der Statistik, stimmt das nicht. Dem Australier unterliefen bei gespielten 289 Punkten (150:139 für Tomic) 70 Fehler, sogenannte Unforced Errors, Stebe 80.
Weit souveräner gestaltete Mayer, Nummer 25 der Herren-Welt, seinen zwölften Daviscup-Auftritt. Bei seinem fünften Sieg leistete er sich gerade mal 22 vermeidbare Fehler bei 30 Gewinnschlägen, während der ehemalige Weltranglistenerste Hewitt, 31, nach zwei Hüftoperationen jetzt die Nummer 100, bei ebenfalls 30 "Winners" 38-mal verschlagenen Bällen nachtrauerte - und natürlich im ersten Satz beim Stand von 5:4, Break vor, seinem verlorenen Aufschlagspiel. "Da hätte ich dem Match wahrscheinlich eine andere Wendung geben können", meinte Hewitt.
Nach dem Rebreak zum 5:5 dominierte dann Mayer den Zweikampf mit präzisen wie aggressiven Schlägen. "Lleyton hat sich nichts vorzuwerfen, Florian hat ausgezeichnet gespielt. Das war eine grandiose Vorstellung", sagte Australiens Teamchef Patrick Rafter.
Mayer muss es wohl ähnlich empfunden haben. Sonst eher ein Zweifler und leicht aus dem Konzept zu bringen, gab er am Abend selbstbewusste Töne von sich. "In dieser Form kann ich am Sonntag auch Tomic schlagen. Ich habe das Gefühl, dass ich in einer Topverfassung bin." Kühnen, der neben ihm saß, lächelte freudig bei diesen Worten.
Daviscupreif präsentierte sich einmal mehr das Hamburger Tennispublikum. Die Spieler freuten sich über die lautstarke Unterstützung, und weil auch die launigen australischen Fans ihren Teil zur Stimmung beitrugen, herrschte trotz Kälte ein Anflug jener Atmosphäre, die man aus besseren Daviscuptagen kennt. "Die Zuschauer waren erstklassig", befand Stich.
Das deutsche Team braucht für dieses Qualitätssiegel am Sonnabend und Sonntag noch zwei Siege.















