13.09.12

96 Menschen starben

Bericht: Polizei trägt Mitschuld an Hillsborough-Tragödie

Vor 23 Jahren starben bei einer Panik im Stadion von Sheffield 96 Menschen. Ein neuer Bericht deckt auf, dass viele hätten gerettet werden können.

Foto: picture-alliance / dpa/AP/dpa
Fußball: Das Hillsborough-Unglück 1989
Am 15. April 1989 kam es im Hillsborough-Stadion in Sheffield zu einer Massenpanik. 96 Menschen starben

London. 23 Jahre nach der Hillsborough-Katastrophe mit 96 Todesopfern sind am Mittwoch erstmals über 400.000 Seiten an offiziellen Dokumenten zu der größten Tragödie im britischen Sport veröffentlicht worden. Demnach haben Fehler der Polizei zur Tragödie in Sheffield beigetragen. Es sei eine Schande für Großbritannien, dass es mehr als 20 Jahre gedauert habe, um die Fehler offenzulegen, die zu der Katastrophe beigetragen hätten, erklärte am Mittwoch Premierminister David Cameron.

+++ Hillsborough - 96 Tote und unendliches Leid +++

Polizei und Retter hätten bei der Massenpanik am 15. April 1989 nicht schnell genug reagiert. Später hätten sie versucht, die Verantwortung auf die Opfer zu schieben, heißt es in der Untersuchung. Cameron entschuldigte sich im Namen der Regierung für die Fehler.

Bei der Panik beim Pokalspiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest waren 96 Fußballfans im Hillsborough-Stadion in Sheffield ums Leben gekommen. Hunderte wurden verletzt. Wenn die Einsatzkräfte schneller gehandelt hätten, hätten mindestens 41 der Opfer überleben können. Dies wird in dem neuen Bericht betont, der von einer unabhängigen Kommission vorgelegt wurde. Sie hatte über 18 Monate rund 450 000 Dokumente durchgesehen, die von der Regierung freigegeben worden waren. Festgestellt wurde auch, dass die Polizei aus Berichten Passagen entfernte, die sie in negativem Licht darstellten.

Cameron erklärte, die Angehörigen hätten in den vergangenen Jahren doppelt gelitten: Einmal durch den Tod geliebter Menschen, und dann dadurch, dass diesen fälschlicherweise eine Mitschuld gegeben worden sei. Jetzt könnte es eine neue gerichtliche Untersuchung geben.

Im Anschluss an das Unglück waren die Fans von der Polizei und Medien als betrunken und aggressiv hingestellt worden. Neue Untersuchungen belegen, dass ein Großteil der Opfer keinesfalls zu viel Alkohol im Blut hatte. Zu den Ursachen des schwersten Unglücks der britischen Fußball-Geschichte wird seit langem neben polizeilichen Fehlern auch die damals übliche Stadion-Architektur mit hohen Gitterzäunen gezählt.

Vertreter der Angehörigen reagierten am Mittwoch positiv auf den Bericht und die Entschuldigung des Premiers. "Wir sind der Meinung, dass ein Durchbruch geschafft wurde", sagte Trevor Hicks von der Organisation Hillsborough Justice Campaign. "Die Wahrheit ist ans Licht gekommen, morgen folgt die Gerechtigkeit."

Mit Material von dapd und dpa

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