Boxen
Nach Niederlage gegen Klitschko: Charr legt Protest ein
Der 27-Jährige war vom Ringarzt aus dem Kampf genommen worden. Allerdings in der Ecke des Gegners, was Charr für nicht regelkonform hält.
Hamburg. Die Schwergewichts-WM zwischen Titelverteidiger Vitali Klitschko und dem Kölner Manuel Charr hat ihr angekündigtes Nachspiel. Charrs Management, die Diamondboy Promotion (DBP), legte beim Weltverband WBC offiziell Protest gegen das Urteil ein. Pit Gleim, Geschäftsführer von DBP, führte als Grund einen "eindeutigen und unstrittigen Regelverstoß" an. So habe der italienische Ringrichter Guido Cavalleri am vergangenen Sonnabend in Moskau den aus einem Cut am rechten Augenlid stark blutenden Charr fälschlicherweise zur Behandlung in die Klitschko-Ecke geführt, obwohl WBC-Präsident José Sulaiman in der Regelbesprechung darauf hingewiesen hatte, dass bei Verletzung der betroffene Boxer in die näher liegende Ecke geführt werden solle.
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Zum Zeitpunkt der Unterbrechung 56 Sekunden vor Ende der vierten Runde hatte sich Charr tatsächlich nahe der Ringmitte befunden, möglicherweise einen halben Meter näher an seiner als an Klitschkos Ecke. Nach Anraten des Ringarztes Stefan Holthusen hatte Cavalleri den Kampf abgebrochen, da eine Vene in Mitleidenschaft gezogen worden war und deshalb in der verbleibenden Kampfzeit eine schwere Verletzung mit Folgeschäden nicht habe ausgeschlossen werden können. "Aus unserer Sicht war es eine im Boxen völlig übliche und unspektakuläre Verletzung", sagte Gleim.
Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), der die Ringärzte Holthusen und Stephan Bock lizensiert hatte, räumt dem Protest keine Chance auf Erfolg ein. Zwar bestätigte er die Aussagen Sulaimans in der Regelbesprechung, es habe sich dabei allerdings lediglich um eine Weisung gehandelt. "Eine schriftliche Regel darüber, in welche Ecke ein Boxer bei Verletzung zu führen ist, existiert nicht", sagte er. Es sei "absolut unüblich", die weiter entfernte Ecke anzusteuern, "aber letztlich sind beide Ringärzte von uns lizensiert und in der Lage, Verletzungen zu begutachten und neutrale Weisungen zu geben."
Zudem liege die Entscheidung über einen Kampfabbruch einzig beim Ringrichter. Ob dieser anders entschieden hätte, wenn Ringarzt Bock eine andere Einschätzung der Wunde ausgesprochen hätte, sei ebenso ungewiss wie die Frage, ob Bock überhaupt anders geurteilt hätte. In Moskau hatte er sich dazu nicht äußern wollen, "um dem Kollegen nicht in den Rücken zu fallen".
Bernd Bönte, Manager der Klitschko-Brüder, wollte zum Protest des gegnerischen Lagers keine Stellung beziehen. "Wir werden abwarten, was das WBC entscheidet", sagte er. Die Zukunftsplanung des Weltmeisters sei zunächst sowieso nur bis zum 28. Oktober ausgerichtet. An diesem Tag tritt der 41-Jährige in seiner Heimat Ukraine mit der prowestlichen Allianz Udar zu den Parlamentswahlen an. Schafft die Partei die Fünfprozenthürde, worauf jüngste Umfragen schließen lassen, dann wäre Vitali Klitschko als Parteichef automatisch Parlamentarier.
Dass er seine Karriere im Frühjahr 2013 mit einem Kampf gegen den britischen Exweltmeister David Haye beschließen möchte, ist allerdings ein offenes Geheimnis. Haye hatte sich zuletzt offensiv für das Duell ins Gespräch gebracht. Lediglich die Anordnung eines sofortigen Rematches gegen Charr durch das WBC könnte diese Pläne noch torpedieren.
















