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Sport

Hersteller am Pranger

Sportbekleidung: Studie wirft den weltweit operierenden Firmen unwürdige Arbeitsbedingungen in Auslandsfabriken vor.

London. In vielen Auslands-Fabriken fast aller großen Sportartikelhersteller sind menschenunwürdige Arbeitsbedingungen an der Tagesordung. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Studie unter Führung der Nicht-Regierungs-Organistaion Oxfam aus Großbritannien. Insbesondere vor den Olympischen Spielen in Athen (13. bis 29. August 2004) stünden die Hersteller unter großem Druck, der an die Arbeiter weitergegeben werde.

"Im Olympia-Jahr steht die Sportartikelindustrie natürlich besonders im Fokus. Und dieser Bericht beleuchtet zwar erstmalig unsere Branche, die erhobenen Forderungen sind jedoch inhaltlich nichts Neues. Schon 1998 und 2002 vor den Fußball-Weltmeisterschaften gab es solche Untersuchungen", erklärte Pressesprecher Ulf Santjer vom deutschen Branchenriesen Puma. Auch Puma-Konkurrent Adidas sicherte eine genaue Prüfung des Reports zu.

Santjers Einwand ist korrekt. Im Juni vergangenen Jahres erschien im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" eine Reportage über die "Traumfabrik Nike", lin der die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen innerhalb des US-Konzerns anhand von Beispielen aus den USA und Thailand beschrieben wurden. Stoßrichtung des Berichts: Nike trete in Billiglohnländern wie ein Eroberer auf, der auf dem Weg zur Weltherrschaft keine Brutalität scheut.

"Die Industrie muss die Preise fairer machen, weniger scharfe Termine setzen und die Arbeitsbedingungen genau so beachten wie Kosten, Zeit und Qualität", heißt es in dem Oxfam-Bericht. Dort werden sämtliche Branchenriesen genannt, neben Puma und Adidas auch Marktführer Nike, Reebok, Fila oder Asics. Die Studie wurde in Bulgarien China, Indonesien, Thailand, Kambodscha und der Türkei durchgeführt. Allein Puma lässt 90 Prozent seiner Schuhe in Asien produzieren, im Textilbereich sind es 60 Prozent.

Trotz der Unterzeichnung internationaler Schutzabkommen sind die Arbeitszeiten laut Oxfam teilweise unmenschlich. Nach dem Bericht müssen die Arbeiter 16 Stunden am Tag und sechs Tage die Woche Dienst tun. In China erhielten die Arbeiter dafür rund 12 Dollar Lohn pro Monat. In Bulgarien sollen Arbeiter entlassen worden sein, weil sie nicht bereit waren, weitere Überstunden zu leisten. Außerdem seien Attacken wegen Gewerkschaftsbeteiligungen der Arbeiter und gesundheitliche Schäden keine Ausnahme. Oxfam fordert deshalb die Einhaltung internationaler Umwelt- und Sozialstandards.

Um eine weiter verbesserte Kontrolle der Partnerunternehmen zu gewährleisten, ist Puma zu Beginn dieses Jahres der unabhängigen Prüfstelle FLA beigetreten, die die Lieferanten weltweit kontrolliert. "Damit haben wir nicht nur intern, sondern auch extern über die FLA ein sehr effizientes Instrument zur Kontrolle der Zulieferbetriebe", erklärt Santjer, der den Oxfam-Bericht als Fortsetzung des bereits bestehenden Dialogs mit der Organisation sieht und den Briten am Mittwoch einen Antwortbrief zusandte. Die aktuellen Vorwürfe will Puma erst nach genauer Überprüfung der genannten Einzelfälle durch die seine Expertenteams kommentieren.

Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Berichts startete Oxfam die Kampagne "Fairolympics", mit der der olympische Gedanke auch auf den Sportartikelhandel und die Sportartikel-Industrie übertragen werden soll. Fair Play, Solidarität und die Wertschätzung menschlichen Lebens sollten dabei die wichtigste Rolle spielen.sid

 

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