04.09.12

Paralympics 2012

Reiterin Brenner gewinnt neuntes deutsches Gold

Prinz Harry war schon am Morgen von den Schwimmwettbewerben begeistert. Richtig gut drauf sind auch die deutschen Basketballer.

Foto: dpa/DPA
Reiterin Hannelore Brenner gewinnt neuntes deutsches Gold
Reiterin Hannelore Brenner gewinnt neuntes deutsches Gold

London. Neuntes Gold für Deutschland, ein begeisterter Schwimm-Fan Prinz Harry und stark auftrumpfende Basketballer haben den sechsten Wettkampftag der Paralympics bestimmt. Die querschnittsgelähmte Dressurreiterin Hannelore Brenner setzte sich nach der Pflicht auch in der Kür mit Musik auf "Women of the World" im Greenwich Park von London durch.

Die 49-Jährige aus Wachenheim in Rheinland-Pfalz hatte schon in Peking 2008 zweimal Gold geholt. "Das ist jetzt schon ein Riesenerfolg für die Reiter, wir haben bewiesen, dass wir eine Pferdesportnation sind", sagte Karl Quade, Chef de Mission der deutschen Mannschaft, am Dienstag.

Die Stimmung im deutschen Team sei richtig klasse, meinte Quade: "Wir sind sehr zufrieden, in allen Wettbewerben voll dabei." Am späten Montagabend hatte Speerwerferin Birgit Kober mit Weltrekord im Olympiastadion für ein Highlight gesorgt. Die 31-Jährige, die wegen einer falschen Medikamentenbehandlung unter großen koordinativen Störungen leidet, war bei ihrer Premiere der gefeierte Star. "Das ist so grandios, ich sitze seit vier Jahren im Rollstuhl und nun schließt sich für mich ein Kreis", sagte die Münchnerin, die von Hartz IV lebt und auf einer Hundewiese trainiert.

Die Basketball-Männer gewannen erst im Schlussspurt ihr letztes Gruppenspiel gegen Polen mit 73:63. Nun kommt es in der K.o.-Runde zur Begegnung mit den USA. "Das habe ich mir gewünscht, die passen gut zu unserem Spiel", sagte Matchwinner Jan Haller. Auch die Sitzvolleyballer siegten im vierten Vorrundenmatch und erreichten mit dem 3:1 gegen Ägypten das Viertelfinale.

Die Vorschlussrunde erreichte Sabine Ellerbrock im Rollstuhltennis. "Das war mein großes Ziel, dass ich um eine Medaille spiele – ab jetzt bin ich der Underdog und mir bleibt in jedem Fall das Bronze-Match." Beim 3:6, 7:5, 6:2 im Viertelfinale gegen die Niederländerin Marjolein Buis zeigte die Weltranglistendritte nicht ihre allerbeste Leistung, aber umso mehr Nervenstärke. "Ich war schon immer eine Kampf-Sau", betonte die 36 Jahre alte Bielefelderin nach 2:17 Stunden Spielzeit in der prallen Mittagssonne. Als erleichterte Fans jubelten ihre Eltern mit der Deutschland-Flagge.

+++Goldener Montag durch Dietz, Nikelis und Kober+++

+++Medaillen für Reiterinnen - Sprinter Popow Dritter+++

Die 22-jährige Berlinerin Katharina Krüger war im Einzel in Runde zwei an der überragenden Topfavoritin Esther Vergeer 0:6,0:6 gescheitert. "Das ist halt Esther", sagte Krüger ehrfürchtig vor dem niederländischen Superstar, der am Dienstag auch Thailands Sakhorn Khanthasit 6:1, 6:0 abfertigte. Vergeer baute ihre unfassbare Siegesserie auf 468 Erfolge nacheinander aus. Ellerbrock könnte erst im Finale auf die Nummer eins der Welt treffen.

Im Rollstuhlfechten konnte indes Simone Briese-Baetke ihrer Favoritenrolle nicht gerecht werden. Die Gesamtweltcupsiegerin 2011 schied mit dem Florett schon im Viertelfinale mit 11:15 gegen Marta Makowska aus Polen aus.

Wegen einer Hüftoperation musste IOC-Präsident Jacques Rogge seine Reise nach London zur Schlussfeier der Paralympics am Sonntag absagen

Die Paralympics in Zahlen
Die XIV. Paralympics in Zahlen: Die Organisatoren um Mittelstrecken-Legende Sebastian Coe versprechen Paralympics der Superlative. Die "London 2012 Paralympic Games" sollen die größten in der 52-jährigen Geschichte der Behinderten-Weltspiele werden. Die Eckdaten der Paralympics:
4280 Athleten werden in 20 Sportarten an elf Wettkampftagen um insgesamt 503 Goldmedaillen kämpfen. In Peking 2008 waren es noch 3951 Sportler.
Die Rekordzahl von 2,5 Millionen Tickets wurde angeboten. Die Organisatoren rechnen damit, dass die Paralympics zum ersten Mal komplett ausverkauft sein werden.
580 Fackelträger werden die paralympische Flamme auf einem 24-stündigen Lauf getragen haben, wenn diese am Mittwochabend im Olympiastadion in Stratford bei der Eröffnungsfeier ankommt.
166 Nationen wollen teilnehmen. 16 davon geben ihr paralympisches Debüt – zum Beispiel Nordkorea und die Demokratische Republik Kongo.
1513 Frauen sind unter den Teilnehmern, mehr als jemals zuvor bei den 13 vorangegangen Paralympics und mehr als doppelt so viele wie in Barcelona 1992 (700 Teilnehmerinnen).
19 Wettkampfstätten wird es geben, in 17 davon wurde schon während Olympia um Medaillen gekämpft. Hinzu kommen zwei neue: die berühmte Motorsport-Rennstrecke Brands Hatch, wo die Straßenrad-Veranstaltungen stattfinden, und Eton Manor, ein Extra-Komplex im Olympiapark für die Rollstuhl-Tennis-Turniere.
6000 Medienvertreter werden über die Paralympics aus London berichten.
1250 Dopingkontrollen sollen vorgenommen werden. Das ist eine Steigerung um 25 Prozent im Vergleich zu Peking 2008.
15 verschiedene 100-Meter Finals der Männer wird es in dem komplexen paralympischen Klassifizierungssystem mit verschiedenen Behinderungsgraden geben.
In einer Werkstatt sollen 15 000 Ersatzteile bereitliegen, um die Rollstühle, Prothesen und Orthesen für die Athleten schnell reparieren zu können (dpa).
Das deutsche Team für die Paralympics in London
Die 150 deutschen Athleten in London:
Bogenschießen (4 – 2/2): Matthias Alpers (Zeven), Maria Droste (Niedernberg), Katharina Schett (Dillingen), Maik Szarszewski (Illertissen)
Fechten (1 – 0/1): Simone Briese-Baetke (Dittwa
Gewichtheben (1 – 1/0): Mario Hochberg (Gotha)
Judo (5 – 3/2): Carmen Brussig (Schwerin), Ramona Brussig (Lachen), Sebastian Junk (Plankstadt), Matthias Krieger (Neckarsulm), Oliver Upmann (Hörstel)
Leichtathletik (33 – 14/19): David Behre (Leverkusen), Reinhold Bötzel (Hannover), Marie Brämer- Skowronek (Magdeburg), Marianne Buggenhagen (Bernau), Siena Christen (Freital), Wojtek Czyz (Kaiserslautern), Laura Darimont (Köln), Sebastian Dietz (Herford), Michaela Floeth (Schlitz), Isabelle Foerder (Eisenach), Ali Ghardooni (Magdeburg), Katrin Green (Oklahoma City/USA), Maike Hausberger (Butzweiler), Frances Herrmann (Lübbenau), Ulrich Iser (Sangerhausen), Birgit Kober (München), Vanessa Low (Leverkusen), Sandra Mast (Dornstetten), Mathias Mester (Köln), Claudia Nicoleitzik (Völklingen-Wehrden), Heinrich Popow (Leverkusen), Markus Rehm (Leverkusen), Jana Schmidt (Klocksin), Matthias Schröder (Berlin), Marc Schuh (Bergisch Gladbach), Matthias Schulze (Leipzig), Maria Seifert (Erfurt), Tamira Slaby (Essen), Niels Stein (Berlin), Frank Tinnemeier (Lemgo), Thomas Ulbricht (Salzwedel), Martina Willing (Brandenburg), Ilke Wyludda (Halle/Saale)
Radsport (15 – 10/5): Kerstin Brachtendorf (Riva/Gardasee/ITA), Hans-Peter Durst (Dortmund), Tobias Graf (Loßburg), Henrike Handrup (Wuppertal), Bernd Jeffré (Barmissen), Vico Merklein (Babenhausen), Norbert Mosandl (Neumarkt), Wolfgang Sacher (Penzberg), Denise Schindler (Richmond/CAN), Michael Teuber (Dietenhausen), Dorothee Vieth (Hamburg), Steffen Warias (Tübingen), Max Weber (Obergünzburg), Erich Winkler (Geisenhausen), Andrea Eskau (Bergheim)
Reiten (5 – 1/4): Hannelore Brenner (Wachenheim), Britta Näpel (Wonsheim), Angelika Trabert (Dreieich), Lena Weifen (Bösel), Steffen Zeibig (Arnsdorf)
Rudern (5 – 3/2): Tino Kolitscher (Halle/Saale), Astrid Hengsbach (Hagen), Kai- Kristian Kruse (Hamburg), Anke Molkenthin (Ainring-Hammerau), Johannes Schmidt (Offenbach)
Schwimmen (21 – 10/11): Kirsten Bruhn (Wasbek), Christoph Burkard (Zimmern-Horgen), Annke Conradi (Regensburg), Tanja Gröpper (Düsseldorf), Niels Grunenberg (Berlin), Sebastian Iwanow (Leverkusen), Julia Kabus (Berlin), Elena Krawzow (Bamberg), Andre Lehmann (Werder/Havel), Lucas Ludwig (Berlin), Swen Michaelis (Leipzig), Tobias Pollap (Hattingen), Christiane Reppe (Berlin), Torben Schmidtke (Potsdam), Maike Naomi Schnittger (Preußisch-Oldendorf), Verena Schott (Berlin), Daniela Schulte (Berlin), Martin Schulz (Leipzig), Daniel Simon (Berlin), Vera Thamm (Haltern am See), Stefanie Weinberg (Leipzig)
Segeln (4 – 4/0): Heiko Kröger (Jersbek), Jens Kroker (São Paulo/BRA), Siegmund Mainka (Borken), Robert Prem (Berlin)
Sitzvolleyball (10 – 10/0): Herren: Sebastian Czpakowski (Wuppertal), Stefan Hähnlein (Leverkusen), Christoph Herzog (Leipzig), Thomas Renger (Dormagen), Barbaros Sayilir (Leverkusen), Torben Schiewe (Nienhagen), Alexander Schiffler (Leipzig), Peter Schlorf (Berlin), Jürgen Schrapp (Leverkusen), Heiko Wiesenthal (Koblenz)
Schießen (8 – 6/2): Norbert Gau (Erdweg), Frank Heitmeyer (Bad Essen), Natascha Hiltrop (Heringen), Josef Neumaier (Altötting), Leopold Rupp (Berlin), Andreas Schäfers (Altenbeken), Jan Michael Schaub (Stadtallendorf), Manuela Schmermund (Niederaula)
Tennis (2 – 0/2): Sabine Ellerbrock (Bielefeld), Katharina Krüger (Berlin)
Tischtennis (12 – 11/1): Thomas Brüchle (Lindau), Werner Burkhardt (Bayreuth), Selcuk Cetin (Bad Kreuznach), Stephanie Grebe (Heidgraben), Jan Gürtler (Berlin), Dietmar Kober (Bischberg), Thomasz Kusiak (Köln), Holger Nikelis (Köln), Thomas Rau (Fehmarn), Thomas Schmidberger (Viechtach), Thorsten Schwinn (Münster), Jochen Wollmert (Stuttgart)
Basketball (24 – 12/12): Damen: Mareike Adermann (Essen), Annabel Breuer (Birkenhard), Annegrit Brießmann (Einhausen), Britt Dillmann (Gießen), Heike Friedrich (Obernburg), Maria Kühn (Stuttgart), Maya Lindholm (Hamburg), Marina Mohnen (Köln), Edina Müller (Hamburg), Gesche Schünemann (Gießen), Johanna Welin (München), Annika Zeyen (Hennef). Herren: André Bienek (Castrop-Rauxel), Thomas Böhme (Wettenberg), Thomas Gundert (Neuwied), Jan Haller (Wetzlar), Mathias Heimbach (Stadtbergen), Sercan Ismail (München), Dirk Köhler (Wetzlar), Andreas Kreß (Niedernberg), Björn Lohmann (Köln), Sebastian Magenheim (München), Dirk Passiwan (Konz), Sebastian Wolk (Frankfurt/Main)
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