02.09.12

1. FC Köln

Rauball verurteilt Anfeindungen gegen Pezzoni

Der 1. FC Köln und Pezzoni haben einvernehmlich den Vertrag gekündigt. Laut Coach Stanislawski waren Anfeindungen von Hooligans der Grund dafür.

Foto: dapd/DAPD
Fußball-Profi Kevin Pezzoni hat seinen Vertrag beim Zweitligisten 1. FC Koeln aufgelöst, weil er von den eigenen Fans bedroht wurde

Köln. Ligapräsident Reinhard Rauball hat die Anfeindungen von mutmaßlichen Hooligans gegen den früheren Kölner Fußball-Profi Kevin Pezzoni verurteilt. "Das ist unter keinen Umständen akzeptabel. Jetzt muss endgültig für jedermann klar sein, dass es ab einem bestimmten Punkt keinerlei Toleranz mehr geben kann", sagte Rauball der "Welt am Sonntag". Dies sei der Fall, "sobald Gewalt, in welcher Form auch immer, im Spiel ist."

Rauball sei sich sicher, "dass die Verantwortlichen des 1. FC Köln alle nötigen Konsequenzen aus dem Fall ziehen werden. Es ist traurig, dass es eine kleine Minderheit erneut geschafft hat, sich so Gehör zu verschaffen."

Trainer Holger Stanislawski vom Zweitligisten 1. FC Köln macht Teile der Fans für den Weggang von Pezzoni verantwortlich. "Es sind Dinge vorgefallen, die Kevin das Fußballspielen in diesem Club nicht mehr ermöglichen", erklärte Stanislawski nach dem Training am Sonnabend. Am Freitag hatte der Verein mitgeteilt, dass der Vertrag mit dem 23 Jahre alten Mittelfeldspieler in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde.

Es freue ihn, dass ihm viel Verständnis für seine Entscheidung entgegengebracht würde, schrieb der Profi am Sonnabend auf seiner Facebook-Seite. "Und wie viel Unverständnis wir gemeinsam gegenüber Mobbing, Beleidigungen, Gewalt & Co. haben. Dies hat weder auf oder neben dem Platz, noch im privaten Umfeld etwas zu suchen." Er freue sich nun auf neue sportliche Herausforderungen, hieß es in einem Grußwort an die Fans auf der offiziellen Internetseite von Pezzoni.

In einem offenen Brief äußerte sich auch die Mannschaft des 1. FC Köln zu der Situation. "Wir alle kennen unsere Rolle und unsere Verantwortung. Doch wir lassen als Mannschaft nicht zu, dass einzelne Spieler von einzelnen Chaoten gedemütigt und persönlich angegangen werden. Wir erwarten Fairness und Respekt im Umgang mit jedem einzelnen Spieler", hieß es in dem Schreiben.

Nach Angaben Stanislawskis wurde Pezzoni in den vergangenen Tagen durch Hooligans massiv bedroht. "Eine Gruppe von Menschen lauerte ihm in dieser Woche vor seiner Wohnung auf. Er wurde angepöbelt, es ist ein Zustand, der sich über längere Zeit aufgebaut hat", sagte der Coach. Die Vertragsauflösung sei deshalb zum Schutz des Profis vorgenommen worden. "Wenn ein Spieler Angst haben muss, auf die Straße zu gehen, dann sind eindeutig die Grenzen überschritten", meinte Stanislawski, der sich erschüttert zeigte.

Der Club sprach sich erneut klar gegen Gewalt aus und kündigte Konsequenzen an. "Vorfälle, wie wir sie jetzt leider im Umfeld des Fußballs diskutieren, sind das Werk einiger weniger Störer und Chaoten, die mit ihrem Verhalten den gesamten Verein und seine Fans in Verruf bringen", sagte FC-Präsident Werner Spinner laut einer Vereinsmitteilung vom späten Sonnabendabend.

Derartige Täter würden wie in der Vergangenheit konsequent ausgesperrt, betonte er. "Sie erhalten Stadionverbote, werden aus dem Verein ausgeschlossen – sofern sie Mitglieder sind – und der FC wird eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, um auch strafrechtlich gegen sie vorzugehen."

Das FC-Team übte im Schreiben an die Fans Solidarität mit Pezzoni und forderte, dass Berufliches und Privates getrennt bleiben: "Wenn es nicht rund läuft, akzeptieren wir eure Kritik. Vor allem aber brauchen wir eure Unterstützung, um uns weiter zu verbessern. Das Gros der Fans hat uns das in den vergangenen Spielen gezeigt. Das ist klasse. Wir werden nicht zulassen, dass einige wenige Störenfriede das Bild des FC in der Öffentlichkeit bestimmen."

Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp warf die Frage auf, von wem die Initiative zur Trennung ausging. "Ich glaube nicht, dass Kevin den Vertrag auflösen wollte. Ich denke, der Verein war auch daran interessiert, dass das Ganze beendet wird", meinte der BVB-Coach beim Pay-TV-Sender LIGA total!. "Ich weiß nicht genug darüber, aber Fakt ist, dass das definitiv alle Grenzen gesprengt hat. Das geht überhaupt nicht. Ich weiß allerdings, dass das 99 Prozent der Fans auch so sehen."

Der FC betonte, dass zwei Tage vor der beidseitigen Vertragsauflösung Pezzoni den Verein "über Vorgänge in seinem persönlichen Umfeld informiert" habe. Mit der Beendigung des Kontrakts habe der FC einer ausdrücklichen Bitte des Spielers entsprochen.

Pezzoni war am 19. Februar tätlich angegriffen worden. Am Karnevalssonntag erlitt er nach der Attacke eines Unbekannten einen Nasenbeinbruch. Er musste operiert werden, kehrte aber wenige Tage später ins Mannschaftstraining zurück. Zudem sei Pezzoni in den zurückliegenden Tagen über Facebook beleidigt und bedroht worden. Pezzoni war seit 2008 für den 1. FC Köln aktiv gewesen und hatte unter anderem 80 Bundesligaeinsätze bestritten. (abendblatt.de/dpa)

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