31.08.12

Bayern neuer Superstar im Training

Martinez feiert mit 71.000 Geburtstagsgästen

Der neue Bundesligastar möchte am liebsten auf dem Platz gegen den VfB Stuttgart feiern. Nationaltorhüter Manuel Neuer mahnt Geduld an.

Foto: dapd/DAPD
Javi Martinez trainiert beim FC Bayern
Javi Martinez trainiert beim FC Bayern

München. Martínez! Martínez! Martínez! Der 40 Millionen Euro teure Rekordeinkauf des FC Bayern überstrahlt im Vorfeld alles rund um den Bundesliga-Südgipfel gegen den VfB Stuttgart. 71 000 Zuschauer möchten am Sonntag (17.30 Uhr) in der um 2000 Plätze erweiterten Allianz Arena live die ersten Pässe und Zweikämpfe des spanischen Fußball-Nationalspielers bestaunen – sofern Bayern-Coach Jupp Heynckes seinen Wunschspieler an dessen 24. Geburtstag auch auf den Rasen lässt.

"Natürlich entscheidet der Trainer. Ich stehe ihm zur Verfügung", sagte der teuerste Spieler in der Geschichte der Bundesliga, der am Freitag erstmals mit seinen neuen Teamkollegen auf dem Platz stand. "Er hat das erste Trainingsspiel verloren", verriet Nationaltorhüter Manuel Neuer nach der nicht-öffentlichen Einheit. "Martínez hat sicherlich eine große Qualität", berichtete Philipp Lahm nach der Übungsstunde im Regen. Der Kapitän versprach: "Die Mannschaft wird ihn unterstützen, im Training, in den Spielen."

Der Welt- und Europameister erhöhe nochmals die Qualität des Münchners Kaders, wie Lahm hervorhob: "Wir haben gute Transfers getätigt im Sommer." Der Konkurrenzdruck und Kampf um die begehrten Stammplätze verschärft sich. "Es muss immer einen Kern geben, sich eine Mannschaft herauskristallisieren", sagte Lahm. Aber man habe jetzt Spieler, die die Lücken hintendran besser auffüllen könnten. "Im Training ist es oft laut, es geht in den Zweikämpfen richtig zu", berichtete Torwart Neuer.

Auch Martínez muss sich seinen Status im Team erst erarbeiten, die 40 Millionen Euro spielten für die Kollegen "keine Rolle", so Lahm. "Ich werde mir meinen Platz in der ersten Elf erkämpfen müssen", erklärte auch Martínez selbst. Neuer mahnt Geduld mit dem Neuzugang an, der kein Deutsch spricht. "Es ist klar, dass ganz viel auf ihn einprasselt, ein neuer Verein, ein Wechsel ins Ausland. Ich denke, er braucht noch ein paar Wochen, bis er richtig ankommt."

+++Bayern-Stars wollen Neuzugang Martinez helfen+++

Auch er habe vor einem Jahr nach seinem Wechsel vom FC Schalke 04 nach München einige Wochen der Eingewöhnung benötigt, erinnerte der Torhüter: "Man muss auf die Bremse treten, sein Vertrag ist ja nicht für eine Saison angelegt. Wir freuen uns, dass er da ist."

Martínez selbst würde am liebsten gleich gegen Stuttgart loslegen und die ersten Euro mit Leistung zurückzahlen. "Ich kann es kaum abwarten, sobald wie möglich auflaufen zu können." Sichtlich beeindruckt war er bei seiner Vorstellung durch die "Riesenarena" geschritten: "Es ist ein Traum, der Wirklichkeit wird", bemerkte er begeistert. Trotz des Stresses bei der finalen Abwicklung seines Transfers fühle er sich "frisch und munter", versicherte Martínez.

Gegen Stuttgart wird Heynckes aber wohl zunächst auf zum Saisonstart Bewährtes zurückgreifen. Statt des künftigen Wunschduos Schweinsteiger/Martínez könnten wie beim 3:0-Start in Fürth erneut Toni Kroos und Luiz Gustavo im defensiven Mittelfeld auflaufen. "Wir wollen die nächsten drei Punkte einfahren, dann haben wir einen guten Start gehabt", erklärte Lahm zum Ziel bei der Liga-Heimpremiere.

Geburtstagskind Martínez wird am Sonntag auf jeden Fall einen Grund zum Feiern haben. In der Länderspielpause danach kann sich der dann 24-Jährige in München einleben. Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque nominierte den zuletzt vielgereisten neuen Bayern-Star - wie von Heynckes erhofft – nicht für die Partien des Welt- und Europameisters gegen Saudi-Arabien und in Georgien.

Die Liste der teuersten Bundesliga-Transfers
1. Javier Martinez 2012 Athletic Bilbao Bayern München 40,0 Millionen Euro
2. Edin Dzeko 2011 VfL Wolfsburg Manchester City 34,0
3. Mario Gomez 2009 VfB Stuttgart Bayern München 30,0
4. Franck Ribery 2007 O. Marseille Bayern München 25,0
4. Owen Hargreaves 2007 B. München Manchester U. 25,0
4. Marcio Amoroso 2001 AC Parma B. Dortmund 25,0
7. Diego 2009 Werder Bremen Juventus Turin 24,5
8. Arjen Robben 2009 Real Madrid Bayern München 24,0
9. Manuel Neuer 2011 Schalke 04 Bayern München 22,0
10. Carlos Eduardo 2010 Hoffenheim Rubin Kasan 20,0
10. Emerson 2000 Leverkusen AS Rom 20,0
12. Roy Makaay 2003 La Coruna Bayern München 19,75
13. Nigel de Jong 2009 Hamburger SV Manchester City 18,0
13. Marco Reus 2012 Gladbach Dortmund 17,1
Stimmen zum Martinez-Transfer
Stimmen zum Martinez-Transfer:
Oliver Bierhoff (Teammanager der Nationalmannschaft): "Man hört nur Gutes über ihn. Ich finde es klasse, dass die Bayern mal nicht einen Ausläufer kaufen - was ja häufiger vorkam -, einen 30-Jährigen oder 32-Jährigen, der bei anderen Topvereinen nicht mehr gebraucht wird, sondern einen Spieler, der noch eine große Zukunft vor sich hat."
Paul Breitner (Berater des FC Bayern): "Für mich ist mit Ausnahme von Messi, Xavi und Iniesta kein Spieler 40 Millionen Euro wert. Aber: Er ist ein Spieler, den ich seit drei, vier Jahren sehr intensiv kenne. Und wenn ich hinter Xavi und Iniesta den Besten haben will, und der spielt eben in Bilbao, dann musst du zugreifen."
Vicente del Bosque (Spanischer Nationaltrainer): "Bayern wird viel Freude an ihm haben. Er ist ein Super-Spieler und großartiger Mensch. Er ist der geborene Anführer, ein kompletter Spieler. Er hat quasi das komplette Spielfeld im Auge. Da kann man Bayern nur gratulieren."
Wolfgang Holzhäuser (Geschäftsführer Bayer Leverkusen): "Ich habe das Gefühl, dass bei den Bayern die Nerven blank liegen. Sie versuchen, sich die Siegermentalität zurückzukaufen."
Oliver Kahn (Ehemaliger Bayern-Kapitän): "Er ist ein sehr variabler Spieler, der mir bislang aber nicht groß aufgefallen ist. Ich habe das Gefühl, dass Bayern sich besonders unter Druck gesetzt fühlt, groß anzugreifen, um die Jahre der zweiten Plätze vergessen zu machen."
Martin Kind (Präsident Hannover 96): "Bayern München ist die einzige internationale Marke der Bundesliga, und da müssen sie sich mit dem internationalen Transfermarkt messen. Da scheinen solche Preise normal zu sein."
Toni Kroos (Bayern-Profi): "Wenn man 40 Millionen Euro ausgibt, heißt das, dass das ein Top-Spieler sein soll. Und Top-Spieler können wir immer gut gebrauchen."
Philipp Lahm (Bayern-Kapitän): "Er ist ein exzellenter Fußballer. Gute Spieler sind bei uns immer willkommen."
Udo Lattek (Ex-Bayern-Trainer): "Er weiß nicht, was auf ihn zukommt. Das ist ein großes Risiko. Man muss abwarten, wie die Mannschaft ihn annimmt, ob sie ihn akzeptiert. Der wird erst getestet, ob er wirklich was kann."
Bernd Schuster (Ex-Trainer von Real Madrid): "Er ist ein Spieler, der bei Bayern ohne Probleme reinpasst und seinen Weg machen kann, aber mit der Last der 40 Millionen Euro muss man zurechtkommen. Diese Summe ist gnadenlos."
Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): "Ich finde es gut, dass ein spanischer Nationalspieler in die Bundesliga kommt. Das tut der Liga gut. 40 Millionen Euro ist ein stolzer Preis. Es gibt nicht viele Vereine, die sich das leisten können, aber die Bayern haben sich das hart erarbeitet."
Michael Zorc (Manager Borussia Dortmund): "Mir steht es nicht zu, die Personalpolitik von Bayern München zu kommentieren. Es ist natürlich sehr viel Geld. Einen Transfer von 40 Millionen Euro zu Borussia Dortmund sehe ich nicht heute - und auch nicht in den nächsten Jahren."
Martin Bader (Sportvorstand 1. FC Nürnberg): "Das ist doppelt so viel Geld wie der Profi-Etat des 1. FC Nürnberg. Aber Bayern München hat sich das erarbeitet, da kann man nur gratulieren."
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