US Open
Haas scheitert nach 2:0-Satzführung in Runde eins
Zweieinhalb Sätze lang sah Tommy Haas wie der sichere Sieger aus. Dann drehte sein Gegner Ernests Gulbis auf und gewann in fünf Sätzen.
New York. Auch ein Becker-Hecht half am Ende des 3:44-stündigen Krimis nichts: Tommy Haas ist trotz eines 2:0-Satzvorsprungs bereits in der ersten Runde der US Open in New York ausgeschieden. Damit platzte der Traum des 34-Jährige, eine überragende Saison bei einem seiner Lieblingsturniere in seiner Wahlheimat zu krönen. Haas unterlag Ernests Gulbis nach hartem Kampf mit 6:3, 6:4, 4:6, 5:7, 3:6 und bereitete dem Letten eine verfrühte Geburtstagsüberraschung. Gulbis wird am Donnerstag 24 Jahre alt.
Es steht in den Sternen, ob der frühere Weltranglistenzweite Haas als Profi noch einmal nach Flushing Meadows zurückkehren wird. Der gebürtige Hamburger war der achte deutsche Profi, der den Sprung in die zweite Runde verpasste.
+++ Andrea Petkovic muss wieder ganz von vorn anfangen +++
In die Bresche sprang dafür überraschend Youngster Cedrik-Marcel Stebe (Vaihingen/Enz). Der 21-Jährige besiegte Viktor Troicki (Serbien/Nr. 29) mit 6:4, 6:4, 3:6, 6:2 und feierte einen seiner größten Erfolge. "Das war ein wichtiger Schritt und die Bestätigung, dass ich auch super Leute schlagen kann", sagte der Weltranglisten-97., der in der nächsten Runde gegen den Qualifikanten Grega Zemlja (Slowenien) gute Chancen auf ein Weiterkommen besitzt.
Die Ehre der deutschen Frauen hatte zuvor ausgerechnet Tatjana Malek gerettet. Die Qualifikantin überstand als einzige DTB-Vertreterin neben Angelique Kerber (Kiel) ihr Erstrundenmatch unbeschadet. Dabei hatte die 25-jährige Malek in den vergangenen Jahren zwei Schicksalsschläge zu verdauen gehabt. Zunächst erlitt sie 2008 eine Lungenembolie, danach starb ihr Vater. "Ich war in einem Loch. Aber es geht wieder aufwärts", sagte die Weltranglisten-141. Malek nach dem 4:6, 6:2, 6:4 gegen Akgul Amanmuradowa (Usbekistan). Sie trifft nun auf die US-Amerikanerin Sloane Stephens.
+++ Malek folgt Kerber in zweite Runde – Bachinger raus +++
Publikumsliebling Haas hatte sich in den vergangenen Tagen mit intensiven Trainings-Einheiten auf seine 15. US-Open-Teilnahme vorbereitet - mehr Einsätze im Big Apple hat kein anderer Teilnehmer auf dem Buckel. Der Weltranglisten-21. begann gegen den im Ranking um 124 schwächer notierten Gulbis konzentriert. Im dritten Satz riss jedoch der Faden. Die Entscheidung fiel, als Haas im abschließenden Durchgang seinen Aufschlag zum 3:5 abgab.
Dabei hatte er seine Traumsaison in New York krönen wollen. Haas war im Juni 2011 nach insgesamt drei Schulter- und einer Hüft-OP nur noch die Nummer 896 des Rankings. In diesem Jahr war ihm eine beeindruckende Rückkehr gelungen. Der Davis-Cup-Spieler gewann das Turnier in Halle/Westfalen, erreichte das Finale in Washington und Hamburg sowie das Halbfinale in München. "Wenn ich am Ende der Saison zurückblicke, werde ich wahrscheinlich denken: 'Holy Shit', was für ein Jahr habe ich da aus dem Nichts hingelegt", meinte Haas.
Für Stebe, der wieder mit seinem früheren Coach Robert Flego zusammenarbeitet und nicht mehr in der Schüttler-Waske-Academy trainiert, war es der zweite Matchgewinn im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers überhaupt. Auch bei den French Open in diesem Jahr gewann der Linkshänder sein Auftaktspiel. Danach war Stebe allerdings an Jo-Wilfried Tsonga (Frankreich) gescheitert.
Am Mittwoch spielten noch zwei weitere Deutsche um den Einzug in die zweite Runde: Philipp Kohlschreiber (Augsburg) und Benjamin Becker (Orscholz). Der Lübecker Tobias Kamke indes verlor nach starkem Beginn gegen den einstigen Turniersieger Lleyton Hewitt (Australien) mit 6:4, 2:6, 1:6, 4:6.
Die meisten Favoriten indes gaben sich keine Blöße. Titelverteidiger Novak Djokovic (Serbien) benötigte in seinem Auftaktspiel nur 73 Minuten für sein 6:1, 6:0, 6:1 gegen den bemitleidenswerten Italiener Paolo Lorenzi. Die topgesetzte Wiktoria Asarenka (Weißrussland) zog durch ein 6:2, 6:2 gegen Kirsten Flipkens aus Belgien bereits in die dritte Runde ein.
Ihren Abwärtstrend setzte dagegen die frühere Nummer eins Caroline Wozniacki fort. Der weltbeste Golfer Rory McIlroy musste in der Box hilflos mitansehen, wie seine dänische Freundin eine 2:6, 2:6-Erstrundenpleite gegen die international unbekannte Irina-Camelia Begu (Rumänien) kassierte. Wozniacki fällt damit aus den Top Ten.
















