29.08.12

Eröffnungsparty

Gigantische Feier: Paralympics in London eröffnet

Zum Auftakt der 14. Paralympics bereitete London den Sportlern einen herzlichen Empfang. Das deutsche Team wurde von Daniela Schulte angeführt.

Foto: REUTERS
Das deutsche Team wurde von Schwimmerin und Fahnenträgerin Daniela Schulte angeführt
Das deutsche Team wurde von Schwimmerin und Fahnenträgerin Daniela Schulte angeführt

London. Fantasievoll, fröhlich, akrobatisch und emotional - mit einer gigantischen Show hat London die Paralympioniken aus 165 Ländern empfangen. 17 Tage nach Ende der Olympischen Spiele erfolgte am Mittwochabend der Startschuss für das zweite Großereignis in der britischen Metropole: Ein Sportfest der Rekorde mit 4200 Athleten, 2,5 Millionen Besuchern und einem erwarteten Milliarden-Publikum weltweit vor den TV-Bildschirmen. Vor den Augen von Queen Elizabeth II. bereiteten die Londoner auch den von Schwimmerin Daniela Schulte ins Stadion geführten deutschen Athleten einen herzlichen Empfang.

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Den ersten Höhepunkt der Eröffnungsfeier erlebten die 62 000 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion gleich zum Party-Auftakt um 20.30 Uhr Ortszeit, als Stephen Hawking auf der Bühne erschien. Der an einer Nervenkrankheit leidende Wissenschaftler führte als Erzähler durch die Feier unter dem Motto "Enlightment" – Aufklärung und Erleuchtung. Wer wäre dafür besser geeignet als der wohl größte Physiker unserer Zeit, der seit 1968 im Rollstuhl sitzt?

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Im Zentrum der Feier stand das kleine Mädchen Miranda, eine Figur von Shakespeare, die mit Hawking das Publikum aufforderte, auf eine virtuelle Reise durch die Historie der Wissenschaft zu gehen. 4200 Athleten treten an elf Wettkampftagen an, insgesamt werden 1509 Medaillen vergeben. Die deutsche Delegation reiste mit 150 Sportlern in die britische Metropole. Bei der Eröffnungsfeier folgten der blinden Fahnenträgerin Schulte rund 210 Sportler, Trainer und Betreuer des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) ins Stadion. Auf der Tribüne jubelte auch Bundespräsident Joachim Gauck.

"Ich wünsche mir, dass wir mehr Aufmerksamkeit kriegen und ganz genauso behandelt werden wie Nicht-Behinderte, nicht in Watte gepackt werden", sagte Schulte vor ihren vierten Spielen. Schwimm-Kollegin Kirsten Bruhn freute sich für Schulte: "Es hätte keinen besser treffen können. Sie ist nicht so extrovertiert, aber das, was sie sonst ins Wasser bringt, kann sie jetzt als Fahnenträgerin zeigen."

Zwei früheren deutschen Behindertensportlerinnen - Handycap-Rudererin Monika Tampe und Goalballspielerin Cornelia Dietz - war schon am Nachmittag die Ehre zuteil geworden, die paralympische Fackel für einige hundert Meter durch London zu tragen.

Als Einstimmung auf das weltgrößte Behindertensportfest erhielten die Athleten eine Botschaft von Angela Merkel. "Ich kann Menschen mit Behinderung nur ermutigen, sich politisch zu engagieren. Es gibt aber leider in unserem Leben insgesamt immer noch zu viele Barrieren, die wir beseitigen müssen, auch wenn wir dabei Fortschritte machen", sagte die Bundeskanzlerin der "Paralympics Zeitung", einer Sonderbeilage von "Tagesspiegel", "Zeit" und "Handelsblatt".

Die Themse-Metropole feiert in diesem Sommer nicht nur die größten Spiele der Geschichte, sondern auch die Rückkehr der Paralympics auf die Insel. 1948 fanden in Stoke Mandeville die ersten Wettbewerbe für Behinderte statt. Als Gründervater gilt der deutsche Arzt Ludwig Guttmann.

Das deutsche Team für die Paralympics in London
Die 150 deutschen Athleten in London:
Bogenschießen (4 – 2/2): Matthias Alpers (Zeven), Maria Droste (Niedernberg), Katharina Schett (Dillingen), Maik Szarszewski (Illertissen)
Fechten (1 – 0/1): Simone Briese-Baetke (Dittwa
Gewichtheben (1 – 1/0): Mario Hochberg (Gotha)
Judo (5 – 3/2): Carmen Brussig (Schwerin), Ramona Brussig (Lachen), Sebastian Junk (Plankstadt), Matthias Krieger (Neckarsulm), Oliver Upmann (Hörstel)
Leichtathletik (33 – 14/19): David Behre (Leverkusen), Reinhold Bötzel (Hannover), Marie Brämer- Skowronek (Magdeburg), Marianne Buggenhagen (Bernau), Siena Christen (Freital), Wojtek Czyz (Kaiserslautern), Laura Darimont (Köln), Sebastian Dietz (Herford), Michaela Floeth (Schlitz), Isabelle Foerder (Eisenach), Ali Ghardooni (Magdeburg), Katrin Green (Oklahoma City/USA), Maike Hausberger (Butzweiler), Frances Herrmann (Lübbenau), Ulrich Iser (Sangerhausen), Birgit Kober (München), Vanessa Low (Leverkusen), Sandra Mast (Dornstetten), Mathias Mester (Köln), Claudia Nicoleitzik (Völklingen-Wehrden), Heinrich Popow (Leverkusen), Markus Rehm (Leverkusen), Jana Schmidt (Klocksin), Matthias Schröder (Berlin), Marc Schuh (Bergisch Gladbach), Matthias Schulze (Leipzig), Maria Seifert (Erfurt), Tamira Slaby (Essen), Niels Stein (Berlin), Frank Tinnemeier (Lemgo), Thomas Ulbricht (Salzwedel), Martina Willing (Brandenburg), Ilke Wyludda (Halle/Saale)
Radsport (15 – 10/5): Kerstin Brachtendorf (Riva/Gardasee/ITA), Hans-Peter Durst (Dortmund), Tobias Graf (Loßburg), Henrike Handrup (Wuppertal), Bernd Jeffré (Barmissen), Vico Merklein (Babenhausen), Norbert Mosandl (Neumarkt), Wolfgang Sacher (Penzberg), Denise Schindler (Richmond/CAN), Michael Teuber (Dietenhausen), Dorothee Vieth (Hamburg), Steffen Warias (Tübingen), Max Weber (Obergünzburg), Erich Winkler (Geisenhausen), Andrea Eskau (Bergheim)
Reiten (5 – 1/4): Hannelore Brenner (Wachenheim), Britta Näpel (Wonsheim), Angelika Trabert (Dreieich), Lena Weifen (Bösel), Steffen Zeibig (Arnsdorf)
Rudern (5 – 3/2): Tino Kolitscher (Halle/Saale), Astrid Hengsbach (Hagen), Kai- Kristian Kruse (Hamburg), Anke Molkenthin (Ainring-Hammerau), Johannes Schmidt (Offenbach)
Schwimmen (21 – 10/11): Kirsten Bruhn (Wasbek), Christoph Burkard (Zimmern-Horgen), Annke Conradi (Regensburg), Tanja Gröpper (Düsseldorf), Niels Grunenberg (Berlin), Sebastian Iwanow (Leverkusen), Julia Kabus (Berlin), Elena Krawzow (Bamberg), Andre Lehmann (Werder/Havel), Lucas Ludwig (Berlin), Swen Michaelis (Leipzig), Tobias Pollap (Hattingen), Christiane Reppe (Berlin), Torben Schmidtke (Potsdam), Maike Naomi Schnittger (Preußisch-Oldendorf), Verena Schott (Berlin), Daniela Schulte (Berlin), Martin Schulz (Leipzig), Daniel Simon (Berlin), Vera Thamm (Haltern am See), Stefanie Weinberg (Leipzig)
Segeln (4 – 4/0): Heiko Kröger (Jersbek), Jens Kroker (São Paulo/BRA), Siegmund Mainka (Borken), Robert Prem (Berlin)
Sitzvolleyball (10 – 10/0): Herren: Sebastian Czpakowski (Wuppertal), Stefan Hähnlein (Leverkusen), Christoph Herzog (Leipzig), Thomas Renger (Dormagen), Barbaros Sayilir (Leverkusen), Torben Schiewe (Nienhagen), Alexander Schiffler (Leipzig), Peter Schlorf (Berlin), Jürgen Schrapp (Leverkusen), Heiko Wiesenthal (Koblenz)
Schießen (8 – 6/2): Norbert Gau (Erdweg), Frank Heitmeyer (Bad Essen), Natascha Hiltrop (Heringen), Josef Neumaier (Altötting), Leopold Rupp (Berlin), Andreas Schäfers (Altenbeken), Jan Michael Schaub (Stadtallendorf), Manuela Schmermund (Niederaula)
Tennis (2 – 0/2): Sabine Ellerbrock (Bielefeld), Katharina Krüger (Berlin)
Tischtennis (12 – 11/1): Thomas Brüchle (Lindau), Werner Burkhardt (Bayreuth), Selcuk Cetin (Bad Kreuznach), Stephanie Grebe (Heidgraben), Jan Gürtler (Berlin), Dietmar Kober (Bischberg), Thomasz Kusiak (Köln), Holger Nikelis (Köln), Thomas Rau (Fehmarn), Thomas Schmidberger (Viechtach), Thorsten Schwinn (Münster), Jochen Wollmert (Stuttgart)
Basketball (24 – 12/12): Damen: Mareike Adermann (Essen), Annabel Breuer (Birkenhard), Annegrit Brießmann (Einhausen), Britt Dillmann (Gießen), Heike Friedrich (Obernburg), Maria Kühn (Stuttgart), Maya Lindholm (Hamburg), Marina Mohnen (Köln), Edina Müller (Hamburg), Gesche Schünemann (Gießen), Johanna Welin (München), Annika Zeyen (Hennef). Herren: André Bienek (Castrop-Rauxel), Thomas Böhme (Wettenberg), Thomas Gundert (Neuwied), Jan Haller (Wetzlar), Mathias Heimbach (Stadtbergen), Sercan Ismail (München), Dirk Köhler (Wetzlar), Andreas Kreß (Niedernberg), Björn Lohmann (Köln), Sebastian Magenheim (München), Dirk Passiwan (Konz), Sebastian Wolk (Frankfurt/Main)
Die Paralympics in Zahlen
Die XIV. Paralympics in Zahlen: Die Organisatoren um Mittelstrecken-Legende Sebastian Coe versprechen Paralympics der Superlative. Die "London 2012 Paralympic Games" sollen die größten in der 52-jährigen Geschichte der Behinderten-Weltspiele werden. Die Eckdaten der Paralympics:
4280 Athleten werden in 20 Sportarten an elf Wettkampftagen um insgesamt 503 Goldmedaillen kämpfen. In Peking 2008 waren es noch 3951 Sportler.
Die Rekordzahl von 2,5 Millionen Tickets wurde angeboten. Die Organisatoren rechnen damit, dass die Paralympics zum ersten Mal komplett ausverkauft sein werden.
580 Fackelträger werden die paralympische Flamme auf einem 24-stündigen Lauf getragen haben, wenn diese am Mittwochabend im Olympiastadion in Stratford bei der Eröffnungsfeier ankommt.
166 Nationen wollen teilnehmen. 16 davon geben ihr paralympisches Debüt – zum Beispiel Nordkorea und die Demokratische Republik Kongo.
1513 Frauen sind unter den Teilnehmern, mehr als jemals zuvor bei den 13 vorangegangen Paralympics und mehr als doppelt so viele wie in Barcelona 1992 (700 Teilnehmerinnen).
19 Wettkampfstätten wird es geben, in 17 davon wurde schon während Olympia um Medaillen gekämpft. Hinzu kommen zwei neue: die berühmte Motorsport-Rennstrecke Brands Hatch, wo die Straßenrad-Veranstaltungen stattfinden, und Eton Manor, ein Extra-Komplex im Olympiapark für die Rollstuhl-Tennis-Turniere.
6000 Medienvertreter werden über die Paralympics aus London berichten.
1250 Dopingkontrollen sollen vorgenommen werden. Das ist eine Steigerung um 25 Prozent im Vergleich zu Peking 2008.
15 verschiedene 100-Meter Finals der Männer wird es in dem komplexen paralympischen Klassifizierungssystem mit verschiedenen Behinderungsgraden geben.
In einer Werkstatt sollen 15 000 Ersatzteile bereitliegen, um die Rollstühle, Prothesen und Orthesen für die Athleten schnell reparieren zu können (dpa).
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