29.08.12

40 Millionen Euro Ablöse

Martinez kommt: FC Bayern bestätigt Rekord-Transfer

Die komplizierten Transferverhandlungen mit Athletic Bilbao haben ein Ende. Der FC Bayern hat nun den Wechsel von Martinez bestätigt.

Foto: picture alliance / Sven Simon/picture alliance
Teuerster Bundesliga-Transfer angeblich perfekt
Der teuerste Bundesliga-Transfer ist perfekt: Javier Martinez wechselt zum FC Bayern München

München. Der teuerste Transfer in der Geschichte der Fußball-Bundesliga ist perfekt, der FC Bayern München hat seinen Wunschspieler bekommen. Nach einer Nacht wie aus einem Agenten-Film hinterlegte Javier Martinez am Mittwochnachmittag beim spanischen Ligaverband LPF in Madrid einen Scheck über 40 Millionen Euro - der Wechsel zum deutschen Rekordmeister war damit vollzogen. Am Donnerstag wird 23-Jährige in München vorgestellt, er erhält einen Vertrag bis 2017. Er könnte bereits am Sonntag gegen den VfB Stuttgart spielen.

+++Verwirrung um Martinez-Deal: Steuerfragen können entscheiden+++

"Dies war ohne Frage ein komplizierter Transfer," erklärte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge kurz nach 17 Uhr und ergänzte: "Umso glücklicher sind wir, dass Javi Martinez nun endlich bei uns ist. Dass er ein sehr guter Spieler ist, weiß man. Dass er dazu eine starke Persönlichkeit ist, Durchsetzungsvermögen und schon heute eine bemerkenswerte Verbundenheit für den FC Bayern besitzt, hat er in den zurückliegenden Tagen eindrucksvoll bewiesen. Wir freuen uns sehr auf Javi Martinez."

Am Mittwochnachmittag ging alles ganz schnell. Nachdem Martinez seinen Vertrag bei Athletic Bilbao gekündigt hatte, kaufte sich der 23 Jahre alte Welt- und Europameister in Begleitung von Michael Gerlinger, Direktor Recht des FC Bayern, durch die Hinterlegung der festgeschriebenen Ablösesumme praktisch von Bilbao frei. Der spanische Fußballverband RFEF und der spanische Ligaverband LFP "haben daraufhin die Freigabe von Javi Martinez für den FC Bayern München erteilt", gaben die Münchner bekannt.

Martinez freut sich über den Wechsel

"Ich bin sehr glücklich und freue mich darauf, bei einem Klub mit einer derartigen Historie zu spielen. Ich habe sehr lange darauf warten müssen. Endlich ist die Wartezeit vorbei", sagte Martinez zu FCB.tv. Der FC Bayern sei eines der besten Teams in Europa und der ganzen Welt, "natürlich will ich hier Titel gewinnen."

Zuvor war Martinez in einer Nacht-und Nebel-Aktion nach München gekommen, Begleiter versuchten, ihn mit einem schwarzen Schirm vor neugierigen Blicken zu verstecken. Als der 40-Millionen-Euro-Mann, bekleidet mit schwarzem Shirt und blauer Hose, um kurz vor vier Uhr morgens aus der Praxis von Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt kam, steckte ihn ein anderer Helfer eiligst in einen "Fluchtwagen". Kaum war Martinez da, war er auch wieder weg. Zurück blieben aufgeregte Journalisten und einige offene Fragen.

Auch an dem Tag, an dem die unendliche Geschichte um den Transfer des Basken zu einem aus Bayern-Sicht teuren, aber glücklichen Ende kommen sollte, gab es weitere Irritationen. Martinez, das betonte Athletic am Nachmittag, hatte sich "ohne Erlaubnis" nach München aufgemacht. Mannschaft und Verantwortliche weilten in Helsinki, wo der Klub am Donnerstag sein Play-off-Rückspiel in der Europa League bei HJK bestreiten wird, während er sich absetzte. Dafür forderten die Basken von ihrem Angestellten "eine Erklärung".

Auch zum Training am Morgen mit einigen anderen nicht für den Trip nach Finnland berücksichtigten Spielern, darunter der ebenfalls wechselwillige Starstürmer Fernando Llorente, zu dem ihn Athletic bestellt hatte, war Martinez nicht erschienen. "Javi, versteck dich nicht!", scherzten einige seiner Kollegen, als sich ein Fotograf der örtlichen Zeitung El Correo am Trainingszentrum Lezama in Stellung brachte, um Rückkehrer Martinez abzulichten. Der aber war gar nicht da, sondern schon in Madrid.

Schon vor Wochen hatte sich der FC Bayern mit Martinez auf einen Fünfjahresvertrag geeinigt, Bilbao dem Welt- und Europameister aber bislang keine Freigabe erteilt. Von "sturen" und "bockigen" Basken war in München die Rede, pochte Athletic doch auf den Vertrag mit Martinez bis 2016.

Der spanische Nationalspieler ist bei den Bayern als Verstärkung fürs defensive Mittelfeld eingeplant. Dass er "15 bis 20 Millionen" teurer ist als sein Marktwert, wie Präsident Uli Hoeneß kürzlich zugab, ist den Bayern wurscht. Hauptsache, er ist jetzt da.

Die Liste der teuersten Bundesliga-Transfers
1. Javier Martinez 2012 Athletic Bilbao Bayern München 40,0 Millionen Euro
2. Edin Dzeko 2011 VfL Wolfsburg Manchester City 34,0
3. Mario Gomez 2009 VfB Stuttgart Bayern München 30,0
4. Franck Ribery 2007 O. Marseille Bayern München 25,0
4. Owen Hargreaves 2007 B. München Manchester U. 25,0
4. Marcio Amoroso 2001 AC Parma B. Dortmund 25,0
7. Diego 2009 Werder Bremen Juventus Turin 24,5
8. Arjen Robben 2009 Real Madrid Bayern München 24,0
9. Manuel Neuer 2011 Schalke 04 Bayern München 22,0
10. Carlos Eduardo 2010 Hoffenheim Rubin Kasan 20,0
10. Emerson 2000 Leverkusen AS Rom 20,0
12. Roy Makaay 2003 La Coruna Bayern München 19,75
13. Nigel de Jong 2009 Hamburger SV Manchester City 18,0
13. Marco Reus 2012 Gladbach Dortmund 17,1
Stimmen zum Martinez-Transfer
Stimmen zum Martinez-Transfer:
Oliver Bierhoff (Teammanager der Nationalmannschaft): "Man hört nur Gutes über ihn. Ich finde es klasse, dass die Bayern mal nicht einen Ausläufer kaufen - was ja häufiger vorkam -, einen 30-Jährigen oder 32-Jährigen, der bei anderen Topvereinen nicht mehr gebraucht wird, sondern einen Spieler, der noch eine große Zukunft vor sich hat."
Paul Breitner (Berater des FC Bayern): "Für mich ist mit Ausnahme von Messi, Xavi und Iniesta kein Spieler 40 Millionen Euro wert. Aber: Er ist ein Spieler, den ich seit drei, vier Jahren sehr intensiv kenne. Und wenn ich hinter Xavi und Iniesta den Besten haben will, und der spielt eben in Bilbao, dann musst du zugreifen."
Vicente del Bosque (Spanischer Nationaltrainer): "Bayern wird viel Freude an ihm haben. Er ist ein Super-Spieler und großartiger Mensch. Er ist der geborene Anführer, ein kompletter Spieler. Er hat quasi das komplette Spielfeld im Auge. Da kann man Bayern nur gratulieren."
Wolfgang Holzhäuser (Geschäftsführer Bayer Leverkusen): "Ich habe das Gefühl, dass bei den Bayern die Nerven blank liegen. Sie versuchen, sich die Siegermentalität zurückzukaufen."
Oliver Kahn (Ehemaliger Bayern-Kapitän): "Er ist ein sehr variabler Spieler, der mir bislang aber nicht groß aufgefallen ist. Ich habe das Gefühl, dass Bayern sich besonders unter Druck gesetzt fühlt, groß anzugreifen, um die Jahre der zweiten Plätze vergessen zu machen."
Martin Kind (Präsident Hannover 96): "Bayern München ist die einzige internationale Marke der Bundesliga, und da müssen sie sich mit dem internationalen Transfermarkt messen. Da scheinen solche Preise normal zu sein."
Toni Kroos (Bayern-Profi): "Wenn man 40 Millionen Euro ausgibt, heißt das, dass das ein Top-Spieler sein soll. Und Top-Spieler können wir immer gut gebrauchen."
Philipp Lahm (Bayern-Kapitän): "Er ist ein exzellenter Fußballer. Gute Spieler sind bei uns immer willkommen."
Udo Lattek (Ex-Bayern-Trainer): "Er weiß nicht, was auf ihn zukommt. Das ist ein großes Risiko. Man muss abwarten, wie die Mannschaft ihn annimmt, ob sie ihn akzeptiert. Der wird erst getestet, ob er wirklich was kann."
Bernd Schuster (Ex-Trainer von Real Madrid): "Er ist ein Spieler, der bei Bayern ohne Probleme reinpasst und seinen Weg machen kann, aber mit der Last der 40 Millionen Euro muss man zurechtkommen. Diese Summe ist gnadenlos."
Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): "Ich finde es gut, dass ein spanischer Nationalspieler in die Bundesliga kommt. Das tut der Liga gut. 40 Millionen Euro ist ein stolzer Preis. Es gibt nicht viele Vereine, die sich das leisten können, aber die Bayern haben sich das hart erarbeitet."
Michael Zorc (Manager Borussia Dortmund): "Mir steht es nicht zu, die Personalpolitik von Bayern München zu kommentieren. Es ist natürlich sehr viel Geld. Einen Transfer von 40 Millionen Euro zu Borussia Dortmund sehe ich nicht heute - und auch nicht in den nächsten Jahren."
Martin Bader (Sportvorstand 1. FC Nürnberg): "Das ist doppelt so viel Geld wie der Profi-Etat des 1. FC Nürnberg. Aber Bayern München hat sich das erarbeitet, da kann man nur gratulieren."
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