Casting-Show
Afghanistan sucht den Fußballstar
Auch ohne Messi und Ronaldo: Afghanistans erste professionelle und landesweite Fußball-Liga lässt die Herzen der Sportfans höher schlagen.
Kabul/Dschalalabad. Wie stellt man in einem vom Krieg geschundenen Land eine Fußball-Liga auf die Beine? Einen recht unkonventionellen Weg ist Afghanistan gegangen: Mit einer Casting-Show. Wochenlang zogen die Verantwortlichen durch das Land, um mit einer Fernsehsendung die besten Kicker am Hindukusch zu suchen. Nach einer Vorauswahl mussten die jungen Männer vor den Kameras in verschiedenen Prüfungen ihr Talent unter Beweis stellen. Das letzte Wort hatten eine Jury sowie das TV-Publikum, das jeweils drei der Auserwählten per SMS bestimmen konnte.
"Ich spiele jetzt schon seit fast zwölf Jahren. Ich will mein Bestes geben und mit Gottes Gnade ein guter Fußballer werden", sagte der 21-jährige Ahmed Fahim Dschalali, der in Dschalalabad bei der Show "Maidan e Sabz" (etwa: Grünes Feld) antrat. "Es ging darum, Menschen aus allen Altersgruppen, gesellschaftlichen Schichten, Regionen und Volksstämmen anzuziehen", erklärte Muchtar Laschkari, Moderator und Produzent der Sendung.
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Der Ansturm war enorm. Und am Ende standen die acht Teams mit je18 Spielern fest – eines für jede Region des Landes. Im September soll Anpfiff sein in der ersten professionellen, landesweiten Liga, der Afghan Premier League APL. Das genaue Datum steht aber noch nicht fest. Die Idee zu der Talentshow hatten der nationale Fußballverband und eine Mediengruppe, der mehrere Fernseh- und Radiostationen gehören. Sie will die Spiele live übertragen.
"Der afghanische Fußball hat in seiner Historie nichts, auf das wir wirklich stolz sein könnten", meint Produzent Laschkari. Zwar liebten viele Afghanen diesen Sport. "Aber eine Fußball-Kultur haben wir nicht." Das soll sich nun ändern.
Noch viel höhere Ziele sieht Keramuddin Karim, der Präsident des nationalen Fußballverbandes: "Es ist eine Grundlage für Frieden." Schließlich gehe es darum, junge Leute aus unterschiedlichen Volksgruppen und Regionen dazu zu bringen, als Team zusammenzuspielen. Der Fußball vermittele somit Werte wie Einheit, Eintracht und Ehre.
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Auch trage er dazu bei, die Menschen von Drogen und anderen Lastern fernzuhalten. "Wir sollten uns nicht nur darauf konzentrieren, Soldaten auszubilden, sondern auch in den Sport investieren, um auf diese Weise für Frieden und Stabilität zu sorgen", betont Karim.
Den drei Jahrzehnten Krieg in Afghanistan waren sowohl der Fußball als auch alle anderen Sportarten zum Opfer gefallen. Während des Taliban-Regimes waren Fußball, Fernsehen und jede Form der Unterhaltung sogar verboten. Später erlaubten die selbst ernannten Gotteskrieger zwar Fußballspiele – doch die Pausen der Begegnungen im Ghazi-Stadion in Kabul dienten dazu, um Menschen öffentlich hinzurichten. "Zwar fielen auch Tore, aber es durfte weder gelacht noch gefeiert werden", erinnert sich Produzent Laschkari. "Als Afghane kann ich nur hoffen, dass solche dunklen Zeiten nie wiederkehren."
















