Hockey-Bundestrainer
Hamburger Weise fordert Milliarden für den Sport
Der Olympiasieger stößt an, den Sport ins tägliche Leben der Deutschen zu implementieren. "Das erste Schulfach, das ausfällt, ist Sport", kritisiert er.
Hamburg. Ein "Goldschmied" hegt revolutionäre Gedanken: Der Hamburger Olympiasieger und Hockey-Nationaltrainer Markus Weise hat in der Debatte um die Förderung des deutschen Sports ein komplettes Umdenken gefordert. Nach Meinung des 49-Jährigen sollte Sport zur Staatsangelegenheit werden. "Aber dann reden wir nicht über 130 oder 150 Millionen, dann reden wir über ein Milliardenprogramm und eine klare Implementierung von Sport ins tägliche Leben", sagte Weise der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Weise, der in London als Trainer der Herren sein drittes Olympiagold in Folge gewann, kritisierte die gängige Haltung. "Wir nehmen das System Sport, regen uns ein bisschen auf, fordern bestimmte Dinge ein und doktern dann an einem Punkt wie der Förderung herum." Stattdessen müsste man den Sport "viel größer fassen", sagte der gebürtige Mannheimer und in Hamburg lebende Weise, der 2004 die deutschen Damen und 2008 sowie 2012 die deutschen Herren zum Olympiasieg führte.
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Wie Weise betonte, gehe es nicht um Medaillen. Die Hirnforschung habe längst Belege dafür geliefert, dass die Förderung des Sports auf vielen Gebieten leistungsfördernd sei. "Unsere Zielsetzung kann nicht ernsthaft dieser blöde Medaillenspiegel sein! Und nebenbei würde der automatisch besser, wenn man in die Grundlagen investiert, da kann man sich gar nicht dagegen wehren."
Wichtig sei, dass die sportliche Grundausstattung in den Schulen verbessert werde. Derzeit sei die Realität betrüblich. "Das erste Schulfach, das ausfällt, ist Sport, und wenn es mit eineinhalb Stunden in der Woche stattfindet, wird ein Ball in die Mitte geworfen", so Weise. Ein nicht ausgereiftes Gehirn sei nicht dafür gemacht, stundenlang ruhig auf einem Stuhl zu sitzen. Man müsse sich nicht wundern, dass Deutschland ein marodes, schwer finanzierbares Krankensystem habe.
Ein Art Vorbild stelle Großbritannien dar. Deren Projekt habe eine ideale Kombination beinhaltet. Langfristige Investitionen gekoppelt mit Olympischen Spielen im eigenen Land. "Das ist eine krasse Kombination, und das hat so viel Kraft entwickelt, das Großbritannien 29 Goldmedaillen geholt hat. 29! Das ist schon atemberaubend."
Trotz seiner außergewöhnlichen Erfolge will Weise dem Hockeysport verbunden bleiben. "Ich habe meine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, bis Rio 2016 weiterzumachen", sagte der "Goldschmied". Er habe keine anderen Angebote und erwarte diese auch nicht. Ausschlaggebend für den Sieg in London sei gewesen, dass die Mannschaft mehrere Stufen genommen habe und sich innerhalb des Turnieres steigern konnte.
Allerdings trug der Coach auch mit außergewöhnlichen Maßnahmen dazu bei. Damit sich seine Spieler vor dem Halbfinale gegen Australien (4:2) gedanklich mit dem Gegner auseinandersetzten, ließ der Coach Zeitungsberichte über das bevorstehende Spiel verfassen. Die Schreibversuche förderten verblüffende Ergebnisse zu Tage. Weise: "Wir haben in jedem Bericht gewonnen." (sid)
















