16.08.12Fussball-Nationalmannschaft
Die T-Frage: Bekommt nun auch Adler wieder eine Chance?
Nach der Wiese-Ausbootung hat Löw den Kampf um die Plätze hinter Neuer neu ausgerufen. Nicht nur Zieler und ter Stegen hoffen.
Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
HSV-Torhüter René Adler darf wieder auf eine Nominierung für die Nationalmannschaft hoffen
Frankfurt/Main. Ron-Robert Zieler hatte sich so viel für sein zweites Länderspiel vorgenommen und erlebte einen Alptraum, Konkurrent Marc-André ter Stegen konnte wenigstens eine kleine Heldentat vorweisen. "Er hat einen Elfmeter gegen Messi gehalten. Das war ein gutes Gefühl für ihn", betonte Joachim Löw. Der Bundestrainer nahm seine zwei unglücklichen Torhüter, die nach der Ausmusterung von Routinier Tim Wiese um die Nummer zwei hinter Stammkraft Manuel Neuer kämpfen wollen, nach dem 1:3 gegen Argentinien in Schutz.
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Zieler sah "Rot" nach einer Notbremse gegen den ehemaligen Bayern-Profi José Sosa, den er im Strafraum von den Beinen holte. Blöd gelaufen, zu viel riskiert. "Ich habe mich entschieden rauszugehen, komme einen kleinen Tick zu spät. Und das reicht dann eben aus, um den Stürmer zu Fall zu bringen und Foul zu spielen", schilderte Zieler seine Sicht der Schlüsselszene in der 30. Minute.
Er ahnte, was kommen würde, "weil das Regelwerk so ist, dass es dafür eine Rote Karte gibt. Für uns Torhüter ist das natürlich eine blöde Regel, Elfmeter und die Rote Karte gegen sich zu bekommen." Als "unsinnig" bezeichnete Löw die doppelte Torhüter-Strafe. "Jeder Fußballfan will diese Regelung abschaffen", meinte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff. Für ein Testspiel wird Zieler gesperrt werden, in der WM-Qualifikation ist er aber spielberechtigt.
Löw hat auf dem Weg zur WM 2014 einen Kampf der Torhüter-Talente um die Positionen hinter Neuer ausgerufen. Auch die U-21-Keeper Bernd Leno (20/Bayer Leverkusen) und Oliver Baumann (22/SC Freiburg) dürfen hoffen. Vielleicht heißt die Lösung aber auch ganz anders, nämlich René Adler. Der 27-Jährige greift nach vielen Verletzungen jetzt beim HSV neu an. Löw hatte Adler im März 2010 sogar schon zum WM-Torwart für Südafrika ausgerufen – als Nummer eins vor Neuer übrigens.
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Der für Neuer nachnominierte ter Stegen wurde am Mittwoch zunächst zum Nutznießer von Zielers Ungeschicktheit. Der 20-jährige Gladbacher kam rein und hielt den Elfmeter von Weltstar Lionel Messi – das Publikum feierte den Youngster. "Für mich war es schwer, aus der kalten Tasche ins Spiel zu kommen", bemerkte ter Stegen und ergänzte: "Ich denke, ich habe es ganz gut gemacht am Anfang."
Denn auch für ihn verlief das zweite Länderspiel danach alles andere als glücklich, knapp drei Monate nach dem 3:5-Debüt in der Schweiz wurde sein Tor fast wieder zur Schießbude. Los ging es mit einem Eigentor von Sami Khedira. Messis 2:0 war "gut gespielt von den Argentinien, dann steht noch einer im Weg und ich sehe den Ball nicht", erzählte ter Stegen. Beim Gewaltschuss von Angel Di Maria zum dritten Tor versperrte ihm "ein kompletter Pulk vor dem Ball" die Sicht. "Das ist einfach schade gewesen", resümierte ter Stegen. Mit Messi lieferte er sich noch ein Wortgefecht, als der ihn noch lässig überlupfte – der Ball trudelte knapp am Tor vorbei.
Löw gab seinen jungen, unerfahrenen Schlussmännern verbale Rückendeckung. "Natürlich war Ron ziemlich betrübt. Das muss er gar nicht sein. Es war einfach eine unglückliche Situation", sagte er über den 23-jährigen Zieler, der bei seinem Debüt gegen die Ukraine (3:3) im November 2011 stark gehalten hatte. Und ter Stegen müsse "man gar nicht so aufbauen", befand der Bundestrainer: "Er konnte nichts tun bei den Toren." Acht nach zwei Spielen sind aber bitter. (dpa)
Ron-Robert Zieler: Für den Vertreter von Manuel Neuer war das zweite Länderspiel ein kurzes Vergnügen. Zuvor kaum geprüft, wurde der Torhüter von Hannover 96 nach einer halben Stunde wegen einer Notbremse des Feldes verwiesen.
Jerome Boateng: Der Münchner rückte nach dem Ausscheiden von Mats Hummels von der rechten Außenbahn ins Abwehrzentrum. Auf beiden Positionen wirkte Boateng zu oft zögerlich und fahrig im Zweikampf.
Mats Hummels (bis 25.): Nach einem Zusammenprall mit Gonzalo Higuain musste der Dortmunder bereits in der 25. Minute mit einer leichten Halswirbelverrenkung vom Feld. Zuvor hatte er in seinen Abwehraktionen nicht immer souverän gewirkt.
Holger Badstuber: Der 23-Jährige agierte nicht immer souverän, aber ein wenig sicherer als seine defensiven Nebenleute. Am Spielaufbau beteiligte er sich aber nur selten.
Marcel Schmelzer: Der Dortmunder ersetzte Kapitän Philipp Lahm, der am Mittwochnachmittag erstmals Vater geworden war, auf der linken defensiven Außenbahn. Nach vorn hatte der 24-Jährige einige gute Aktionen, hinten war er nicht immer stabil.
Lars Bender (bis 74.): Der Leverkusener engte den Aktionsradius von Weltfußballer Lionel Messi nur phasenweise gekonnt ein. Im Spiel nach vorn setzte der zweite Sechser neben Sami Khedira kaum Akzente. Beim 0:2 kam er gegen Messi zu spät.
Sami Khedira (bis 69.): In Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger versuchte der 25-Jährige, das Kommando im Mittelfeld zu übernehmen. Zuweilen gelang dies dem Profi von Real Madrid ansprechend - allerdings hatte er beim Eigentor Pech.
Thomas Müller (bis 32.): Der 22-Jährige trat bis zu seiner frühen Auswechslung kaum in Erscheinung. Bundestrainer Joachim Löw nahm den Münchner nach Zielers Platzverweis vom Feld und brachte Torhüter Marc-Andre ter Stegen ins Spiel.
Mesut Özil (bis 69.): Der Regisseur war nur selten Dreh- und Angelpunkt des deutschen Spiels. Der Stratege von Real Madrid ließ sein Können zwar hin und wieder aufblitzen, ist aber noch ein Stück von seiner Topform entfernt.
Marco Reus: Der Flügelspieler, der vor dem Anpfiff als "Fußballer des Jahres" ausgezeichnet wurde, war bester deutscher Spieler und meldete Ansprüche auf einen Stammplatz an. Mit einem Pfostenschuss (49.) sorgte der Dortmunder auch für die beste Chance seines Teams.
Miroslav Klose (bis 62.): Der 34-Jährige führte die DFB-Elf in seinem 122. Länderspiel als Kapitän aufs Feld und war mehr Vorbereiter als Torjäger. Klose leitete einige Angriffe gefährlich ein, kam selbst aber kaum gefährlich zum Zuge.
Benedikt Höwedes (ab 25.): Der Schalker kam für Hummels und übernahm die rechte Abwehrseite. Nachdrücklich für einen Stammplatz empfehlen konnte sich der 24-Jährige aufgrund einiger Nachlässigkeiten und Schwächen im Stellungsspiel aber nicht – trotz seines ersten Länderspieltores.
Marc-Andre ter Stegen (ab 32.): Der 20-Jährige feierte in seinem zweiten Länderspiel einen Traumeinstand. Kaum zehn Sekunden auf dem Feld hielt der Mönchengladbacher Messis Elfmeter. Bei den Gegentoren schien er machtlos.
Andre Schürrle (ab 62.): Der Leverkusener sorgte nach seiner Hereinnahme für frischen Wind in Deutschlands Offensive und zeigte guten Zug zum Tor.
Toni Kroos (ab 69.): Der Münchener konnte dem Spiel keine Wendung mehr geben.
Ilkay Gündogan (ab 69.): Der 21 Jahre alte Dortmunder sammelte in seinem dritten Länderspiel weitere internationale Erfahrung.
Mario Götze (ab 74.): Der Dortmunder muss sich seiner Verletzung und der Reservistenrolle bei der EM langsam wieder an die Stammelf heranarbeiten. Seine Vorlage zum 1:3 war ein guter Anfang.