14.08.12

Deutschland vs. Argentinien

Khedira gesteht: "Gegen Italien waren wir einfach zu lieb"

Der Real-Star und Reus stellen sich vor Bundestrainer Löw und wollen wieder Torgeilheit entwickeln. Schon am Mittwoch gegen Argentinien.

Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
Führungsspieler Sami Khedira fordert vor dem Spiel gegen Argentinien wieder mehr Torgeilheit
Führungsspieler Sami Khedira fordert vor dem Spiel gegen Argentinien wieder mehr Torgeilheit

Frankfurt/Main. Die Spieler noch nicht voll im Saft, der Trainer schon mächtig unter Strom: Wenn sich die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch (20.45 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de) in Frankfurt am Main gegen Argentinien erstmals nach dem bitteren EM-Aus präsentiert, ist es mehr als nur ein Test. Im Falle einer erneuten Enttäuschung dürfte der Gegenwind für Joachim Löw weiter auffrischen – zumal sich der Bundestrainer zuletzt in aller Deutlichkeit gegen die Kritiker seines Teams zur Wehr setzte, dabei gar nicht mehr cool reagierte und sich somit weiter in den Fokus rückte. Dass die Partie knapp zwei Wochen vor Bundesliga-Start eher unglücklich terminiert ist, macht die Aufgabe nicht einfacher.

+++ Die große Wutrede im Video - Löw rechnet mit Kritikern ab +++

Doch so wie der Coach am Montag seine Spieler schützte, stellten sich die Profis 24 Stunden später vor ihren Trainer. "Wir vertrauen ihm weiter zu 100 Prozent. Da gibt es keine Zweifel", sagte Sami Khedira: "Joachim Löw ist ein absoluter Fachmann und auf seinem Gebiet top." In der öffentlichen Wahrnehmung wurde dies zuletzt nicht voll geteilt. Mit taktischen Fehlern, der Wahl des falschen Personals und einer zu defensiven Ausrichtung beim 1:2 im EM-Halbfinale gegen Italien musste Löw das Ausscheiden verantworten.

"Es zeigt doch die Stärke eines Trainers, dass er auch mal riskante Entscheidungen trifft", sagt hingegen Khedira: "Wir als Spieler mussten die Vorgaben umsetzen. Also sind wir dafür verantwortlich. Gegen Italien waren wir einfach zu lieb." Zumindest im Kreis des Teams wird derzeit aber weiter gekuschelt. Man steht zusammen – in guten wie in schlechten Zeiten. Das ist für sich genommen ein gutes Zeichen, ob es bei der WM 2014 in Brasilien für den ersten großen Titelgewinn seit dann 18 Jahren reicht, bleibt abzuwarten.

Ab Mittwoch heißt es: Neues Spiel, neues Glück – wieder einmal. "Die Vorfreude ist wieder groß", sagte Löw. "Wir wollen die Fans begeistern und sofort wieder auf unsere Seite ziehen", versprach Khedira. "Wir müssen wieder dahin kommen, dass wir geil auf Tore und Siege werden", forderte Marco Reus. Deutschlands Fußballer des Jahres ist einer der großen Hoffnungsträger für die kommenden Aufgaben. Auch schon für das Spiel gegen Argentinien, gegen Lionel Messi.

+++ Argentiniens Nationalelf: Eine Wundertüte mit Weltstars +++

"Messi spielt mit einer Dynamik, die nur schwierig zu stoppen ist. Aber wir sind gut vorbereitet", sagte Khedira nach der Videoanalyse am Dienstagmorgen und unterstrich sein ungebrochenes Vertrauen in Löws Vorgaben. Für leichte Zweifel sorgt eher anderes: Die eigene Fitness. Alle Spieler befinden sich noch in der Vorbereitung, viele haben seit der EM kein Pflichtspiel mehr bestritten. Bei den Argentinier gestaltet sich die Situation allerdings kaum anders. "Wenn sich beide Mannschaften mit voller Kraft messen könnten, hätte alle sicher mehr davon. So ist es immer auch ein bisschen eine Lotterie", sagte Khedira.

Das erste große Los hat in jedem Fall Ron-Robert Zieler gezogen. Nach der verletzungsbedingten Absage von Manuel Neuer wird der Hannoveraner wohl das deutsche Tor hüten und sein zweites Länderspiel bestreiten. Überhaupt kündigte Löw an, jungen Spielern zu ein wenig internationaler Erfahrung verhelfen zu wollen. Aufgrund des Fehlens einiger Stammspieler und vermutlich schwindender Kräfte in der Endphase des Spiels könnte der Bundestrainer sogar dazu gezwungen werden.

Unter anderem stehen dem Coach am Mittwoch gegen den Weltmeister von 1978 und 1986 die verletzten Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez nicht zur Verfügung. Philipp Lahm blieb daheim, da er Vaterfreuden entgegenblickt. Würde es um Alles oder Nichts gehen, wäre der Kapitän wahrscheinlich trotzdem dabei. Aber auch gegen Argentinien steht so manches auf dem Spiel – und seien es nur ruhige Arbeitsbedingungen für Löw und sein Team.


So könnten Sie spielen:

Deutschland: Zieler (Hannover 96/23 Jahre/1 Länderspiel) – Boateng (Bayern München/23/25), Hummels (Borussia Dortmund/23/19), Badstuber (Bayern München/23/25), Schmelzer (Borussia Dortmund/24/6) – Khedira (Real Madrid/25/32), Kroos (Bayern München/22/30) – Reus (Borussia Dortmund/23/8), Özil (Real Madrid/23/28), Schürrle (Bayer Leverkusen/21/16) – Klose (34/121).

Argentinien: Romero (25/28) – Zabaleta (27/24), Fernandez (23/8), Garay (25/6), Rojo (22/9) – Mascherano (28/81), Gago (26/38) – Sosa (27/16), di Mario (24/29) – Messi (25/70) – Aguero (24/37).

Schiedsrichter: Eriksson (Schweden).

Supercup-Gewinner im deutschen Profi-Fußball
DFB-Supercup (1987-1996):
1987 Frankfurt/Main Bayern München – Hamburger SV 2:1
1988 Frankfurt/Main Werder Bremen – Eintracht Frankfurt 2:0
1989 Kaiserslautern Bor. Dortmund – Bayern München 4:3
1990 Karlsruhe Bayern München – 1. FC Kaiserslautern 4:1
1991 Hannover 1. FC Kaiserslautern – Werder Bremen 3:1
1992 Hannover VfB Stuttgart – Hannover 96 3:1
1993 Leverkusen Werder Bremen – Bayer Leverkusen 7:6 i.E. (2:2)
1994 München Werder Bremen – Bayern München 3:1 n.V.
1995 Düsseldorf Bor. Dortmund – Bor. Mönchengladbach 1:0
1996 Mannheim Bor. Dortmund – 1. FC K'lautern 4:3 i.E. (1:1)
DFL-Supercup (seit 2010):
2010 Augsburg Bayern München – FC Schalke 04 2:0
2011 Gelsenkirchen FC Schalke 04 – Bor. Dortmund 4:3 i.E.
2012 München Bayern München – Bor. Dortmund 2:1
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