Fussball-Jubiläum
Als die Bundesliga vor 50 Jahren in Dortmund geboren wurde
Eine Geschichte wie ein Märchen: Deutschlands Fußball-Liga ist ein Milliardengeschäft, sorgt für Zuschauerrekorde und boomt wie nie zuvor.
Berlin. Diese Geschichte ist ein Märchen, deswegen beginnt sie mit den Worten: Es war einmal. Es war einmal also eine schwere Geburt, fast einen ganzen Tag lang zog sie sich hin, damals, am 28. Juli 1962. An diesem Sonnabend im Goldsaal in den Dortmunder Westfalenhallen stand erst gegen 17.45 Uhr mit 103:26 Stimmen fest, dass bereits im kommenden Jahr, also ab der Saison 1963/64, eine landesweite Fußball-Bundesliga mit 16 Mannschaften eingeführt werden sollte.
Diese schwere Geburt von einst geht jetzt als wirtschaftlicher Wonneproppen am 24. August in ihre 50. Spielzeit. Für Wolfgang Niersbach ist die Bundesliga "eine einzigartige Erfolgsgeschichte". Sie ist "längst viel mehr als eine wirtschaftlich und sportlich erfolgreiche Fußballliga, sie ist ein starkes Stück Gesellschaft in Deutschland", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) anlässlich des Gründungsjubiläums. Neun Stunden lang hatten auf dem DFB-Bundestag damals Gegner und Befürworter einer neuen Zeitordnung im deutschen Fußball kontrovers debattiert, ehe Franz Kremer als Präsident des 1. FC Köln und leidenschaftlicher Kämpfer für die Sache erleichtert doch das Sektglas erheben und in den Saal hineinrufen durfte: "Wir haben die Bundesliga fünf Minuten nach zwölf eingeführt, aber es ist noch nicht zu spät."
Schon Anfang der 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatte es in Deutschland Bemühungen um die Schaffung einer Reichsliga gegeben. Doch passte das Thema "Berufssport" nicht in die gesellschaftspolitische Sichtweise der an die Macht gekommenen Nationalsozialisten. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 sorgte dann für ein langes Ende aller Überlegungen.
In der Gegenwart ist die Bundesliga ein Unternehmen mit einem "Gesamtumsatz von mehr als zwei Milliarden Euro", sagt Ligapräsident Reinhard Rauball. Rekordmeister FC Bayern München und der aktuelle Titelträger Borussia Dortmund erwirtschaften Umsätze von über 300 respektive 200 Millionen Euro pro Jahr, die TV-Übertragungsrechte für die drei deutschen Profiligen in den Jahren 2013 bis 2017 wurden von der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die Rekordsumme von 2,5 Milliarden Euro vergeben – der Löwenanteil geht an die Bundesliga.
Deren Popularität ist ebenfalls groß wie nie. Fast 14 Millionen Zuschauer und 44.293 Fans durchschnittlich pro Spiel waren in der vergangenen Saison der beste Wert der Geschichte und machen die Liga zur bestbesuchten in Europa. "Die Bundesliga ist ein hervorragendes Produkt", schwärmt Ottmar Hitzfeld, der als Trainer mit Borussia Dortmund (1995, 1996) und Bayern München (1999, 2000, 2001, 2003, 2008) insgesamt sieben Mal Deutscher Meister wurde. "Das Marketing stimmt, die wirtschaftliche Kapazität ist da. Die Bundesliga gehört zu den besten Ligen Europas", sagt Hitzfeld.
Am Anfang standen Profis, die im offiziellen Jargon noch "Vertrags-Amateure" genannt wurden. Auf Geheiß des DFB durften sie monatlich maximal 500 D-Mark verdienen und 1.200 inklusive Prämien. Die meisten Spieler hatten noch einen bürgerlichen Beruf, auch Uwe Seeler, einer der frühen Stars der Bundesliga. Er arbeitete damals wie heute für Adidas, obwohl er doch zu dem erlauchten Kreis jener Stars gehörte, die sogar 2.500 D-Mark pro Monat verdienen durften.
Auch in den 70er-Jahren waren die Spielergehälter noch meilenweit von den Millionensummen entfernt, wie sie heutzutage die Regel sind. Ein Sepp Maier hat als Torwart des FC Bayern und der Nationalmannschaft das Jahrzehnt national wie international geprägt. Noch lieber als damals wäre er aber in der Neuzeit aktiv gewesen, "wenn ich mir das Geld heute anschaue", sagt Maier lachend, aber wohl nur teilweise scherzhaft.
Zu den Stärken der Bundesliga gehört es, dass sie zumeist genau richtig auf Herausforderungen reagiert hat. Wehret den Anfängen - der Skandal um verschobene Spiele und bestochene Spieler zu Anfang der 70er-Jahre war rückblickend wohl sogar ein Warnschuss zur rechten Zeit. Auch auf das Bosman-Urteil Mitte der 90er-Jahre gab die Bundesliga mit der Schaffung von Nachwuchsleistungszentren die richtige Antwort.
Die Gründung der DFL im Dezember 2000 als Zusammenschluss der deutschen Profi-Fußballvereine (bzw. deren Kapitalgesellschaften) gilt als weiterer Meilenstein hin zum obendrein familienfreundlichen Premiumprodukt der Moderne. Ein echtes Märchen eben. Eröffnet wird die Spielzeit in Erinnerung an den Premierentag in diesem Jahr mit dem Duell Borussia Dortmund gegen Werder Bremen. Wie 1963, als der Dortmunder Timo Konietzka nach 58 Sekunden den ersten Treffer der Geschichte erzielte (siehe Bild).

















