27.07.12

FC Bayern München

Rummenigge: Bei Bayern sind alle ein bisschen "Sammer"

FC Bayern zieht erste Bilanz der neuen Sammer-Ära beim Rekordmeister. Rummenigge schwärmt: "Er macht genau das, was wir wollten."

Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
Matthias Sammer ist beim FC Bayern München angekommen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge lobte Sammer
Matthias Sammer ist beim FC Bayern München angekommen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge lobte Sammer

München. Auf dem zwölfstündigen Flug aus Guangzhou hatte Matthias Sammer genug Zeit, das Erlebte in Fernost zu verarbeiten. Keine schreienden chinesischen Fans, die Reporter gut 30 Reihen weiter hinten im Flugzeug – und der größte Fan unweit entfernt in einem der komfortablen Sitze der ersten Klasse. "Er macht genau das, was wir wollten. Wir werden von der Arbeit von Matthias profitieren", sagt Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in einem Interview. Nach drei Wochen in München ist beim Vizemeister schon vieles ein bisschen "Sammer".

"Es ist eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit. Er schaut nach allem, stellt vieles infrage, diskutiert viel. Mir gefällt das", schwärmt Rummenigge. Das "Schleudertrauma", das Sammer an den ersten Tagen in München erlebt hat, scheint so langsam verarbeitet. "Mit den Namen aller Journalisten tue ich mich noch ein bisschen schwer", gab der 44-Jährige am Kofferband in Peking schmunzelnd zu. Die Bilanz nach der ersten großen Reise mit dem gesamten Tross samt Führungsetage aber fällt durchweg positiv aus.

"Ich fühle mich schon sehr wohl. Am Anfang macht man sich viele Gedanken, muss hier und da Prioritäten setzen. Aber das scheint jetzt immer besser zu gelingen", sagte Sammer bei einem seiner wenigen Auftritte vor den Medien auf dem viertägigen Trip nach China. Auf ein Exklusivinterview mit dem ehemaligen Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wartet man bisher vergeblich, denn in den Vordergrund drängen will er sich noch nicht. Sammers Devise: Bevor er etwas erreicht hat, ist er keine Hauptperson.

"Unser Ziel ist es ganz einfach, Titel zu holen. Das sind oft die letzten zwei, drei, vier Prozent, die die Differenz ausmachen, ob du eben den Pokal in der Hand hältst oder nicht", sagt Rummenigge. Genau diese fehlenden Puzzleteile zu finden, ist Sammers derzeitige Aufgabe. So gut wie immer im Trainingsoutfit gab sich der Europameister von 1996 auch im Reich der Mitte nahe an der Mannschaft. "Er redet viel mit den Spielern, auch mit mir. Man merkt sofort, dass er dabei ist", sagte Arjen Robben.

Die trotz der tropischen Temperaturen teils intensiven Trainingseinheiten beobachtete Sammer von der ersten bis zur letzten Minute. Selbst im strömenden Regen von Guangzhou harrte Sammer am Donnerstag aus, bis der letzte Spieler den Platz verlassen hatte. Teils starrte er in die wuchtige Skyline der Millionen-Metropole, teils diskutierte er wie gewohnt intensiv mit zahlreichen Stabmitgliedern.

"Er fragt sich ständig: Was ist gut? Was ist aus seiner Sicht nicht ganz so gut und dementsprechend verbesserungswürdig?", sagt Rummenigge. Dass Sammer in seiner Aufgabe "sehr emotional" sei, freut Trainer Jupp Heynckes genauso wie Rummenigge: "Die beiden sind Partner", versicherte der Bayern-Boss.

In der Mannschaft hat Sammer weitaus mehr Ansehen und vor allem Respekt als sein beurlaubter Vorgänger Christian Nerlinger. "Er ist einfach überall. Gut, nicht auf dem Platz, aber überall sonst", sagt Robben lachend. Auffallend motiviert und spritzig gaben sich erst am Sonntag aus dem Urlaub zurückgekehrten Nationalspieler im Training und bei den beiden Testspielsiegen auf chinesischem Boden.

Unter anderem Sorgenkind Robben schimpfte nach missglückten Pässen im Training, als habe er erneut einen wichtigen Elfmeter verschossen. Sammer, Wunschkandidat von Präsident Uli Hoeneß, fordert eben von jedem Einzelnen, bis an die Schmerzgrenze zu gehen. So wie er es selbst gelernt hat.

Meinungsaustausch im Vorstand gibt es täglich. In naher Zukunft allerdings soll intern die erste große Sammer-Bilanz verkündet werden. Angst vor einem ernüchternden Ergebnis hat Rummenigge nicht: "Genau das wollten wir doch. Der FC Bayern ist wie ein Räderwerk, das gut miteinander harmonieren muss." Im Moment scheint es, als bringe das bisschen "Sammer" den Schwung zurück in die Maschine.

Robin Dutt im Kurzporträt
Robin Dutt im Kurzporträt
Geboren am: 24. Januar 1965
Spielerstationen:
1983-1985 SpVgg Hirschlanden
1985-1987 TSV Korntal
1987-1988 TSV Münchingen
1988-1990 TSV Korntal
1990-1993 FV Zuffenhausen
1993-1995 SKV Rutesheim
Trainerstationen:
1995-1999 TSG Leonberg (Spielertrainer)
1999/2000 TSF Ditzingen II
2000-2002 TSF Ditzingen
2002-2003 Stuttgarter Kickers II
2003-2007 Stuttgarter Kickers
2007-2011 SC Freiburg
2011-2012 Bayer 04 Leverkusen
Stimmen zum neuen DFB-Sportdirektor Robin Dutt
Rudi Völler (Sportdirektor Bayer Leverkusen): "Ich freue mich sehr für Robin. Ich habe bereits mit ihm telefoniert. Ich war natürlich auch ein klein wenig überrascht, weil ich geglaubt habe, dass er als Trainer weiterarbeiten wird. Ich denke, dass es eine sehr interessante Aufgabe wird für ihn."
Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender Eintracht Frankfurt): "Ich halte es für eine gute Entscheidung. Robin Dutt bringt Erfahrung als Bundesliga-Trainer mit und hat bewiesen, dass er chronologisch arbeiten kann. Ich schätze an ihm, dass er mehr Sportler als Medienmann ist, sich also mehr über den Sport definiert als, wie das andere machen, über die Medien. Er benötigt als DFB-Direktor ein gutes Einschätzungsvermögen, da er die Trainerteams für die verschiedenen Juniorenmannschaften zusammenstellt. Das traue ich ihm zu."
Fritz Keller (1. Vorsitzender SC Freiburg): "Ich freue mich sehr für ihn. Robin ist ein sehr fähiger Trainer und für das Aufgabengebiet des Sportdirektors absolut geeignet. Als er damals zu uns zum SC Freiburg kam, hat er unsere Philosophie der Nachwuchsarbeit hervorragend umgesetzt. Wir hatten noch nie eine so hohe Quote von eigenen Jugendspielern bei den Profis wie unter Dutt."
Frank Arnesen (Sportdirektor Hamburger SV): "Ich schätze Robin Dutt als Fachmann und halte ihn für eine gute Wahl. Er hat schon Freiburg bewiesen, dass er Talente entwickeln und strategisch arbeiten kann. Das wird er jetzt auch beim DFB unter Beweis stellen."
Martin Bader (Sportdirektor 1. FC Nürnberg): "Gerade was seine Fähigkeiten im Nachwuchsbereich angeht, finde ich die Entscheidung auch absolut stimmig. Ich habe Robin speziell in seiner Freiburger Zeit als umgänglichen Typen kennengelernt. Er bringt die nötigen Fähigkeiten mit und muss sich sicherlich nicht hinter Matthias Sammer verstecken oder ihn versuchen zu kopieren. Robin hat die analytischen Fähigkeiten, um die Strukturen, die Matthias schon gelegt hat, weiterzuentwickeln. Er wird seinen Weg finden. Ich traue im das absolut zu."
Thomas Schaaf (Trainer Werder Bremen): "Robin Dutt ist ein absoluter Fachmann und sicherlich bestens über den Nachwuchs informiert. Er hat ja auch schon sehr erfolgreich mit jungen Leuten zusammengearbeitet."
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