FC Bayern München
Rummenigge: Bei Bayern sind alle ein bisschen "Sammer"
FC Bayern zieht erste Bilanz der neuen Sammer-Ära beim Rekordmeister. Rummenigge schwärmt: "Er macht genau das, was wir wollten."
München. Auf dem zwölfstündigen Flug aus Guangzhou hatte Matthias Sammer genug Zeit, das Erlebte in Fernost zu verarbeiten. Keine schreienden chinesischen Fans, die Reporter gut 30 Reihen weiter hinten im Flugzeug – und der größte Fan unweit entfernt in einem der komfortablen Sitze der ersten Klasse. "Er macht genau das, was wir wollten. Wir werden von der Arbeit von Matthias profitieren", sagt Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in einem Interview. Nach drei Wochen in München ist beim Vizemeister schon vieles ein bisschen "Sammer".
"Es ist eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit. Er schaut nach allem, stellt vieles infrage, diskutiert viel. Mir gefällt das", schwärmt Rummenigge. Das "Schleudertrauma", das Sammer an den ersten Tagen in München erlebt hat, scheint so langsam verarbeitet. "Mit den Namen aller Journalisten tue ich mich noch ein bisschen schwer", gab der 44-Jährige am Kofferband in Peking schmunzelnd zu. Die Bilanz nach der ersten großen Reise mit dem gesamten Tross samt Führungsetage aber fällt durchweg positiv aus.
"Ich fühle mich schon sehr wohl. Am Anfang macht man sich viele Gedanken, muss hier und da Prioritäten setzen. Aber das scheint jetzt immer besser zu gelingen", sagte Sammer bei einem seiner wenigen Auftritte vor den Medien auf dem viertägigen Trip nach China. Auf ein Exklusivinterview mit dem ehemaligen Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wartet man bisher vergeblich, denn in den Vordergrund drängen will er sich noch nicht. Sammers Devise: Bevor er etwas erreicht hat, ist er keine Hauptperson.
"Unser Ziel ist es ganz einfach, Titel zu holen. Das sind oft die letzten zwei, drei, vier Prozent, die die Differenz ausmachen, ob du eben den Pokal in der Hand hältst oder nicht", sagt Rummenigge. Genau diese fehlenden Puzzleteile zu finden, ist Sammers derzeitige Aufgabe. So gut wie immer im Trainingsoutfit gab sich der Europameister von 1996 auch im Reich der Mitte nahe an der Mannschaft. "Er redet viel mit den Spielern, auch mit mir. Man merkt sofort, dass er dabei ist", sagte Arjen Robben.
Die trotz der tropischen Temperaturen teils intensiven Trainingseinheiten beobachtete Sammer von der ersten bis zur letzten Minute. Selbst im strömenden Regen von Guangzhou harrte Sammer am Donnerstag aus, bis der letzte Spieler den Platz verlassen hatte. Teils starrte er in die wuchtige Skyline der Millionen-Metropole, teils diskutierte er wie gewohnt intensiv mit zahlreichen Stabmitgliedern.
"Er fragt sich ständig: Was ist gut? Was ist aus seiner Sicht nicht ganz so gut und dementsprechend verbesserungswürdig?", sagt Rummenigge. Dass Sammer in seiner Aufgabe "sehr emotional" sei, freut Trainer Jupp Heynckes genauso wie Rummenigge: "Die beiden sind Partner", versicherte der Bayern-Boss.
In der Mannschaft hat Sammer weitaus mehr Ansehen und vor allem Respekt als sein beurlaubter Vorgänger Christian Nerlinger. "Er ist einfach überall. Gut, nicht auf dem Platz, aber überall sonst", sagt Robben lachend. Auffallend motiviert und spritzig gaben sich erst am Sonntag aus dem Urlaub zurückgekehrten Nationalspieler im Training und bei den beiden Testspielsiegen auf chinesischem Boden.
Unter anderem Sorgenkind Robben schimpfte nach missglückten Pässen im Training, als habe er erneut einen wichtigen Elfmeter verschossen. Sammer, Wunschkandidat von Präsident Uli Hoeneß, fordert eben von jedem Einzelnen, bis an die Schmerzgrenze zu gehen. So wie er es selbst gelernt hat.
Meinungsaustausch im Vorstand gibt es täglich. In naher Zukunft allerdings soll intern die erste große Sammer-Bilanz verkündet werden. Angst vor einem ernüchternden Ergebnis hat Rummenigge nicht: "Genau das wollten wir doch. Der FC Bayern ist wie ein Räderwerk, das gut miteinander harmonieren muss." Im Moment scheint es, als bringe das bisschen "Sammer" den Schwung zurück in die Maschine.

















