25.07.12

Neuer Sportdirektor

Robin Dutt: Der Neue setzt beim DFB auf Altbewährtes

Dutt will bestehende Konzepte voranbringen. Wunschkandidat des DFB für Nachfolge von Sammer. Niersbach setzt auf "neue Impulse".

Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
Neuer DFB-Sportdirektor Robin Dutt
Neuer DFB-Sportdirektor Robin Dutt

Frankfurt/Main. Robin Dutt soll den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als neuer Sportdirektor in eine erfolgreiche Zukunft führen. Dabei setzt er vor allem auf Kontinuität. "Beim DFB sind Konzepte vorhanden, die in den letzten Jahren wahnsinnig erfolgreich waren. Meine Hauptaufgabe wird es zunächst sein, diese Konzepte weiter voranzubringen", sagte der 47-Jährige bei seiner Vorstellung am Mittwoch in der Verbandszentrale in Frankfurt am Main. Kurz zuvor hatte Dutt einen Vertrag über vier Jahre unterschrieben. Seinen Dienst wird er offiziell am 1. August antreten.

Zuletzt hatte der gebürtige Kölner Bayer Leverkusen trainiert, war dort jedoch im vergangenen April nach nur neunmonatiger Amtszeit entlassen worden. Als Hypothek für seine neue Aufgabe sieht Dutt sein weitgehend erfolgloses Engagement bei der Werkself jedoch nicht an. "Vielleicht habe ich diese Zeit gebraucht. Für die Position, die ich jetzt bekleide, kann diese Erfahrung wichtig gewesen sein", sagte der neue DFB-Sportdirektor. Auch aus Leverkusen kamen keine bösen Worte: "Ich freue mich sehr für Robin. Ich habe bereits mit ihm telefoniert", sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler.

"Er war der Erste, den ich angerufen habe", sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, der bei den Verhandlungen federführend war, und stellte Dutt auch einen Posten im DFB-Präsidium in Aussicht: "Wir werden die Empfehlung aussprechen, ihm einen Sitz im Präsidium zu geben. Die Entscheidung hierzu fällt wahrscheinlich im August." Dutt passe mit seiner "sportlichen Vita genau in unser Anforderungsprofil", lobte Sandrock und verwies auf die umfassenden Erfahrungen des früheren Coaches im "Spitzenbereich", bei der "Talentförderung" und der "Arbeit in den Leistungszentren der Vereine".

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zeigte sich ebenfalls mit der Lösung der Personalie äußerst zufrieden. "Ich freue mich, dass wir in so kurzer Zeit einen in der Bundesliga anerkannten Topfachmann für diese wichtige Position präsentieren können", sagte der 61-Jährige. "Ich bin mir sicher, dass Robin Dutt mit seinen Qualitäten die erfolgreiche Arbeit von Matthias Sammer fortsetzen und aufgrund seiner Erfahrung neue Impulse einbringen kann."

Für Dortmunds Trainer Jürgen Klopp ist die Ernennung von Dutt "eine logische Wahl." Dutt sei "ein ganz, ganz fleißiger Kerl. Für so einen Job musst du geschaffen sein", sagte Klopp.

+++ Hier gehts zum Liveticker der DFB-Pressekonferenz +++

Als Spieler war Dutt nie über die Verbandsliga hinausgekommen, die Trainerausbildung des DFB hatte er 2005 allerdings als Bester seines Jahrgangs abgeschlossen. Vor seiner Zeit in Leverkusen hatte er vier Jahre lang den SC Freiburg betreut. "Als er damals zu uns kam, hat er unsere Philosophie der Nachwuchsarbeit hervorragend umgesetzt. Wir hatten noch nie eine so hohe Quote von eigenen Jugendspielern bei den Profis wie unter Dutt", sagte Freiburgs 1. Vorsitzender Fritz Keller der Nachrichtenagentur dapd und sieht Dutt für seine künftige Rolle prädestiniert.

Naturgemäß wird sich Dutt beim DFB vor allem mit Joachim Löw regelmäßig austauschen. "Ich bin froh, dass der DFB so schnell und gut gehandelt und diese kompetente Lösung gefunden hat. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit", sagte der Bundestrainer, der sich mit Dutt bereits ausgetauscht hat. "Es gibt bei uns Parallelen, wie man sich den Fußball vorstellt. Wir haben eine gemeinsame Wellenlänge entdeckt", sagte Dutt, der sein neues Amt als "etwas Besonderes" ansieht und nach den ersten Gesprächen "jeden Tag heißer" auf den Posten wurde.

Angst vor den großen Fußstapfen Sammers, in dessen Amtszeit immerhin der Gewinn der EM-Titel bei der U21 (2009), der U19 (2008) und der U17 (2009) fiel, hat Dutt nicht. "Matthias Sammer hat hervorragende Arbeit geleistet. Aber ich muss auch meinen eigenen Weg finden", sagte Dutt. In den kommenden Tagen stehen für den neuen Sportdirektor zahlreiche "Antrittsbesuche" bei den Klubs auf dem Programm. Dann soll es auch zu einem ersten längeren Austausch mit Vorgänger Sammer kommen. Zudem muss der Posten des als Co-Trainer zu Tottenham Hotspur abgewanderten U16-Trainers Steffen Freund neu besetzt werden.

(dapd)

Robin Dutt im Kurzporträt
Robin Dutt im Kurzporträt
Geboren am: 24. Januar 1965
Spielerstationen:
1983-1985 SpVgg Hirschlanden
1985-1987 TSV Korntal
1987-1988 TSV Münchingen
1988-1990 TSV Korntal
1990-1993 FV Zuffenhausen
1993-1995 SKV Rutesheim
Trainerstationen:
1995-1999 TSG Leonberg (Spielertrainer)
1999/2000 TSF Ditzingen II
2000-2002 TSF Ditzingen
2002-2003 Stuttgarter Kickers II
2003-2007 Stuttgarter Kickers
2007-2011 SC Freiburg
2011-2012 Bayer 04 Leverkusen
Stimmen zum neuen DFB-Sportdirektor Robin Dutt
Rudi Völler (Sportdirektor Bayer Leverkusen): "Ich freue mich sehr für Robin. Ich habe bereits mit ihm telefoniert. Ich war natürlich auch ein klein wenig überrascht, weil ich geglaubt habe, dass er als Trainer weiterarbeiten wird. Ich denke, dass es eine sehr interessante Aufgabe wird für ihn."
Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender Eintracht Frankfurt): "Ich halte es für eine gute Entscheidung. Robin Dutt bringt Erfahrung als Bundesliga-Trainer mit und hat bewiesen, dass er chronologisch arbeiten kann. Ich schätze an ihm, dass er mehr Sportler als Medienmann ist, sich also mehr über den Sport definiert als, wie das andere machen, über die Medien. Er benötigt als DFB-Direktor ein gutes Einschätzungsvermögen, da er die Trainerteams für die verschiedenen Juniorenmannschaften zusammenstellt. Das traue ich ihm zu."
Fritz Keller (1. Vorsitzender SC Freiburg): "Ich freue mich sehr für ihn. Robin ist ein sehr fähiger Trainer und für das Aufgabengebiet des Sportdirektors absolut geeignet. Als er damals zu uns zum SC Freiburg kam, hat er unsere Philosophie der Nachwuchsarbeit hervorragend umgesetzt. Wir hatten noch nie eine so hohe Quote von eigenen Jugendspielern bei den Profis wie unter Dutt."
Frank Arnesen (Sportdirektor Hamburger SV): "Ich schätze Robin Dutt als Fachmann und halte ihn für eine gute Wahl. Er hat schon Freiburg bewiesen, dass er Talente entwickeln und strategisch arbeiten kann. Das wird er jetzt auch beim DFB unter Beweis stellen."
Martin Bader (Sportdirektor 1. FC Nürnberg): "Gerade was seine Fähigkeiten im Nachwuchsbereich angeht, finde ich die Entscheidung auch absolut stimmig. Ich habe Robin speziell in seiner Freiburger Zeit als umgänglichen Typen kennengelernt. Er bringt die nötigen Fähigkeiten mit und muss sich sicherlich nicht hinter Matthias Sammer verstecken oder ihn versuchen zu kopieren. Robin hat die analytischen Fähigkeiten, um die Strukturen, die Matthias schon gelegt hat, weiterzuentwickeln. Er wird seinen Weg finden. Ich traue im das absolut zu."
Thomas Schaaf (Trainer Werder Bremen): "Robin Dutt ist ein absoluter Fachmann und sicherlich bestens über den Nachwuchs informiert. Er hat ja auch schon sehr erfolgreich mit jungen Leuten zusammengearbeitet."
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