25.07.12

Rudern

"Gold? Das Ziel ist nicht zu hoch gegriffen"

Marcel Hacker, Ruderer im Einer, scheiterte bei den Spielen in Athen und in Peking. In London will er mit aller Macht den Olympiasieg.

Foto: picture alliance
Marcel Hacker will bei den Olympischen Spielen in London ganz nach vorne rudern
Marcel Hacker will bei den Olympischen Spielen in London ganz nach vorne rudern

Berlin/London. Er galt lange als der Rebell im Rudersport: Marcel Hacker, der sich auch mit Verbandsfunktionären und Trainern anlegte. In London startet er im Einer zum vierten Mal bei Olympischen Spielen. Die Vorläufe der Ruderer beginnen am 28. Juli, der Endlauf im Einer steigt am 4. August.

Hamburger Abendblatt: Herr Hacker, Sie sind der Popstar des Rudersports.

Marcel Hacker: Ich habe ein gewisses Alter, es sind meine vierten Olympischen Spiele, dann wird man wohl dazu.

Sie wissen, wie man sich inszeniert, und tun das auch. Sie sind einer der Ruderer, die man kennt.

Hacker: Das ist richtig, aber ich bin erst mit der Zeit dazu gewachsen. Da habe ich mich hingearbeitet.

Muss man das, wenn man im Einer an den Start geht?

Hacker: Man muss generell sein Image pflegen, oder? Es ist schwierig, das Image vom verrückten Hacker in das des seriösen Hacker umzuwandeln und trotzdem seiner Marke treu zu bleiben.

Macht es der Einer einfacher, sich in Szene zu setzen? Verdammt er einen sogar dazu?

Hacker: Es gibt unterschiedliche Einerfahrer. Weil ich so lange dabei bin, bin ich da mehr oder weniger unbewusst hineingerutscht.

Sie starten zum vierten Mal bei Olympia, und Ihr Ziel ist Gold. Machen Sie sich zu viel Druck?

Hacker: Warum nicht? Gerade, weil es die vierten Spiele sind - zweimal Platz sieben, einmal Platz drei -, ist das Ziel nicht zu hoch gegriffen. Auch, wenn man auf die letzten Ergebnisse schaut, denke ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Das Ziel ist realistisch, sonst würde ich mir selber in die Tasche lügen.

Bei den vergangenen Spielen hatten Sie auch hohe Ziele, haben sich dann aber zu viel Druck gemacht. Es hieß, dass Sie der Druck überfordert hat.

Hacker: Wir sind vier Jahre weiter. Ich bin viel weiter, verheiratet und habe ein Kind.

Warum soll es ausgerechnet im reifen Alter klappen?

Hacker: Warum soll es nicht klappen, wenn es bisher nicht geklappt hat?

Weil der Körper im Alter nicht leistungsfähiger wird. Fühlen Sie sich fitter als vor vier Jahren?

Hacker: Ja, ich fühle mich besser. Ich habe mich akribisch vorbereitet. Die Zeiten, die ich momentan fahre, geben mir recht.

Warum fahren Sie eigentlich Einer? Für die meisten ist Rudern ein Mannschaftssport.

Hacker: Weil ich das will. Nicht, weil mir das einer vorschreibt.

Sind Sie gerne unabhängig von anderen Menschen?

Hacker: Was verstehen Sie darunter?

Wenn man mit mehreren im Boot sitzt, kann jeder Fehler machen. Wenn Sie dort allein sitzen, verlieren Sie allein und Sie gewinnen allein.

Hacker: Ich kann schon auch mannschaftskompatibel sein. Aber es ist einfacher, sich im Einer zu sagen: Wir verschieben das Training mal eine Stunde. Ich fühle mich schon wohl im Einer. Individualität ist das Ausschlaggebende für mich.

Sie sind eine Weile Vierer gefahren - und das ist ganz gut gelaufen.

Hacker:Ich kann mich nicht beschweren. Ich habe die Zeit genossen. Es war wichtig, dass ich mal ein Jahr rauskomme aus dem Einer.

Die Zeit im Vierer war nur eine Auszeit mit dem Hintergedanken, danach wieder Einer zu fahren?

Hacker: Genau. Ich brauchte nach Peking 2008 Zeit, um runterzukommen und danach wieder neu zu starten. Jetzt sind wir wieder da, wo wir hingehören: an der Weltspitze.

Hat Sie die Zeit im Vierer rückblickend weitergebracht?

Hacker: Auf jeden Fall. Sie hat mir gezeigt, dass ich im Team respektiert werde. Ich konnte mir keinen Querschläger leisten, weil die anderen sehr genau geschaut haben, was ich mache. Ich hatte eine Vorbildfunktion wegen meines Alters und der Erfahrung.

Hat Sie die Zeit gelassener gemacht?

Hacker: Ja. Seitdem mein Sohn da ist, ist Sport Sport und Familie Familie. Man sortiert Leistung auf einmal anders ein.

Nehmen wir an, es läuft bei Olympia nicht gut und Sie werden wieder nur Siebter: Könnten Sie damit jetzt also besser umgehen als 2008?

Hacker: Ja. Weil es meinem Sohn egal ist, welche Platzierung ich erreiche - ich bin sein Papa. Und meiner Frau auch, denn ich bin ihr Ehemann.

Finden Sie, dass Ruderer zu wenig Aufmerksamkeit bekommen?

Hacker: Das wissen wir vorher, wir sind halt keine Fußballer. Man interessiert sich nur für den Achter und den Einer, das sind die beiden Flaggschiffe des Ruderverbands. Wir müssen sehen, dass wir das Ganze gut verkaufen.

Sie repräsentieren alle anderen Bootsklassen. Wenn es bei Ihnen nicht läuft, denken viele, dass es bei den Ruderern nicht läuft.

Hacker: Das Schlimme ist doch: Egal, wie ich abschneide, ich habe meinen Artikel und mein Bild in der Zeitung. Wenn ich Zehnter werde oder Zwölfter, bekomme ich eine ganze Seite. Wenn der Doppelvierer Olympiasieger wird, bekommt er ein kleines Foto.

Das ist aber nicht in erster Linie so, weil Sie Einer fahren, sondern liegt vor allem daran, dass Sie Marcel Hacker sind.

Hacker: Ja, ich bin eine Marke, die habe ich mir in den vergangenen Jahren erarbeitet. Ich hatte die Aufmerksamkeit auch, als ich Doppelvierer gefahren bin. Es saß jemand anderes im Einer, für den hat sich kaum jemand interessiert.

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