24.07.12

Formel 1

Der 20-Sekunden-Streit: Vettel und die FIA

Sebastian Vettel und sein Red-Bull-Rennstall wehren sich. Der Motorsportchef des Teams greift nach der Strafe von Hockenheim den Automobilverband FIA an. Und Vettel? "Aus meiner Sicht ist eigentlich alles richtig abgelaufen", bekräftigt er.

Berlin. Red Bull hat seinen Starpiloten Sebastian Vettel erneut in Schutz genommen und den Internationalen Automobilverband FIA für das Urteil gegen den deutschen Formel-1-Doppelweltmeister scharf kritisiert. Das von der FIA festgelegte Strafmaß sei, "wie Hühner-Diebstahl mit der Todesstrafe" zu ahnden, sagte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko. Vettel hatte für sein Überholmanöver beim Großen Preis von Deutschland in der vorletzten Runde gegen Jenson Button eine 20-Sekunden-Strafe aufgebrummt bekommen. "Er war mit allen vier Rädern draußen, aber der Grund war das Manöver von Button, der ihm keinen Raum gelassen hat", befand Marko.

Vettel war durch die Strafe vom zweiten auf den fünften Platz zurückgefallen. In der WM verlor er weiteren Boden auf Spitzenreiter und Hockenheim-Sieger Fernando Alonso, der im Ferrari schon 44 Punkte voraus ist. Nachdem Vettel unmittelbar nach der Strafe gar nichts hatte sagen wollen, bekräftigte er auf seiner Homepage mit etwas Abstand zum Heimrennen: "Aus meiner Sicht ist eigentlich alles richtig abgelaufen, aber man kann nichts tun, wenn das die Verantwortlichen anders sehen."

Aber nicht nur die sahen es so. "Sebastian hat sich einen Vorteil verschafft. Das war so nicht in Ordnung", hatte Force-India-Pilot Nico Hülkenberg bei einem PR-Termin am Montag in Stuttgart gesagt. "Wir fühlen uns im Recht", meinte aber Marko. Ein ähnliches Manöver von McLaren-Fahrer Lewis Hamilton gegen Mercedes-Pilot Nico Rosberg in Bahrain war ungeahndet geblieben. Vettel warfen die Rennkommissare vor, die Strecke verlassen und sich einen Vorteil verschafft zu haben. "Es ist wie im Fußball: Der eine Schiedsrichter gibt Elfmeter, der andere nicht. Damit muss man dann leben", meinte Vettel.

Doch von Gleichgültigkeit kann wahrlich keine Rede sein, die Stimmung ist höchst gereizt. Dass Ex-Pilot Marko, bekannt für Aussagen mit Potenzial zur Provokation, McLaren-Mann Button nun die Schuld gab, dürfte die Atmosphäre vor dem Großen Preis von Ungarn an diesem Sonntag in Budapest weiter anheizen. Britische Zeitungen hatten bereits gespottet, nachdem Vettel sich seinerseits über ein Überholmanöver von Button-Stallrivale Lewis Hamilton beklagt und es als "dumm" bezeichnet hatte.

Dabei sind gute Nerven mehr denn je gefragt. Vor dem letzten Rennen vor der vierwöchigen Sommerpause sieht es nicht gut aus für Vettels historischen Titel-Hattrick. Ärger mit den Rennkommissaren will er künftig jedenfalls tunlichst vermeiden. "Wir werden uns für die nächsten Rennen noch mehr ins Zeug legen und darauf achten, nichts mehr zu tun, was unsere Platzierung auch nur irgendwie gefährden würde", kündigte der 25-jährige Heppenheimer an.

(dpa)

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