23.05.12

Hockey

Uhlenhorster HC vor wichtigsten Wochenenden der Saison

Wichtige Wochenenden für den Uhlenhorster HC: Erst das Finale der Euro Hockey League (EHL) und dann die Endrunde um die deutsche Feldmeisterschaft.

Foto: HA / A.Laible
Trainer Martin Schultze, 40, spricht über Wendepunkte, Ausblicke und die Parallelen zu Borussia Dortmund
Trainer Martin Schultze, 40, spricht über Wendepunkte, Ausblicke und die Parallelen zu Borussia Dortmund

Hamburg. Die Hockeyherren des Uhlenhorster HC stehen vor den wichtigsten Wochenenden der Saison. An diesem Sonnabend (12 Uhr) versucht der Klub im niederländischen Amstelveen gegen den belgischen Vertreter KHC Dragons, zum vierten Mal nach 2008, 2009 und 2010 ins Finale der Euro Hockey League (EHL) einzuziehen. Eine Woche später steht in Berlin die Endrunde um die deutsche Feldmeisterschaft an. Im Abendblatt spricht Trainer Martin Schultze, 40, über Wendepunkte, Ausblicke und die Parallelen zu Borussia Dortmund.

Abendblatt: Herr Schultze, Ihre Mannschaft hat die Chance auf zwei Titel, der Fokus liegt allerdings auf der deutschen Meisterschaft, die die UHC-Herren noch nie gewinnen konnten. Wie groß ist die Gefahr, dass die Spieler sich wie Bayern München auf das zweite Finale fokussieren und am Ende ohne Titel dastehen?

Martin Schultze: Ich würde für diesen Vergleich nicht das Negativbeispiel wählen, sondern eher Borussia Dortmund anführen, die das Double gewonnen haben. So wollen wir es auch machen! Wenn man die Chance auf zwei Titel hat, sollte man nicht darüber nachdenken, welchen man lieber hätte, sondern demütig sein und sich freuen, wenn man überhaupt einen gewinnt.

Zumal es Anfang April nicht danach aussah, dass Ihr Team überhaupt eine Chance auf die Endrunde haben würde. Nach den ersten drei Spielen der Rückrunde hatten Sie neun Zähler Rückstand auf Rang vier. Was ist dann passiert?

Schultze: Vordergründig betrachtet haben wir acht Spiele hintereinander gewonnen. Aber wenn Sie wissen wollen, wie das möglich war, muss ich etwas ausholen. Es war nach den Abgängen von Carlos Nevado und Philip Witte, der beruflich bedingten Pause von Patrick Breitenstein und den langen Verletzungsausfällen von Moritz Fürste, Oliver Korn und Florian Fuchs klar, dass die Hinrunde hart werden würde. Es ging nur darum, in Schlagdistanz zu bleiben. Dass wir dann die ersten drei Spiele der Rückrunde gegen die Teams, die am Ende vor uns lagen, knapp verloren haben, war ein bitterer Rückschlag. Aber daraus ist das Team gestärkt herausgegangen. Der Wendepunkt war das Wochenende mit den Siegen gegen die direkten Konkurrenten HTHC und Krefeld. Danach war ich sicher, dass wir die Endrunde erreichen.

Ihre Mannschaft hat im Vergleich zu den Vorjahren deutlich an Effektivität und Konstanz gewonnen. Welche Entwicklung macht Ihnen am meisten Freude?

Schultze: Dass die Jungs das Bewusstsein entwickelt haben, dass eine gute Verteidigung unerlässlich ist, um Titel zu holen. Das hat uns unser Lokalrivale Club an der Alster sehr oft vorgemacht, und auch im Fußball hat man es zuletzt am Beispiel FC Chelsea gesehen. Wir haben über viele Jahre einen Hurrastil geprägt, der für die Zuschauer schön war, aber nicht effektiv. Jetzt stehen wir zunächst sicher in der Defensive, und vorn kommen die Tore dann von allein. Obgleich ich der Meinung bin, dass wir noch längst nicht effektiv genug sind. Wir müssen unsere Chancen noch viel besser verwerten, auch die Eckenausbeute muss besser werden, schon an diesem Wochenende, sonst werden wir gegen die Dragons scheitern. Das ist ein starkes Team, sehr offensiv- und konterstark. Aber auch anfällig in der Abwehr, weil sie ein offensives Raumpressing spielen. Wenn wir hinter die Mittelfeldreihe kommen, tut sich viel Raum auf, den unsere Stürmer nutzen können. Mit Moritz Fürste und Oliver Korn haben wir im Mittelfeld die Leute, die den Takt dafür geben können, um die Dragons auszuhebeln.

A propos Moritz Fürste: Welche Rolle hat sein Ausfall gespielt, da er nach seinem Kreuzbandriss erst zur Rückrunde wieder spielen konnte? Man hatte das Gefühl, dass mit ihm plötzlich Kopf und Motor des Teams wieder zurück waren.

Schultze: Moritz ist für mich der beste Mittelfeldspieler der Welt. Technisch mag es Bessere geben, aber in Effektivität und Präsenz ist er die Nummer eins. Dass er plötzlich ausfiel, war natürlich ein harter Schlag. Seine Rückkehr hatte selbstverständlich einen großen Effekt auf das Team.

Im nächsten Jahr wird er in Spanien spielen. Droht dann das ganze Szenario aus dieser Saison erneut?

Schultze: Nein, denn diesmal können wir uns darauf vorbereiten. Wir müssen ja auch Oliver Korn ersetzen, der mit Moritz nach Spanien geht. Und wenn wir endlich den deutschen Meistertitel holen, fürchte ich, dass dann auch Paddy Breitenstein endgültig aufhört. Aber es ist etwas anderes, wenn man das im Sommer weiß, als wenn es kurz vor Saisonstart passiert. Es werden gute Spieler aus der eigenen Jugend nachrücken, und wir werden uns extern verstärken, damit wir konkurrenzfähig bleiben.

Hat das Team sich nach Bekanntwerden von Fürstes Abschied das Ziel gesetzt, ihn mit zwei Titeln zu verabschieden?

Schultze: Nein, das ist sicherlich nicht die vorrangige Motivation. Die Jungs haben schon persönlichen Ehrgeiz genug, dass sie die Titel auch für sich selbst gewinnen wollen.

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