Tennis
Madrid: Kerber verpasst Viertelfinale - Djokovic giftet
Trotzdem löst die Kielerin Petkovic als beste Deutsche ab. Unterdessen ist Djokovic sauer über den blauen Sand und fordert mehr Mitsprache.
Madrid. Mit hängendem Kopf verließ Angelique Kerber die derzeit umstrittenste Sandplatz-Anlage der Welt und war nach dem verpassten Viertelfinale beim mit 3,755 Millionen Euro dotierten Premier-Turnier in Madrid tief enttäuscht. Mit 5:7, 4:6 musste sich die Weltranglisten-14. aus Kiel der French-Open-Siegerin Li Na (China) geschlagen geben - und rückt den Top Ten trotzdem immer näher.
Am Montag wird Kerber die momentan verletzte Andrea Petkovic (Bänderriss) als deutsche Nummer eins ablösen und so hoch wie noch nie zuvor im Ranking platziert sein: Auf Rang elf. "Die jüngsten Erfolge geben mir die Motivation, weiter hart zu arbeiten. Ich bin ja erst am Anfang", hatte Kerber jüngst im SID-Interview gesagt: "Es ist noch ein Schritt in die Top 10 oder sogar in die Top 5. Aber ich weiß, dass ich es schaffen kann. Ich gehe jetzt eigentlich bei jedem Match da raus und weiß, dass ich es gewinnen kann. Egal, gegen wen."
Die Linkshänderin, die zwei Tage zuvor Venus Williams (USA) bezwungen hatte, kassierte bei der Premiere auf blauem Sand ihre erst neunte Niederlage in diesem Jahr. In der laufenden Saison hat Fed-Cup-Spielerin Kerber bereits die Turniere in Paris und Kopenhagen gewonnen und zählt damit zu den fünf erfolgreichsten Spielerinnen 2012 (29:9 Siege). Fünf Halbfinal-Teilnahmen stehen seit Januar bereits zu Buche.
Im vergangenen Herbst hatte "Angie" mit dem Sprung ins Semifinale der US Open ihren Durchbruch geschafft. Gegen Li konnte sie nach einer halben Stunde vier Satzbälle abwehren, geriet aber dann doch in Rückstand. Im zweiten Durchgang ging sie nach einem schnellen Break mit 2:0 in Führung, doch gegen die langen Grundlinienschläge der Chinesin fand Kerber selten ein Rezept und gab ihren Aufschlag zum Matchverlust ab. Besonders mit den eigentümlichen Lichtverhältnissen auf dem halb überdachten Arantxa-Sanchez-Court kam die Kielerin nicht zurecht.
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Unterdessen ebben die Diskussionen über den blauen Sand von Madrid nicht ab. Im Streit um Schlumpfhausen legte nun Branchenführer Novak Djokovic nach und forderte mehr Mitspracherecht der Profis. "Für mich ist das kein Tennis. Das nächste Mal komme ich entweder mit Fußball-Schuhen oder ich lade Chuck Norris ein, der mir dann zeigt, wie ich auf diesem Platz spielen soll. Es ist einfach unglaublich rutschig", schimpfte Titelverteidiger Djokovic nach dem 6:2, 2:6, 6:3 in seinem Auftaktmatch gegen den Spanier Daniel Gimeno-Traver.
Australian-Open-Gewinner Djokovic hatte das Turnier in Madrid im vergangenen Jahr gewonnen - damals aber noch auf der gewöhnlichen roten Asche. Der 24-jährige Serbe kündigte "ernste Gespräche" nach der Veranstaltung an und heizte die Diskussion über mehr Mitspracherecht und Machtfülle der Profis an. "Ich finde, die Meinung der Spieler sollte gehört und dann auch berücksichtigt werden. Dieses Turnier und die Entscheidung, auf den blauen Sand zu wechseln, ist ein Beispiel dafür, wie die Einschätzungen der Profis ignoriert werden. Ich hoffe, das wird sich in Zukunft ändern", sagte Djokovic und fügte an: "Ich habe noch niemanden gehört, der den blauen Sand mag."
Bereits seit Tagen gibt es Kritik der Spieler am neuen Belag auf der La-Caja-Magica-Anlage. Turnierbesitzer Ion Tiriac, einst Manager von Boris Becker, hatte den Wechsel von Rot auf Blau vorangetrieben, um den TV-Zuschauern eine bessere Optik zu präsentieren. Zumindest behauptet der Rumäne das.
Neben Djokovic hatten sich auch Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer (Schweiz) und Sandplatzkönig Rafael Nadal aus Spanien ("Blauer Sand ist ein Fehler") über die Farb-Revolution beschwert. "Nächstes Mal bringe ich Schlittschuhe mit", schrieb Djokovic nach seiner Premiere auf dem blauen Geläuf via Facebook und kritisierte, dass keiner der Topspieler eingeladen worden sei, den neuen Belag zu testen. Die ATP ist sich keiner Schuld bewusst, kündigte aber an, die Meinung der Profis bei der abschließenden Turnier-Beurteilung einfließen zu lassen.
Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass andere Turniere dem Beispiel von Madrid folgen werden. Um roten in blauen Sand umzuwandeln, ist ein aufwendiges und kostenintensives Verfahren nötig. Der roten Asche muss unter anderem Eisenoxid entzogen werden. (sid/abendblatt.de)
















