Sport
Internationaler Sportgerichtshof Cas
Schuldig! Akte Ullrich nach fünf Jahren geschlossen
09.02.2012, 12:30
Uhr
09.02.2012, 12:30
Uhr
abendblatt.de
Für die Richter des Internationalen Sportgerichtshofes stand die Doping-Schuld Ullrichs außer Frage. Ergebnisse seit 2005 annuliert.
Jan Ullrich wurde vom Internationalen Sportgerichtshof des Dopings schuldig gesprochen
Foto: dpa/DPA
Lausanne.
Das Kapitel Jan Ullrich ist geschlossen. Der Internationale Sportgerichtshof
Cas hat den deutschen Tour de France-Sieger von 1997 des Dopings schuldig
gesprochen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Ullrich gegen die
Anti-Doping-Regeln verstoßen hat. Ullrich ist bislang der einzige Deutsche,
der die große Frankreich-Rundfahrt gewinnen konnte. Er wurde nun am
Donnerstag zu einer zweijährigen Sperre rückwirkend vom 22. August 2011
verurteilt. Das höchste Sportgericht in Lausanne annullierte zudem sämtliche
Ergebnisse Ullrichs seit dem 1. Mai 2005. Somit verliert Ullrich auch seinen
dritten Platz bei der Tour 2005.
Wie die Richter am Donnerstag in Lausanne mitteilten, sei eine Verstrickung
Ullrichs in die Doping-Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes
bewiesen. Einen Antrag des Rad-Weltverbands UCI, Ullrich lebenslang von
allen Aktivitäten im Radsport auszuschließen, wies der CAS ab, sperrte den
früheren Telekom-Star aber für zwei Jahre. Der einzige deutsche
Tour-de-France-Sieger (1997) sei kein Wiederholungstäter, meinte das
Gericht. Der heute 38-Jährige hat Doping bislang stets bestritten und seine
aktive Karriere bereits im Februar 2007 beendet.
Der erste Dopingvergehen des gebürtigen Rostockers im Jahr 2002 sei durch eine
Einnahme von Amphetaminen außerhalb der Wettkampfzeit zu erklären. Eine
Verstoß sei hier aber nur gegeben, wenn dies während der Wettkampfzeit
geschehe, schrieb der CAS in der Urteilsbegründung.
Nach Ansicht des CAS ist eine Zusammenarbeit Ullrichs mit Fuentes spätestens
zum 1. Mai 2005 bewiesen. Ullrich verliert durch den Schiedsspruch seinen
dritten Platz bei der Tour de France 2005, dazu den Gesamtsieg bei der Tour
de Suisse 2006 und Etappensiege bei Tour de Suisse 2005 und der
Deutschland-Tour im selben Jahr. Die Frankreich-Rundfahrt hatte Ullrich 1997
gewonnen. Für die Zukunftspläne des 38-Jährigen, der seine Laufbahn im
Februar 2007 beendet hatte, ist das Urteil nicht von Bedeutung. Der CAS
hatte den Schiedsspruch zuvor dreimal hinausgeschoben.
Der Heidelberger Dopingexperte und Ullrich-Intimfeind Werner Franke spart
nicht mit Kritik an dem Urteil. „Ich lache mich kaputt über die CAS-Richter
und den Sport, der sich mit Dopingsündern verbündet. Das Urteil war seit
Jahren überfällig und ist viel zu weich für all das Zeug. Jan Ullrich ist
über 20-mal alleine zum Blutdoping zu Fuentes gefahren“, sagte der
71-Jährige und attackierte Ullrich zugleich scharf. „Wegen der
ungeheuerlichen Lügen dieses Herrn Ullrich habe ich viereinhalb Jahre
prozessiert. Aber der gemeine Germane toleriert ja Lügen sehr gerne. Ich
hätte mir zumindest eine Entschuldigung von Ullrich erwartet“, sagte Franke
noch vor einer Stellungnahme der früheren Rad-Idols.
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Mit dem Urteil ist nach mehr als fünf Jahren
der Fall des einstigen deutschen Radstars beendet. Seine Verwicklung in die
als Operacion Puerto bekannt gewordene Affäre war einen Tag vor dem Start
der Tour de France 2006 aufgedeckt worden. Der CAS hatte den Schiedsspruch
in den letzten Monaten dreimal hinausgeschoben.
Zuvor hatte der CAS einem Einspruch des Radsportweltverbandes UCI gegen den
Schweizer Radverband und das Schweizer Olympische Komitee Swiss Olympic Ende
November 2011 stattgegeben. Swiss Olympic hatte die Ermittlungen gegen
Ullrich 2009 mit der Begründung eigestellt, keine „Disziplinargewalt“ zu
haben. Der CAS hatte allerdings befunden, dass Swiss Olympic auch nach dem
Karriereende für Ullrich, der zuletzt eine Schweizer Rennlizenz besaß,
zuständig sei.
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Anders als Alberto Contador fühlte sich Ullrich durch die CAS-Entscheidung
nicht ins Unglück gestürzt. Im Gegenteil: Der 38-Jährige wertete das Urteil
im Vorfeld als überfällige Gelegenheit für einen Schlussstrich unter seine
wechselvolle Profikarriere. Spätestens bis Freitag will sich Ullrich zum
CAS-Verdikt äußern. „Die Anwälte prüfen das Urteil“, sagte Ullrich-Manager
Falk Nier am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. An seiner persönlichen
Vergangenheitsbewältigung hat Ullrich mit Hilfe seiner Berater lange feilen
können – das Urteil der Kammer in Lausanne war ähnlich wie im Fall Contador
immer wieder verschoben worden.
Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) zeigte sich in einer Reaktion „froh“, dass
das Verfahren nach jahrelangen Verhandlungen endlich sein Ende gefunden hat.
„Wir konzentrieren unsere Kräfte nun voll auf die Zukunft des deutschen
Radsports und die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele“, sagte
Vizepräsident Udo Sprenger.
Ullrich, der nach seinem Tour-Sieg 1997 zum Darling der deutschen Fans und
Medien aufstieg, lebt seit Jahren in Scherzingen auf der Schweizer Seite des
Bodensees und hielt bis 2006 die Schweizer Profilizenz.
Nachdem er 2010 an einem Burnout-Leiden erkrankt war, tastete sich der
Olympiasieger von Sydney unter Leitung eines neuen Managements im Vorjahr
vorsichtig zurück in die Öffentlichkeit. Im Sommer zeigte er sich als
Hobbyfahrer beim Ötztal-Marathon wieder im alten Metier - und wurde von den
eingefleischten Fans bejubelt. Zuletzt wagte sich der frühere „Sportler des
Jahres“ beim Ball des Sports in Wiesbaden auch wieder auf das große Parkett.
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Einen Tag vor dem Urteil wirkte der Familienvater auf einem PR-Termin in
Bielefeld so gelöst und locker, wie man ihn aus aktiven Zeiten nicht kannte.
Bei der Präsentation hatte der Firmen-Geschäftsführer Eduard Dörrenberg die
Lacher auf seiner Seite: Der Werbespruch des neuen
Ullrich-Partnerunternehmens Alpecin („Doping für die Haare“) stünde in
keinem Zusammenhang mit dessen Engagement, ließ er wissen.
„Für
mich ist das ein Glückstag. Egal, wie es ausgeht: Ich hoffe auf ein faires
Urteil“, hatte Ullrich in Bielefeld erklärt. Dort hatte er am
Mittwoch angekündigt, nach dem Urteil „noch einmal Stellung zu nehmen und
dann hak’ ich das Thema ein für alle mal ab.“
Dass er in der Vergangenheit nicht immer alles richtig gemacht hat, weiß
Ullrich selbst. „Mit Fehler meine ich, dass ich vielleicht früher hätte
etwas sagen müssen“, unterstrich er bei dem PR-Termin. „Das wird sich alles
aufklären.“ Er hätte sechs Jahre auf das Urteil warten müssen. „Ich habe
sehr viel leiden müssen, bis hin zum Burnout. Das ist eine langwierige
Geschichte, die mit dem Urteil für mich abgeschlossen ist. Der Urteilsspruch
wird nichts an meiner Zukunft ändern“, hatte er am Mittwoch gesagt.
Mit Material von sid und dpa
Reaktionen auf das CAS-Urteil gegen Jan Ullrich:
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