Biathlon
Neuner sagt in Antholz „Tschüss" – Birnbacher siegt
Magdalena Neuner hat sich 56 Tage vor ihrem letzten Biathlon-Rennen von der Geburtsstätte ihrer Karriere mit dem 56. Podestplatz verabschiedet.
Magdalena Neuner konzentriert sich beim Schießen
Foto: AFP
Antholz . Magdalena Neuner winkte kurz vor der Ziellinie fröhlich ins Publikum. „Ich habe mir gedacht: Tschüss, Danke fürs Anfeuern. Ich wollte den Leuten einfach etwas zurückgeben von meiner Freude, auch über den dritten Platz“, beschrieb die Rekordweltmeisterin später ihre Gefühle. Bei der Siegerehrung flirtete die 24-Jährige dann mit Bumsi, dem bärigen Maskottchen. Den 20 000 Zuschauern in der Antholzer Südtirol-Arena rief die Doppel-Olympiasiegerin nach dem elften Podestplatz der Saison zu: „Ich verabschiede mich als Sportlerin, aber ich komme mit Sicherheit als Zuschauerin wieder.“
56 Tage vor ihrem letzten Biathlon-Rennen vergab Neuner am Sonntag ihren 30. Weltcupsieg im letzten Schießen. „Ich habe einfach zweimal daneben geschossen“, sagte die 24-Jährige. Sie freute sich von Herzen über den 56. Podestplatz an der Geburtsstätte ihrer erstaunlichen Karriere. „Wieder auf dem Podium, das ist das, was zählt. So kann ich mich mit einem guten Gefühl von Antholz verabschieden.“
Noch besser als Neuner machte es in Antholz Andreas Birnbacher. Der Oberbayer gewann am Samstag bei den Männern dank eines fantastischen Zielsprints über die 15 Kilometer mit 0,1 Sekunden Vorsprung vor dem Russen Anton Schipulin und dem Franzosen Martin Fourcade, der 0,3 Sekunden zurücklag. Der Schlechinger katapultierte sich im Gesamtweltcup durch seinen dritten Saisonsieg auf Rang drei und gehört endgültig in den Favoriten-Kreis für die WM in Ruhpolding. Magdalena Neuner, die am Donnerstag schon einen Sprint-Sieg geschafft hatte, behauptete ihre Spitzenposition.
Magdalena Neuner kommt in Fahrt: "Es wird immer besser"
Neuner trifft die richtigen Scheiben: Sieg im Sprint
Bis zu den Titelkämpfen im März will auch die Frauen-Staffel wieder in Form kommen. Der Weltmeister verpasste auch im dritten Rennen in diesem Winter das Podest. Beim ersten Saisonsieg der Französinnen wurde das ohne Andrea Henkel angetretene DSV-Quartett nach einem weiteren Drama am Schießstand lediglich Sechster. „Wenn man am letzten Anschlag auf der 1 steht, dann kann nicht so viel schief gelaufen sein“, sagte Cheftrainer Uwe Müssiggang. War es in Oberhof noch Neuner, die als Schlussläuferin vier Strafrunden drehen musste, hatte 48 Tage vor dem Staffel-Rennen bei der WM die erstmals auf Position vier eingesetzte Tina Bachmann großes Pech. „Ich hatte einen kalten Finger, dadurch habe ich nicht richtig repetiert, dann habe ich die Nähmaschine bekommen.“
Beim Massenstart war die siebenmalige Weltmeisterin Henkel wieder dabei, kam mit zwei Fehlern auf Rang 13. Miriam Gössner, die in der Staffel ein starkes Rennen gelaufen war, musste gleich siebenmal in die Strafrunde. Sie kam als 30. und Letzte ins Ziel, wurde von den Fans aber fast genauso gefeiert wie Neuner. Die Wallgauerin war unter ohrenbetäubendem Jubel hinter der Weißrussin Darja Domratschewa und der Slowakin Anastasija Kuzmina eingelaufen. Mit Sprechchören war am Vortag auch Birnbacher bejubelt worden. „So macht es natürlich noch mehr Spaß.“ Er hat gelernt, zu siegen. „Das Aha-Erlebnis“, sagte Birnbacher später, habe schon Ende der vergangenen Saison stattgefunden. Da feierte der 30-Jährige seinen ersten Weltcup-Sieg. „Da habe ich gemerkt, ich kann mithalten.“ Seit der Vorsaison baut er auch auf die Hilfe eines Mentaltrainers. Auch im Training wurden Dinge verändert. „Kleinigkeiten“, sagt er. „Manchmal ist er so ein Sensibelchen gewesen, der Fehler gemacht hat, die eigentlich unnütz waren“, sagte Müssiggang.
Einmal, antwortete Birnbacher nach seinem Sieg wie aus der Pistole geschossen, könne er sich an einen solchen Kampf kurz vor dem Ziel erinnern. Ähnlich gekämpft habe er vor fünf Jahren bei der WM in Antholz, als Neuners Stern mit drei Titelgewinnen aufgegangen war. Damals schaffte Birnbacher mit Platz zwei im Massenstart seinen lange Zeit größten Erfolg. Nur Michael Greis war vor fünf Jahren besser. Diesmal war Greis, der dreimalige Turin-Olympiasieger, noch nicht einmal für das Duell der 30 Massenstarter qualifiziert und auch, da gesundheitlich angeschlagen, nicht in der Staffel dabei. Der 35-Jährige hofft trotz aller Probleme nach seiner sechswöchigen Verletzungspause auf ein Happy-End bei der WM. „Aber einen Freifahrtschein hat niemand“, sagte Müssiggang. (dpa/abendblatt.de)








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