Biathlon-Weltcup
Riesen-Patzer: Neuner schießt auf die falschen Scheiben
Die Rekordweltmeisterin lag in Führung – und leistete sich einen kompletten Aussetzer. Nach vier Strafrunden am Ende nur auf Platz sieben.
Biathletin Magdalena Neuner versiebte den 29. Weltcupsieg, weil sie beim dritten Schießen auf die falschen Scheiben zielte
Foto: REUTERS
Nove Mesto. Das ist Biathlon-Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner noch nie passiert: Beim dritten Schießen lag sie noch klar in Führung, doch dann kam der bittere Fauxpas. Im Stehen schoss Neuner auf die falschen Scheiben und kassierte vier Strafrunden. Der 29. Weltcupsieg futsch. Nach ihrem Anfängerfehler in Nove Mesto verdrückte Magdalena Neuner einige Tränen. "Ich musste erstmal kurz heulen, ich geb's zu“, sagte die Biathlon-Rekordweltmeisterin.
Ihre Schüsse trafen genau ins Schwarze, die Scheiben fielen reihenweise – und Neuner dachte, alles liefe nach Plan. Doch plötzlich die Schrecksekunde: Neuner realisierte, dass sie auf die falschen Scheiben gezielt hatte. Vier Fehler beim dritten Schießen des Verfolgungsrennen von Nove Mesto brachten die 24-Jährige am Sonntag um ihren 29. Weltcupsieg. „Das ist mir noch nie passiert und sehr ärgerlich. Aber im Großen und Ganzen habe ich ein gutes Rennen gemacht, und das muss ich mir behalten“, sagte Neuner und versuchte, gleich das Positive aus der Situation zu ziehen.
Nach dem Zieleinlauf war Neuner durch die Mixed-Zone Richtung Umkleidekabine gestürmt, um erst einmal einen Moment für sich allein zu haben. Mit insgesamt acht Strafrunden landete Neuner – im Sprint und Einzel im tschechischen WM-Ort von 2013 jeweils Dritte – mit 1:20,4 Minuten Rückstand auf die Siegerin Tora Berger aus Norwegen auf Rang sieben. Zweitbeste deutsche Skijägerin war Andrea Henkel als Achte. Ein starke Leistung zeigte mit nur einem Fehlschuss Miriam Gössner als Elfte. „Ich bin überglücklich, mir fällt ein großer Stein vom Herzen“, sagte Gössner, die bislang am Schießstand zu oft daneben schoss.
„Crossfire“ heißt dieses seltene Missgeschick in der Biathlon-Sprache. Magdalena Neuner blieb bisher davon verschont, ist aber in bester Gesellschaft. Darja Domratschewa aus Weißrussland, Magdalena Forsberg aus Schweden oder Uschi Disl – sie alle vergaben durch falsches Zielen mal einen Sieg oder Medaillen.
Vor dem Rennen war Magdalena Neuner noch bester Laune gewesen und legte mit ihrer Zimmerkollegin Gössner und Tina Bachmann bei der durchs Stadion hallenden Stimmungsmusik ein kleines Tänzchen hin. Auch bis zum dritten Schießen war sie flott unterwegs und hielt die Konkurrenz auf Distanz.
Dann kam der unheilvolle Moment. „Ich war total fokussiert und habe nicht auf die Zahl des Schießstandes geschaut“, berichtete Neuner mit feuchten Augen. Während der Interviews musste sie immer mal wieder durchschnaufen. „Ich habe richtig Wut im Bauch gehabt. Aber beim letzten Schießen habe ich nur drauf gepfeffert und gedacht: Diese blöden Scheiben.“
Damen-Coach Gerald Hönig nahm nach dem Zieleinlauf seine Ausnahmeathletin tröstend in die Arme. „Das waren alles saubere Treffer, das ist sehr ärgerlich. Da ist man als Trainer machtlos, da man keine Informationen am Schießstand geben darf“, sagte er.
Zuvor hatten sich die Skijäger in den ersten Biathlon-Weltcups in der Kleinstadt im mährisch-böhmischen Mittelgebirge mit widrigen Witterungsbedingungen auseinandersetzen müssen. Ständig starker und wechselnder Wind sowie teilweise heftiger Schneefall – leicht war es in der neuen WM-Arena nicht.
Das mussten am Sonnabend aus deutscher Sicht Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher schmerzlich erfahren. Beide lagen auf Podestkurs, im entscheidenden Moment hatten sie mit dem Wind jedoch kein Fortune. Nach je drei Nieten standen Birnbacher und Peiffer am Ende nicht auf dem Podest, sondern in den Ergebnislisten nur auf den Rängen zehn und 14.
Derweil hat Nove Mesto zumindest sportlich seine WM-Premiere bestanden. „Wir haben ein Stadion und Strecken auf allerhöchstem Niveau“, sagte Weltverbands-Präsident Anders Besseberg. Auch Neuner ist angetan. „Ich glaube, dass es eine schöne WM hier wird“, sagte die Wallgauerin. Sie wird das Championat vom 7. bis 17. Februar 2013 aber nur noch als Zuschauerin erleben.








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