Tour de Ski
Nicole Fessel: Durch mehr Druck ins Rampenlicht
Bei der Tour de Ski ruhen die deutschen Hoffnungen auf Nicole Fessel. Bundestrainer Jochen Behle erwartet eine Spitzenplatzierung.
Nicole Fessel aufgenommen beim Langlauf Weltcup in Kuusamo
Foto: picture alliance / Sammy Minkoff/augenklick/Sammy Minkoff
Oberhof. Wenn sich Nicole Fessel in die Knie zwingen lässt, dann höchstens von ihrem Körper. Am Selbstbewusstsein der aktuell besten deutschen Skilangläuferin haben die erneuten Rückschläge in diesem Winter nicht genagt, und das ist auch gut so. Schließlich geht die 28-Jährige in Abwesenheit der pausierenden Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle bei der sechsten Ausgabe der Tour de Ski als Deutschlands Hoffnungsträgerin an den Start.
Eine Herausforderung, die Fessel nur zu gerne annimmt. «Ich sehe, dass der Druck jetzt etwas größer ist. Das ist eine neue Situation für mich, aber für diese Situation habe ich gekämpft. Das ist keine Belastung. Den Druck mache ich mir selber», sagte Fessel. Sie selber und auch Bundestrainer Jochen Behle. Der 50-Jährige hält eine Top-Ten-Platzierung in der Gesamtwertung für realistisch. Die gesteigerte Erwartungshaltung lässt er jedenfalls nicht als Ausrede für schlechte Auftritte gelten. «Da muss jede Sportlerin mit umgehen können. Aber man trägt ja auch Hoffnungen», sagte Behle.
Diese will Fessel beim Saisonhöhepunkt auf keinen Fall enttäuschen. Dass es in diesem Winter noch nicht für eine Top-Ten-Platzierung gereicht hat, nimmt die Oberstdorferin als Ansporn: «Ich bin gut dabei, auf einem guten Weg.» Ihre Klasse ließ sie beim Weltcup im finnischen Kuusamo aufblitzen. Nach einem 18. Platz über fünf Kilometer in der freien Technik lief sie im Jagdrennen über die doppelte Distanz auf Rang 13. Ihre Vielseitigkeit stellte die Gesamt-Weltcup-17. der Vorsaison durch einen zwölften Platz im Sprint unter Beweis. Beim vorweihnachtlichen Weltcup in Rogla (Slowenien) musste Fessel nach einer Halsentzündung wie schon in Davos (Schweiz) allerdings passen und verlor zudem wertvolle Trainingszeit. Von daher sei es relativ schwierig einzuschätzen, was bei der Tour möglich ist, sagt sie.
Es war nicht das erste Mal, dass eine Krankheit Fessel gestoppt hat. Die vorherige Ausgabe der Tour de Ski musste die aktuell 26. des Gesamt-Weltcups wegen einer fiebrigen Erkältung sausen lassen. An ihrem Selbstbewusstsein hat der erneute Ausfall aber nicht gezehrt: «Vielleicht ist es sogar ein kleiner Vorteil, dass ich diesmal ausgeruht zur Tour de Ski anreise. In den vergangenen Jahren hatte ich ja immer ein wenig Probleme, wenn mehrere Rennen nacheinander auf dem Programm standen.» Hoffnung auf vordere Ränge lässt auch die Dramaturgie der auf neun Etappen an elf Tagen angelegten Veranstaltung aufkeimen. «Dass erst mal ein paar kürzere Rennen und Sprints auf dem Tour-Plan stehen, kommt mir eigentlich ganz gelegen», sagte Fessel.
Zum Auftakt steht am Donnerstag ein Prolog über 2,5 Kilometer in der freien Technik auf dem Programm - in Oberhof, das zum vierten Mal als Startort fungiert. Nach einer Verfolgung am Freitag zieht der Tross über Oberstdorf nach Italien, wo zunächst in Toblach und Cortina d'Ampezzo gestartet wird. Die Entscheidung fällt am 8. Januar am gefürchteten Schlussanstieg auf der Alpe Cermis. Dass Fessel dann noch in Sichtweite der absoluten Weltspitze um die dreifache Olympiasiegerin Marit Björgen (Norwegen) ist, hält die WM-Siebte von Oslo nicht für ausgeschlossen: «Mein Ziel ist nach wie vor ein Platz unter den Top 15 der Gesamtwertung.»
(sid/abendblatt.de)








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