Prozess gegen Schwenker und Serdarusic
Bestechung beim Handball an der Tagesordnung?
Beiden wird vorgeworfen, das Champions-League-Finale 2007 gegen Flensburg durch Bestechung der Schiris manipuliert zu haben.
Der ehemalige Manager des Handball-Bundesligisten THW Kiel, Uwe Schwenker (r) und Kiels Ex-Trainer Zvonimir Serdarusic
Foto: dpa/DPA
Kiel. Manchmal verwischen die Übergänge zwischen Realität und Fiktion. Gerade in der Literatur kein unübliches Mittel. Vor Gericht jedoch wenig hilfreich. Im Prozess um die Manipulationsvorwürfe gegen die ehemalige sportliche Führung des deutschen Handball-Rekordmeisters THW Kiel versuchte am Mittwoch Zeuge Christian Wiegert, das ganze Dilemma mit wenigen Sätzen auf den Punkt zu bringen.
„Das ist der Stoff aus dem klassische Tragödien sind“, sagte der Rechtsanwalt der Rhein-Neckar Löwen über all das, was derzeit vor der 5. Großen Strafkammer des Kieler Landgerichts verhandelt wird: „Da sind Intrigen und Hybris. Und irgendwann kommt die Frau, die einem den Dolch gibt.“
Was nun wahr und was falsch ist, vermochte auch der 51-Jährige nicht abschließend zu beurteilen. Am zwölften Verhandlungstag wurde erneut viel gesagt und gehört. Meist ging es ums Hörensagen. Belege oder Beweise für die Schuld oder Unschuld der beiden Angeklagten gab es nicht. Uwe Schwenker, der ehemalige THW-Manager, verfolgte das Geschehen mit dynamischem Mienenspiel. Faltige Stirn, rollende Augen, schmollender Mund. Zwischen Haaransatz und Kinn des 52-Jährigen war einmal mehr einiges geboten. Ein paar Meter weiter auf der Anklagebank saß Zvonimir Serdarusic. Der frühere Trainer der Kieler ließ das Prozedere meist stoisch über sich ergehen.
Beiden wird vorgeworfen, das Champions-League-Finale 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt durch Bestechung der Schiedsrichter manipuliert zu haben. Schwenker und Serdarusic streiten dies ab. Es ist wohl der einzige Punkt, in dem man sich noch einig gibt. Man ist heillos zerstritten und würdigt sich keines Blickes. Schließlich war da zum einen die Entlassung von Serdarusic in Kiel, die einen Keil zwischen die früheren Freunde trieb. Da war vor allem aber Schwenkers Scheidung von seiner Ehefrau. Die Ex-Gattin ist eine gute Freundin von Frau Serdarusic. Es gab mächtig Zoff. Manch einer geriet zwischen die Fronten.
Die Rhein-Neckar Löwen hatten Serdarusic Ende 2008 für sich gewonnen und mit einem Vertrag ab dem 1. Juli 2009 ausgestattet. Dann verdichteten sich die Gerüchte um die angebliche Manipulation und im Hause des Coaches spielten sich dem Vernehmen nach bizarre Szenen ab. Besonders die Hausherrin fiel nach Angaben von Wiegert und Löwen-Manager Thorsten Storm durch ihre Emotionalität in der Sache auf.
„Ich hatte das Gefühl, ich bin in ein Minenfeld geraten. Da muss man still stehen und sich ganz langsam wieder heraus bewegen“, beschrieb Wiegert am Mittwoch ein Treffen mit dem Ehepaar Anfang 2009. Nach Angaben des Zeugen sowie von Storm und Löwen-Eigentümer Jesper Nielsen seien von der aufgebrachten Dame Schriftstücke präsentiert worden. Diese sollten belegen, dass Schwenker eine Manipulation initiiert und vorangetrieben habe. Da gab es Kontoauszüge und eine vermeintliche Selbstanzeige eines ebenso vermeintlichen Mittelsmannes aus Kroatien.
Die Authentizität der Papiere erschien manchem der Anwesenden offenbar zweifelhaft. Zumal: In die Hände des Ehepaars Serdarusic sollen die Schriftstücke durch Schwenkers Ex-Frau gelangt sein. Am Ende war den Löwen der Wahrheitsgehalt der ganzen Sache jedoch ohnehin fast egal. Sie lösten den Vertrag mit Serdarusic, um „keine gemeinsame Leiche im Keller zu haben“ (Wiegert).
Löwen-Manager gerät in Erklärungsnot
+++ Untreue, Betrug, Bestechung - Handball-Welt blickt nach Kiel +++
Überhaupt gab sich der Jurist in seiner Vernehmung desillusioniert und rückte gleich die ganze Szene ins Zwielicht. Nach den Gesprächen im Haus von Serdarusic habe er das Gefühl gewonnen, dass solche Manipulations-Praktiken „bei internationalen Spielen gang und gäbe“ seien, gab der 51-Jährige an. Es sei ihm vorgekommen, als ob es bei der Bestechung von Unparteiischen „nur eine Frage des Geschicks sei, welche Mannschaft da schneller und besser“ handele.
Doch es geht in Verhandlungssaal 232 nicht nur um angeblich gekaufte Spiele. Die Verteidigung wittert auch einen Erpressungsversuch. Wollten die Löwen ihr Wissen um die Bestechungsgerüchte nutzen, um die von ihnen umworbenen damaligen THW-Profis Nikola Karabatic und Vid Kavticnik zu einem günstigen Preis zu bekommen? Auch hier sind Wahrheit und Fiktion weiter nicht geklärt. Alles ist undurchsichtig, kaum zu greifen, diffus. Der nächste Akt steigt am 8. Dezember. (dapd/abendblatt.de)








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