Bundesliga am Freitag
Mainz gewinnt 3:1 gegen den VfB Stuttgart in Unterzahl
Der 12. Spieltag der Fußball-Bundesliga eröffnete mit der Partie des 1. FSV Mainz 05 gegen den VfB Stuttgart. Danach gab es Zoff.
Als die lange Leidenszeit ein Ende hatte, zog der FSV Mainz 05 den Karnevalsbeginn spontan um eine Woche vor. Doppeltorschütze Anthony Ujah sang mit den Fans ausgelassen auf dem Zaun der Tribüne, seine Mitspieler und die Klubverantwortlichen lagen sich erleichtert in den Armen. „Wenn es denn ein Fluch war, ist er endlich vorbei. Wir sind sehr froh“, sagte Manager Christian Heidel nach dem 3:1 (0:0) gegen den VfB Stuttgart und sprach allen Mainzern aus dem Herzen.
Dass die Serie von fünf Heimpleiten und insgesamt neun Spielen in Folge ohne Sieg gestoppt wurde, war nicht zuletzt ein Verdienst von Ujah. Mit seinen ersten beiden Toren (53./64.) in der Fußball-Bundesliga sorgte der 20-Jährige, der in der Sommerpause vom norwegischen Klub Lilleström SK verpflichtet wurde, für die Wende. Erst nach dem Spiel war der Nigerianer beim Siegerständchen mit den Fans etwas orientierungslos. „Ich wusste gar nicht, was ich gesungen habe. Unsere Fans haben mir gesagt, was ich singen soll“, erklärte Ujah.
Für seine Treffer war Ujah dagegen selbst verantwortlich. „Ich habe mir die vergangenen Spiele angesehen und festgestellt, dass ich häufig falsch gestanden habe. Deshalb habe ich es diesmal etwas anders gemacht und war so zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, erklärte Ujah, der nach seinem imposanten Auftritt beim zweiten Spiel von Beginn an nun richtig durchstarten will. Seine Ziele sind klar umrissen: Ein Stammplatz in Mainz und der Durchbruch in der nigerianischen Nationalmannschaft.
Manager Heidel traut Ujah noch viel zu. „Er hat die norwegische Liga fast im Alleingang erschossen. Es war nur eine Frage der Zeit, wann er auch für uns trifft. Ich freue mich für ihn, weil der Anton ein ganz feiner Mensch ist“, sagte Heidel. Trainer Thomas Tuchel schloss in sein Lob gleich die gesamte Mannschaft ein: „Die Jungs haben sich emotional auf ein noch höheres Niveau gehoben. Diese Verbissenheit hat den Ausschlag gegeben.“
Allerdings hatte Mainz beim schmeichelhaften Elfmeter, den Andreas Ivanschitz nach exakt einer Stunde zum 2:1 verwandelte, Glück. Dies gestand auch Tuchel ein, der in der vergangenen Woche noch vehement Schiedsrichterentscheidungen gegen die eigene Mannschaft moniert hatte: „Dass der VfB sich heute benachteiligt fühlt, kann ich nachvollziehen. Aber es geht mir wie sonst den Kollegen, mir ist es letztlich egal. Für uns ist wichtig, dass wir das richtige Ergebnis erzielt haben.“
Volle Rückendeckung bekam Tuchel, der zuletzt wegen seiner aufbrausenden Art in der Öffentlichkeit kritisch beäugt worden war, von Heidel. „Wir wollen in Mainz doch auch ein Stück Emotionalität. Thomas muss ganz genauso bleiben, wie er ist“, sagte Heidel, der von einer Entwarnung aber nichts wissen wollte: „Wenn wir unser nächstes Auswärtsspiel beim 1. FC Köln 0:4 verlieren, war es kein Befreiungsschlag.“ In Köln müssen die Mainzer auf Mittelfeldspieler Eugen Polanski verzichten, der nach einem Foul an Christoph Hemlein (84.) die Rote Karte bekam.
Stuttgart fühlte sich nach der turbulenten zweiten Halbzeit, in der Kapitän Cacau den VfB in der 50. Minute in Führung gebracht hatte, benachteiligt. „Es tut weh, wenn man in einer entscheidenden Situation so einen Elfmeter gegen sich bekommt. Das ist Wahnsinn, das ist abenteuerlich“, richtete Sportdirektor Fredi Bobic seine Kritik gegen Schiedsrichter Guido Winkmann. Der mexikanische Innenverteidiger Maza, der Nicolai Müller vor dem Strafstoß zu Fall gebracht haben soll, sah nach dem Schlusspfiff wegen angeblicher Schiedsrichterbeleidigung auch noch die gelb-rote Karte. „Ich weiß nicht, was er gesagt haben soll. Sein Deutsch ist gar nicht so gut“, sagte Bobic.
Bei aller Schiedsrichterschelte nahm Trainer Bruno Labbadia aber auch seine eigene Mannschaft nach der gerissenen Erfolgsserie von fünf Spielen ohne Niederlage in die Verantwortung. „Nach der Führung sind wir zu sehr zurückgewichen. Und wir müssen lernen, dass wir nach Fehlentscheidungen nicht unsere Linie verlieren“, sagte Labbadia: „Deshalb müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen.“








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