"Deutschland kaputt"
Basketball-EM: Nach dem 71:93 gegen Litauen spielen Nowitzki & Co. heute gegen Italien um den Einzug ins Viertelfinale.
Norrköping. Am Ende glich die deutsche Bank einem Big-Brother-Container, in dem gerade der Streit seinen Höhepunkt erreicht hat. Bundestrainer Henrik Dettmann fuhr sich immer wieder fassungslos über die Glatze. Marko Pesic blickte auf die Neonröhren unter dem Hallendach, und Dirk Nowitzki schüttelte nur noch seinen Kopf. Der Rest des Teams auf der Bank haderte, fluchte und wollte sich nicht mehr einkriegen. Über ihnen sangen die litauischen Fans ihre Schmährufe: "Deutschland kaputt". Am liebsten hätten sie sich alle fernab der Öffentlichkeit verkrochen. 71:93 (33:46) hatten sie ihr letztes Gruppenspiel bei der Basketball-EM in Schweden gegen den Olympiadritten Litauen verloren und damit den wichtigen Gruppensieg verpasst. Doch sie ärgerten sich nicht über die Niederlage an sich. Auch nicht, dass sie heute in Norrköping (20.30 Uhr/Aufzeichnung 23.40 Uhr im ZDF) als Gruppenzweiter in der Qualifizierungsrunde gegen Italien antreten müssen - und damit im Viertelfinale auf die starken Griechen treffen würden. Vielmehr war es die Art, wie sie vorgeführt worden waren. "Unnötig", befand Patrick Femerling. "Wir haben die einfachsten Korbleger nicht reingemacht." Doch es war mehr als das: Die DBB-Auswahl wurde von den Litauern geblockt, übersprungen und ausgetrickst. Der Titelmitfavorit hatte sich blamiert. "Wir hatten Probleme in der Ballkontrolle, mit dem Passen, mit der Rotation, mit der Physis, mit dem sehr körperbetonten Spiel, mit den Ballverlusten", ärgerte sich Dettmann - und hätte am liebsten das Aufzählen ewig weitergeführt. All diese Probleme hatte seine Mannschaft von Beginn an. Litauen spielte sich in Norrköpings Himmelsundtalshallen in einen Rausch. Quirliger, schneller und cleverer starteten die Balten ins Spiel. Kaum unter Kontrolle konnten Nowitzki & Co. vor allem ihre starken Dreierschützen (13 Treffer bei 28 Würfen) bringen. Bereits in der Halbzeit lagen die Litauer mit 13 Punkten in Front. Doch es war nur der Zwischenstand eines deutschen Horrortrips, den Nowitzki als "in der Verteidigung katastrophal" einordnete. Lediglich er selbst vermochte dem rasanten Tempo der Litauer mit 19 Punkten ein wenig standzuhalten. Unkonzentriert hatten die Deutschen schon im Auftaktspiel gegen Israel fast den Sieg verspielt. Gegen Lettland (94:86) traten sie am Tag danach konzentrierter auf, aber viele Schwächen waren auch hier schon gegen die Distanzschützen zu beobachten. Berauscht von ihrer eigenen Leistung, deklassierten die Litauer derweil Dettmanns Team. Drei Minuten vor Ende führten sie mit 25 Punkten. am Ende waren es noch 22. "Das ist eine Blamage, wie ich sie noch nie bei der Nationalmannschaft erlebt habe", staunte Aufbauspieler Mithat Demirel. Nur Nowitzki schöpfte bereits wieder Hoffnung: "Wenn wir als Mannschaft auftreten, können wir noch immer jeden schlagen." Aber, mahnte er, so eine Leistung wie gegen Litauen dürfe man auf europäischem Spitzenniveau nicht noch einmal bieten: "Hoffentlich hat das jeder begriffen!"






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